Sonnenstrahlen tasten sich in der wohlsituierten Mitte der Republik durch den wolkenverhangenen Himmel; der Wind, der die Trauerweiden in den Vorgärten wippen lässt, singt sein ewig gleiches Lied (Zehn nackte Friseusen). Nach kurzem Sturmklingeln öffnet uns der Milliardär die Tür. Der Mann trägt schwer an seinem Erbe, und er hat ein Anliegen: "Manche denken wahrscheinlich, ich würde den ganzen Tag wie Dagobert Duck in meinem Geldspeicher hocken. Dabei besteht mein Alltag aus harter Arbeit." Unser Milliardär fühlt sich sichtlich angegriffen durch die jüngsten Äußerungen von Kevin Kühnert (KPD/ML) und die schlechte Presse der letzten Wochen, Monate, ach was, Jahre, die wieder mal in alten Geschichten wühlte. Wütend pfeffert er seine Gamaschen in die Zimmerecke. "Ächz! Haben wir damals alles richtig gemacht? Klares Nein. Aber: Haben wir unsere Vergangenheit aufgearbeitet? Klares geht so", quakt er und stopft mehrere Bände der Firmenchronik in den Aktenschredder. Der Erbe zeigt auf ein gerahmtes Bild seiner Großneffen – auch 1113 Jahre nach Gründung ist und bleibt die Firma eben ein Familienbetrieb. "Wenn die drei nächste Woche aus dem Pfadfinderlager wiederkommen, werden sie die restlichen Sommerferien für mich arbeiten", erzählt der Milliardär und nimmt auf dem Aufsitzrasenmäher Platz, der in konzentrischen Kreisen über die sieben Meter langen Massivholzdielen fährt.

Sein Blick gilt der Zukunft: Er springt auf und watschelt zu seinem Schreibtisch, um Skizzen des neuesten Firmenprojekts H.U.B.R.A.U.M. hervorzukramen ("Hypermoderne unternehmerische Bewältigungs-Richtlinien für außergewöhnliche unvorhergesehene Miseren"). In Zeiten der Klimakrise dürfe man, betont der Unternehmer und scheuert seinen Bürzel gegen die Wand, nicht hintanstehen. Deshalb arbeite die firmeneigene Forschungsabteilung unter der Leitung von Chefingenieur Daniel Düsentrieb mit Hochdruck an Alternativen zum Verbrennungsmotor. Sorgen bereite ihm allein die Kapitalertragsteuer ("viel zu hoch") und dass Gundel Gaukeley ihm seinen Glückskreuzer abjagen wolle. "Dem Milliardör ist nichts zu schwör", lacht er gequält, bevor er eine Handvoll gut platzierter Gewehrschüsse auf die sich durch den Vorgarten robbenden Panzerknacker abfeuert. Solange Wirtschaftskapitäne wie dieser Mann am Ruder sind, das ist nach unserem Besuch sicher, bleibt der alte Dampfer Deutschland auf Kurs. Volle Fahrt voraus! Tut, tut! FINIS