Die erste Literaturkritik von Peter Hamm erschien in der ZEIT im Mai 1963, die letzte im Januar 2019. Über einen längeren Zeitraum hat kein anderer Kritiker in der ZEIT publiziert. Dabei hat sich Peter Hamm nie als Kritiker verstanden, sondern als beeindruckend belesener Enthusiast und Förderer. Noch in einer seiner letzten elektronischen Botschaften an die Redaktion schrieb er: "Von Anfang an war das mein Ziel: den bedeutenden Autoren von der Peripherie, den zu Unrecht Vergessenen oder Übersehenen zu ihrem Recht – d. h. zu deutschen Lesern – zu verhelfen. Und bei dieser Linie blieb ich, ob ich für Robert Walser oder Hermann Lenz missionierte, für Pessoa oder die Katalanen Espriu und Joseph Pla. Nicht ein einziges Mal habe ich in der ZEIT über ein 'angesagtes Buch' geschrieben, worauf ich stolz bin."

Mit vielen Schriftstellern verband ihn eine enge Freundschaft, mit Martin Walser (der ihn in seinem Roman Ein sterbender Mann nach dem Zerbrechen der Freundschaft als einen feinsinnigen Dichter-Schnösel karikierte, der vornehm am Starnberger See mit einer Ärztin logiert), mit Hermann Lenz (mit dem er Briefe wechselte), mit Peter Handke (der ihm mit einer seiner namenlosen allegorischen Romanfiguren als "der Leser" ein Denkmal gesetzt hat), mit vielen Autoren der Gruppe 47 ("das waren alles meine Verbündeten!"), in der er als 19-jähriger Lyriker debütierte. Über Jahrzehnte war er so etwas wie der heimliche Gegenliteraturpapst, der sich nicht für den Siegeszug des Nachkriegsrealismus begeistern wollte. Romanen, die sich im Stofflichen und im Gesellschaftlichen erschöpfen, fehlte in seinen Augen der Sinn für das Absurde und Unbegreifliche der Existenz, für "das Geheimnis des Darüberhinaus". In seinen glänzenden Porträts der Außenseiter versteckte sich auch das Selbstporträt eines Dichters, dessen Überlebensprogramm nach einer schwierigen Jugend darin bestand, die Überlegenheit des Unterlegenen zu kultivieren. Die Noblesse, mit der er das tat, sucht ihresgleichen.