Es sind nicht stets nur die Laien, die den Wandel ihrer Kirche vorantreiben. Im Ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring trafen sich jüngst Vertreter der Orden und der Geistlichen Gemeinschaften, um über die Kircheneinheit zu beraten. Die Ökumene wurde in den letzten Jahren von beiden Kirchen sträflich vernachlässigt, nimmt man die Postulate des Zweiten Vatikanischen Konzils vor über einem halben Jahrhundert ernst. An Lippenbekenntnissen auf Kirchen- und Katholikentagen mangelte es nie, politische Schulterschlüsse für Migration und Klima, gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft gibt es regelmäßig, in jeder Koalition der Willigen sind Christen präsent und damit auf der Höhe des Zeitgeistes.

Aber wenn es an das theologische Tafelsilber geht, den Unterschied zwischen katholischer Eucharistie und evangelischer Abendmahlfeier, war lange keine Bewegung in Sicht.

Nun sprach sich Katharina Kluitmann, die Vorsitzende der Deutschen Ordenskonferenz (DOK) in der internationalen Konferenz nahe Augsburg erneut für eine ökumenische Eucharistiefeier aus. Reinhard Kardinal Marx, heute Erzbischof von München und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte noch in seiner Zeit als Bischof von Trier 2003 den damaligen Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl deswegen als Priester seines Amtes enthoben und ihm 2016 die Lehrerlaubnis als Hochschullehrer entzogen. Beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin hatte Hasenhüttl eine römisch-katholische Messe gefeiert und Nichtkatholiken ausdrücklich zur Kommunion eingeladen.

Katharina Kluitmann ist so etwas wie die Mutter Courage der deutschen Ordensfrauen. Am Rande der letztjährigen Herbstkonferenz in Fulda attestierte sie der katholischen Kirche "zu viel Macht und zu wenig Evangelium". Überdies sprach sie sich in einem Interview gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) für die Priesterinnenweihe aus: "Im 21. Jahrhundert darf es auch da keine Denkverbote mehr geben. Es ist unrealistisch, eine Diskussion über eine Weihe von Frauen einfach für beendet zu erklären. Die Kirche braucht tiefgreifende Reformen. Das ist natürlich für all die unangenehm, die derzeit von dem System profitieren."

In Ottmaring nahmen Protestanten an der Eucharistiefeier teil. Und das im Beisein des vatikanischen Kurienpräfekten João Braz de Aviz. Wird nun Franziskus’ Anregung, das Thema Eucharistie zur persönlichen Gewissensentscheidung zu machen, langsam fruchten? In diese Richtung könnte man zumindest die Worte Braz de Aviz’ deuten, der in Ottmaring sagte, es gehe darum, Prozesse zu eröffnen und nicht Räume zu behaupten. Hasenhüttl wurde der Prozess gemacht, nun also werden Reformprozesse eröffnet.

Kardinal Marx hat inzwischen auch Protestanten zur Eucharistie eingeladen. Und die Mutter Courage hält allen entgegen, die nun die Angst vor einer Kirchenspaltung schüren: "Ich befürchte größere Spaltungen, wenn wir keinen Weg in die Zukunft gehen."

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