Länger als ein Jahr musste Mark Zuckerberg rätseln, wie ernst es für ihn werden würde. Im April 2018 hatte der US-Kongress den Facebook-Chef zehn Stunden lang befragt. Es ging um die Aufarbeitung eines Skandals: Die Firma Cambridge Analytica war über Facebook an Daten gelangt, mit denen sie versuchte, Wähler zu beeinflussen. Blass trat Zuckerberg damals vor die Abgeordneten und Senatoren, er wirkte wie ein Student während der Examensprüfung. Nur dass ihm nicht irgendein Professor gegenübersaß, sondern die geballte Macht der US-Legislative. Die Botschaft der Fragensteller war deutlich: Sie würden nicht länger einfach so wegschauen. Doch welche Konsequenzen sie ziehen würden, blieb unklar.

Jetzt sickerte durch, dass die Federal Trade Commission (FTC), die US-Behörde für Verbraucherschutz und Wettbewerb, wohl ein Bußgeld von fünf Milliarden Dollar gegen Facebook verhängen wird. Mehrere Medien berichteten am Wochenende über den Vergleich, den die FTC mit Facebook in den vergangenen Monaten ausgehandelt habe. Noch muss das amerikanische Justizministerium zustimmen, doch das erscheint bloß als Formalie.

Ist das nun also ein großer Schlag gegen den Konzern, vor dem sich Zuckerberg fürchten müsste? Facebook steht schließlich nicht nur wegen der Affäre um Cambridge Analytica unter Beschuss. Das soziale Netzwerk muss sich an mehreren Fronten verteidigen: wegen wiederholter Datenpannen und der großen Marktmacht, die es gemeinsam mit seinen Tochterfirmen WhatsApp und Instagram erreicht hat; gegen den Vorwurf, ein Klima des Hasses und der politischen Spaltung zu befördern.

Kaum war die Nachricht von der Strafe in der Welt, meldeten sich die ersten Kritiker zu Wort: Zwar habe die FTC noch nie einem Unternehmen eine solch hohe Summe aufgedrückt, aber fünf Milliarden Dollar würden Facebook kaum wehtun, immerhin habe der Konzern zuletzt rund dreimal so viel Umsatz gemacht – in einem Quartal.

Ob die Entscheidung sich wirklich als "Mückenstich" entpuppt, wie es ein Senator der Demokraten formulierte, hängt davon ab, inwiefern sie mit Auflagen verbunden wird, die Facebook einen anderen Umgang mit Daten aufzwingen. Die Washington Post berichtet von Überlegungen in diese Richtung: Demnach könnte das soziale Netzwerk verpflichtet werden, bei jedem neuen Produkt zu dokumentieren, wie es Daten verwendet. Zuckerberg und andere Führungsleute müssten womöglich bezeugen, dass der Konzern die Privatsphäre seiner Nutzer schützt. Ob es so oder so ähnlich kommt, lässt sich noch nicht sagen. Facebook und die Verbraucherschutzbehörde haben sich bislang nicht dazu geäußert.

Aber auch anderswo auf der Welt haben Behörden Facebook ins Visier genommen. Europa hat seit 2018 ein machtvolles Instrument: die Datenschutz-Grundverordnung. Diese sieht bei Verstößen Geldbußen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes eines Unternehmens vor. Durchsetzen muss die Verordnung das EU-Mitglied Irland. Von dort aus lenkt Facebook sein Europa-Geschäft. Bei der irischen Datenschutzbehörde laufen derzeit elf Untersuchungen gegen den Konzern. Sie befänden sich in einem "fortgeschrittenen" Stadium, heißt es. Beobachter fürchten aber, Irland werde die Plattform glimpflich davonkommen lassen. Schließlich habe sich das Land bereits gegen eine EU-Digitalsteuer gesperrt, aus Rücksicht auf die amerikanischen Tech-Riesen, die ihre Europazentralen in Irland haben.

Folgenreicher ist da womöglich eine Entscheidung des Bundeskartellamts. Die Bonner Wettbewerbshüter untersagten dem Konzern im Februar, die Facebook-, Instagram- und WhatsApp-Profile der Nutzer ohne deren Einwilligung miteinander zu verknüpfen. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sprach von einer "inneren Entflechtung" der Daten. Tatsächlich könnte dieser Vorstoß Facebooks Geschäftsmodell im Kern angreifen. Noch ist auch hier unklar, ob die Wettbewerbshüter sich durchsetzen können, denn Facebook wehrt sich juristisch gegen den Beschluss. Eine Entscheidung des Gerichts wird frühestens in einigen Monaten erwartet. Das zeigt: Das Ringen um die Frage, wie sich Facebook zähmen lässt, hat gerade erst begonnen.