Vor 15 Jahren zogen die Universitäten erstmals in einen Elite-Wettbewerb. Jetzt wird entschieden, wer die Krone dauerhaft tragen darf. Was bringt das Ganze eigentlich?

Finanziell gesehen war der Exzellenzwettbewerb der deutschen Universitäten immer schon ein Witz. Knapp fünf Milliarden Euro haben Bund und Länder bisher gezahlt, verteilt auf Dutzende Universitäten. Das ist nur ein Bruchteil der Etats der großen amerikanischen Universitäten, mit denen man es aufnehmen wollte. Es gab also Energydrinks für die Regionalliga – mit der Ansage, bitte bei der Weltmeisterschaft anzutreten. Doch es geschah das Wundersame: Die Regionalliga legte los. Kämpfte, schwitzte, siegte. Als ginge es um alles.

Das hat einen Grund: Es ging um alles. Um die Identität der deutschen Universität.

Zwei Jahre warb Edelgard Bulmahn (SPD), die damalige Wissenschaftsministerin im Kabinett Schröder, für ihre Idee: Sie wollte Deutschlands Spitzenuniversitäten küren. Glamour erhoffte sie sich für die Unis, durchaus – vor allem aber ging es darum, Deutschlands Forschungsleistung zu steigern, um den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum zu stärken. Die Exzellenzidee war auch eine Reaktion auf die große Angst nach dem Pisa-Schock der Jahrtausendwende, dass Deutschland seinen Ruf als Bildungsnation verspielen könnte. 2006 war es erstmals so weit. Eine Runde folgte auf die nächste, 2007, 2012. Universitäten schrieben ihre Anträge, wurden begutachtet, und dann wieder von vorn. Exzellenztitel wurden errungen und wieder verloren, Wissenschaftler fieberten und fluchten.

In dieser Woche wird zum vierten Mal entschieden, welche Universitäten gewinnen. Diesmal ist die Entscheidung so wichtig wie nie zuvor. Denn nun gilt eine neue Regel: Wer jetzt gewinnt, bleibt. Es ist ein Endspiel, fast jedenfalls: Die Auserwählten werden dauerhaft finanziell gefördert, sofern eine regelmäßige Evaluation nicht dagegenspricht und die Forschungsleistungen hoch bleiben. Doch knapp 15 Jahre nachdem sich die deutsche Hochschulpolitik neu erfunden hat, verausgaben sich Deutschlands Wissenschaftler immer noch an einer Grundsatzfrage: Was hat der ganze Aufwand eigentlich gebracht?

Zweierlei: Die "Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder", wie sie offiziell heißt, ist geglückt und gescheitert zugleich. Ein Erfolgsprojekt mit Malus.

Die Bilanz stimmt im Großen und Ganzen: An den Exzellenzuniversitäten, vor allem in ihren Forschungsverbünden – den sogenannten Exzellenzclustern –, wird mehr publiziert, zudem in hochwertigeren, internationalen Fachzeitschriften. Nach Jahren des Brain-Drains, in denen deutsche Forscher abwanderten, kann man jetzt sogar wieder Wissenschaftler aus dem Ausland abwerben. Universitäten, außeruniversitäre Forschung und Wirtschaft haben sich besser verzahnt. Es gibt mehr Patente, mehr Kooperationen, auch mehr Sichtbarkeit im internationalen Feld.

Den einen Leuchtturm, an dem sich alle ausrichten – Studierende, Wissenschaftler, Öffentlichkeit, die Welt –, den gibt es hierzulande zwar nicht. Deutschland hat sein Harvard nicht gefunden. Aber es gibt einen Kreis aus zehn, fünfzehn Universitäten, die in ihren jeweiligen Schwerpunkten ausgezeichnete Forschungsleistungen erbringen und die sich zudem regional ballen. Im Süden, im Westen, in Berlin. Bulmahns Hoffnung, der Wettbewerb werde eine "positive Leistungsspirale" in Gang setzen, hat sich erfüllt. Schon nach der ersten Wettbewerbsrunde begannen die Universitätspräsidenten zu schwärmen: von der Dynamik, die ihre schwerfälligen Tanker erfasst hatte. Von der Lust, die eigene Institution mit ein paar strategischen Fragen herauszufordern: Was können wir? Was wollen wir? Wer sind wir?