Seit fast 20 Jahren reist der Pariser Filmemacher Vincent Moon durch die Welt. Ein Rucksack, eine Kamera und ein Laptop, mehr trägt er nicht bei sich. In den entlegensten Gebieten sucht er nach dem Urton der Musik.

Über Ländergrenzen hinweg berührt uns dieser Ton oft ganz unvermutet, im spanischen Flamenco, im Fado Portugals, dem griechischen Rembetiko, oder im mongolischen Obertongesang.

Moon erkannte schnell: Wer sich auf die Suche nach dem gemeinsamen Ursprung der Musik macht, sucht in Wahrheit nach den eigenen spirituellen Wurzeln. Dem deutschen Weltmusikmagazin Folker erklärte Moon, der mit bürgerlichem Namen Mathieu Saura heißt, "in einer Art Selbsterfahrungsmodus zu sein, aber dem besten, den es gibt, dem des Unbewussten".

Als Fotograf begann er klassisch, doch stehende Bilder können nur etwas festhalten. Mithilfe von Überblendungen verwandelte er die Fotosequenzen in kurze Filme. Als ihm ein befreundeter Avantgarde-Regisseur nahelegte, doch richtige Filme zu machen, drehte er zunächst Clips, in denen er Songs in stimmungsvolle Landschaften einbettete.

In einem weiteren Schritt drehte er mit Musikern und Bands an ungewöhnlichen Orten im öffentlichen Raum und kreierte dadurch einmalige Momente. In seinen "Take-away Shows" im Netz ist diese spirituelle Dimension erkennbar. Menschen verschmelzen zu einem fröhlichen Ganzen. Die Töne stiften für einen Moment Gemeinschaft, sie alle eint die Universalität von Musik. Das passiert sonst nur bei manchen Gottesdiensten.

In der Session liegt die Kraft. Die tiefe Beziehung zwischen spiritueller Grunderfahrung in Musik und Religion wurde dem fahrenden Tonsucher im Laufe seiner Reisen immer deutlicher. Moon reiste zu indianischen Völkern nach Peru, die durch Halluzinogene in religiöse Trancezustände geraten, und drehte Sufi-Rituale in Tschetschenien. Auf der Therapeutencouch mag das Unbewusste vielleicht zu Wort kommen, die Religion aber verleiht ihm Sprache und Klang.

Moon ist kein Liedgutarchivar, der eine Kultur tief studiert. Selbstlos stellt er alle seine Filme kostenlos ins Netz, er lebt von Workshops und Spenden. Dem Fährtensucher geht es darum, den Menschen deutlich zu machen, wie Film und Musik dabei helfen können, ihre eigene Kultur auf eine neue Weise zu betrachten. Den fremden Blick zu erhalten, darauf legt Moon Wert: "Meine Arbeit basiert darauf, die Gesellschaft zu fühlen. Und dieses Gefühl bleibt nur bestehen, wenn ich nicht lange bleibe. Je länger ich mich dort aufhalte, desto mehr entferne ich mich von ihr." Das ist der Preis, wenn man zur Quelle der Musik gelangen will. Und Moon ist ein Pilger.

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