Fast alle Bundesländer haben derzeit Ferien, und ausgerechnet jetzt bricht ein Schulstreit aus: Einige Kultusminister fordern – unterstützt von der Bundesbildungsministerin – ein deutschlandweites Abitur. Die CSU hingegen schreit: "Zentralismus!" Und besorgte Lehrer warnen schon vor dem "Billig-Abitur".

Hinter dem Streit steht ein alter Skandal: Das Abitur ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich schwer. Niedersächsische Absolventen waren dieses Jahr im Schnitt eine Drittelnote schlechter als thüringische. Die Niedersachsen dürften zwar nicht dümmer sein als die Thüringer, kommen aber nun schwerer an begehrte Studienplätze. Die "eingeschränkte länderübergreifende Vergleichbarkeit" kritisierte selbst das Bundesverfassungsgericht. Kurzum: Die Allgemeine Hochschulreife ist so ungerecht, dass man sie schon "Gemeine Hochschulreife" nennen könnte.

Ein Deutschland-Abitur wäre gut für alle: für die Schüler, die gerechtere Noten bekämen; für die anspruchsvollen Lehrer, die stärker wertgeschätzt würden; und für das Abitur an sich, das nur dann einen Wert behält, wenn es für Hochschulen und Arbeitgeber wirklich etwas über den Absolventen aussagt.

Und es wäre gut für die Bildungsnation Deutschland: Früher grassierte die Sorge, durch ein einheitliches Abi würden alle Schulen schlechter – überall Bremen statt überall Bayern. Die Furcht vor der Standardisierung ist aber unberechtigt, denn heute steht Standardisierung dank der zahllosen Pisa-Studien und internationalen Vergleichstests für Niveausteigerung. Ein Bundes-Abi dürfte also Sogwirkung haben – nach oben.

Bildung ist eines der wenigen Felder, auf denen die Bundesländer noch Macht haben. Deren Kultusminister haben sich zwar redlich bemüht, die 16 Landesabiture vergleichbarer zu machen, verhedderten sich aber dann doch immer wieder im egoistischen Klein-Klein. Mit dem übergreifenden Abitur käme auch der Bildungsföderalismus alter Prägung an sein Ende.

Auf Abi-Partys von morgen könnte man dann nicht nur die Absolventen feiern, sondern auch die einsichtigen Minister – die auf Einfluss verzichten, um die Bildung zu stärken.