Alle Jahre wieder ergibt sich ein Anlass, das Gedenken des 20. Juli oder die Verschwörer, die 1944 an diesem Tag Hitlers Herrschaft zu beenden versuchten, madig zu machen. Diesmal ist es Thomas Karlaufs Buch über Claus Schenk von Stauffenberg: Er habe einem esoterischen, von Stefan George inspirierten Nationalismus angehangen – von Jünglingstagen an bis zum Attentat. Mehr noch: Deshalb habe er ähnlich wie die Nazis gedacht. Die Siege in Skandinavien und in Polen hatten Stauffenberg begeistert. Dass er die polnische Bevölkerung verachtete, ist Karlauf besonders wichtig, impliziert das doch eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal ihrer Kolonisierung. Das wird zu Karlaufs Vorlage, um die Berichte, Stauffenberg habe Hitler zu diesem Zeitpunkt schon als Unhold gesehen, zu verwerfen. Die kenntnisreiche Konzentration auf die weiteren militärischen Ereignisse, die absehbare Niederlage im Osten, bereitet die These vom eigentlichen Motiv Stauffenbergs vor: kein Tyrannenmord, sondern Beseitigung eines für Deutschland Unfähigen. Die entgegenlautenden Berichte über Stauffenbergs vernichtende Charakteristik Hitlers erklärt Karlauf für spätere Projektionen.