Es ist dieser Tage nicht ganz einfach, in ein Antirassismustraining reinzukommen. Die Kurse sind ausgebucht. Unternehmen, Verwaltungen, NGOs strömen in Seminare mit Titeln wie "Weiße Privilegien" oder "Critical Whiteness". Die aus den USA importierte Kernidee lautet: Weißsein ist eine unbewusste Norm, von der aus alle anderen eben "anders" sind, nämlich ethnische Gruppen mit speziellen Zuschreibungen. Weiße sollen hier lernen, dass sie nicht einfach Menschen sind, sondern weiße Menschen. Eine Standardübung läuft so: Alle Teilnehmer stellen sich an die Wand. Die Leiterin liest ihnen Sätze über Privilegien vor. Wer glaubt, dass ein Satz auf ihn selbst zutrifft, tritt einen Schritt nach vorn. Wer am Ende ganz vorn steht (und alle anderen hinter sich gelassen hat), ist mit Sicherheit weiß – und schämt sich. Die Sätze, die aus einem Leitfaden der amerikanischen Autorin Peggy McIntosh stammen, lauten etwa: "Ich kann mit vollem Mund reden, ohne dass Menschen das auf meine Hautfarbe zurückführen." Oder: "Ich muss meine Kinder nicht dazu erziehen, sich zu ihrem eigenen Schutz über Rassismus bewusst zu sein."