Kurz bevor Donald Trump am Sonntag zum Golfen fuhr, entschied er sich, wieder einmal den Hass in Amerika ein wenig anzuheizen. Auf Twitter forderte er vier junge Abgeordnete der Demokraten auf, die USA doch bitte zu verlassen. Sie hatten seine Flüchtlingspolitik, besonders die erschreckenden Zustände in den Lagern an der Grenze zu Mexiko, scharf kritisiert. "Warum gehen sie nicht zurück und bringen die kaputten, von Kriminalität befallenen Orte in Ordnung, aus denen sie gekommen sind", schrieb der Präsident.

Natürlich wusste Trump genau, dass drei der vier Frauen gebürtige US-Amerikanerinnen sind. Es kam ihm darauf an, dass sie anders aussehen als der Adressat seiner Botschaft – seine überwiegend weiße Wählerbasis.

Die Demokraten verurteilten Trumps Äußerungen scharf, und für einen Moment schien der Präsident sich vor allem selbst geschadet zu haben. Er hatte die jungen Abgeordneten gewissermaßen im Geiste ausgebürgert, er hatte sie auf (vermeintliche) Herkunft und Hautfarbe reduziert – eine unzweideutig rassistische Entgleisung.

Doch was auf den ersten Blick aussah wie ein Fehltritt und damit ein Geschenk an den politischen Gegner, entpuppte sich auf den zweiten Blick als eine geschickt gestellte Falle. Die berechtigte Empörung über derartige Äußerungen Trumps verleitet die Demokraten zu einer bequemen und selbstgerechten Haltung in einer zentralen Frage des beginnenden Wahlkampfs.

Donald Trump hat ganz offensichtlich vor, das Thema Einwanderung erneut zum Mittelpunkt seiner Kampagne zu machen – diesmal vor dem Hintergrund zunehmender Flüchtlingszahlen aus Mittelamerika. Trump will dagegen mit dem Bau der Mauer und einer ganzen Reihe harter Maßnahmen vorgehen. Er hat Mexiko durch die Androhung von Strafzöllen gezwungen, Flüchtlinge bereits an der eigenen Südgrenze zu stoppen. Asylbewerberfamilien werden mitunter getrennt und in erbärmlichen Unterkünften festgesetzt. Und jetzt hat Trump angeordnet, dass Flüchtlinge aus Mittelamerika keine Asylanträge mehr in den USA stellen dürfen. Sie sollen, so der Präsident, in jenen Drittländern um Schutz bitten, die sie auf ihrem Weg in die Vereinigten Staaten durchquert haben.

Die Demokraten kritisieren diese harsche Politik. Doch wenn es um konkrete Gegenvorschläge geht, wird es dünn. Als die demokratischen Präsidentschaftskandidaten kürzlich zu ihrer ersten Fernsehdebatte antraten, sagte kein einziger Bewerber etwas dazu, dass der überlastetete Verwaltungsapparat für die große Zahl von Asylbewerbern gar nicht ausgestattet ist. Niemand erklärte, wo all die neuen Flüchtlinge untergebracht werden sollen und was mit abgelehnten Bewerbern geschehen soll. Nur über zwei Punkte waren sich die meisten Kandidaten einig. Sie wollen die unerlaubte Einwanderung entkriminalisieren und allen Migranten, legalen wie illegalen, den kostenlosen Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglichen.

Damit hat Trump die Demokraten genau in der Ecke, in der er sie für seinen polarisierenden Wahlkampf braucht. Er lässt keine Gelegenheit aus, seinen Anhängern in einfacher Sprache zu erklären, worauf die Migrationspolitik der Demokraten hinauslaufe: auf "offene Grenzen". Die Demokraten mögen dieser Tage glauben, sie hätten Trump entlarvt. Denkbar ist allerdings auch, dass sie sich von ihm haben austricksen lassen.

Kontrollierte Einwanderung ist kein genuin rechtes Thema. Überall auf der Welt haben Wähler in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass ihnen Grenzen wichtig sind. Warum also überlassen die Demokraten das Thema Trump? Sie schulden den Flüchtlingen wie auch den US-Bürgern eine politische Lösung.

Es ist noch nicht allzu lange her, da haben linke Intellektuelle und Politiker es sich mit dem Thema Einwanderung angemessen schwer gemacht. Der Ökonom Paul Krugman schrieb 2006: "Einwanderung ist ein sehr schmerzhaftes Thema für einen Linken wie mich, denn dabei treten Grundprinzipien in Konflikt. Soll man Migration von Mexiko in die USA feiern, weil sie armen Menschen ein besseres Leben ermöglicht? Oder ist sie abzulehnen, weil sie die Löhne der Amerikaner nach unten treibt und den Wohlfahrtsstaat untergräbt?"

Für Latino-Wähler ist es nicht so wichtig, ob ein Kandidat Spanisch sprechen kann

Barack Obama schrieb in seinem Buch Hoffnung wagen im selben Jahr: "Wenn ich mexikanische Flaggen auf Pro-Einwanderungs-Demos sehe, dann fühle ich manchmal ein gewisses patriotisches Ressentiment. Wenn ich gezwungen bin, einen Übersetzer zu benutzen, um mit dem Mann zu kommunizieren, der mein Auto repariert, fühle ich eine gewisse Frustration." Dass einer der demokratischen Präsidentschaftskandidaten so etwas heute sagen könnte, kann als ausgeschlossen gelten.

Das zeigte sich während der ersten Fernsehdebatte, in der sich die Kandidaten geradezu darin überboten, ein paar spanische Sätze aufzusagen, besonders eifrig die Nichtlatinos. Das hätte eine nette Geste sein können, doch im Zusammenhang mit dem Wahlkampf wirkte es ranschmeißerisch. Und war dazu noch vergeblich, wie eine Umfrage ergab: Die Fähigkeit eines Präsidentschaftskandidaten, Spanisch zu sprechen, ist für Latino-Wähler die am wenigsten entscheidende Qualifikation.