Die Gartenarbeit wurde vom lieben Gott erfunden. Er hat den Garten Eden fertig hingestellt, womöglich mit Rollrasen, zum Genießen für Adam und Eva. So etwas wie einen fertigen Garten hat es seither nie wieder gegeben. Leider. Nun liebt es eine Hälfte der Menschheit, im Garten zu arbeiten, während die andere Hälfte zwar Gärten liebt, die Arbeit aber nicht so sehr. Diese Menschen schauen sich umso lieber an, was andere mit Gartenarbeit zustande bringen.

Zum Beispiel auf der 800 Jahre alten Gamburg. Die bietet alles, was man von einer deutschen Stauferburg erwarten kann – exponierte Lage, dramatische Geschichte. Dazu aber hat sie mehr Garten als andere, viel mehr, in drei Ringen legt sich Grünes um den Berg, und im Zentrum liegt – trara: ein Barockgarten. Absolut ungewöhnlich auf Burgen, daher ist man darauf sehr stolz. Ein lang gestrecktes Rechteck, von Ost nach West ausgerichtet, damit man den Auf- und Untergang der Sonne verfolgen kann. Gesäumt von präzise gestutzten Buchshecken, mit Obelisken und plätscherndem Nymphenbrunnen. Und dieser Brunnen – nein, dazu später mehr.

Als die freiherrliche Familie von Mallinckrodt vor 40 Jahren die ziemlich heruntergekommene Gamburg kaufte, war von der barocken Grünanlage nichts mehr zu erkennen. Wüst, zugewachsen, eine Wildnis wie bei Dornröschen. Was jetzt daraus geworden ist, ist der Hartnäckigkeit und Arbeit der von Mallinckrodts zu verdanken. Und es ist in seiner Art in Hohenlohe einzigartig.

Hohenlohe – wo fängt das an, wo hört es auf? Es ist der nordöstliche Teil Baden-Württembergs, tief ins Fränkische hineinragend. Rund 30 Schlossparks, Klostergärten, Kurparks, botanische Anlagen, Kräuter- und Landhausgärten sind hier neuerdings zu einem Netzwerk verknüpft, dem Hohenloher Gartenparadies. Gartenbesitzer, Denkmalschutz und Tourismusagenturen wollen mehr Besucher für besondere Gärten begeistern. Wenn man so will, entstand eine Art begehbares Lehrbuch der Gartenkunst: Man lernt, dass im Barock alles wie am Schnürchen gezogen zu wachsen hatte und im Landschaftsgarten gerade Linien verboten waren – oder was einen Klostergarten wie den in Bronnbach von einem Lustgarten wie dem in Weikersheim unterscheidet.

Wie es ausgerechnet auf der Gamburg zu diesem Barockparterre kam? Um 1700 hatten die damaligen Besitzer, die Dalbergs, die Idee, einen geometrischen Garten anzulegen, die Natur so streng formal in Quadrat, Halbkreis und Rechteck zu zwängen, wie man es damals schick fand. Pech nur, dass man dafür eine Ebene benötigte – und das auf einem Burgberg. Kurzerhand ließen die Dalbergs das Gelände aufschütten. Gartenarbeit der ausgefallenen Art, unfassbar der Aufwand, astronomisch die Kosten. "Die müssen vollkommen verrückt gewesen sein", kommentiert Hans-Georg von Mallinckrodt. Anders als die Dalbergs, die sich vermutlich die Hände nicht schmutzig machten, schuften die heutigen Besitzer selbst im Garten. Rings um den Burgberg breiten sich Palmen, Misteln, Mirabellen- und Feigenbäume und ein Weißer Maulbeerbaum aus, und das eher dschungelartig. Besucher schätzen das, sie sagen: "Hier sieht es endlich mal nicht so geschniegelt und gestriegelt aus."

Als Dienstleister seiner Burg führt Hans-Georg von Mallinckrodt auch selbst durchs Gemäuer und übers Gelände, und wie. Farbig und temperamentvoll berichtet er über die bedeutenden Wandmalereien oben im Saal, von Barbarossas Kreuzzug und Denkmalschutz-Querelen. An Wochenenden werden Besuchern Kaffee und Kuchen unter dem alten Ahorn im Burghof serviert. "Wir bekommen Komplimente ohne Ende", erzählt Nicole von Mallinckrodt, "dass wir als Privatleute eine solche Burg wiederbeleben. Die Leute fragen: Wie schaffen Sie das?" Wer will schon jeden Einkauf über schmale Wendeltreppen hochschleppen, und was es kostet, das dicke Gemäuer zu heizen, fragt man besser erst gar nicht. "Neulich sagte ein Gast sogar: Glauben Sie nicht, dass Sie mit 6,50 Euro für eine Führung zu günstig sind?" Baronin Mallinckrodt sagt netterweise "zu günstisch", denn ihr erstes Leben verbrachte sie in Paris.

Von da stammt auch die Bronzeskulptur am erwähnten Brunnen, eine Arbeit des Bildhauers James Pradier: Ein wilder Kerl beugt sich über seine hingegossene Geliebte, es geht zur Sache. Manchem Gast drängt sich dort eine Frage auf, wie neulich erst.