DIE ZEIT: Herr Lahm, wir berichten auf dieser Seite in der ZEIT seit sieben Jahren über Fußball. Nun legen wir eine Pause ein. Bisher waren wir es, die Ihre Arbeit und die Leistungen anderer Fußballer beurteilt haben. Diesmal wollen wir Sie von Ihren Erfahrungen mit uns Journalisten erzählen lassen. Wann haben Sie sich so richtig über einen Artikel aufgeregt?

Philipp Lahm: Ist auch Kritik erlaubt?

ZEIT: Natürlich. Wirken wir so zart besaitet?

Lahm: Beim ersten Stück, das auf dieser Seite über mich erschienen ist.

ZEIT: Das liegt sechs Jahre zurück. Daran erinnern Sie sich noch?

Lahm: Ich erinnere mich sogar noch an den Titel: "Wenn sie ausrasten".

ZEIT: Das Stück erschien in einer Zeit, als immer mehr Trainer und Funktionäre vor laufender Kamera tobten. Jürgen Klopp zum Beispiel, der damals noch Dortmund trainierte. Oder Matthias Sammer in seiner Funktion als Sportdirektor Bayern Münchens.

Lahm: Es sollte in dem Artikel um Führungskultur im Profifußball gehen. Ein Hintergrundbericht darüber, was ich an Führungspersonen schätze und was nicht. Der Artikel war okay – aber nicht, wie er dann verkauft wurde.

ZEIT: Sie waren damals Kapitän bei den Bayern und in der Nationalmannschaft.

Lahm: Ich dachte, die ZEIT werde das bestimmt seriös machen. Es wurde dann ja auch ein interessanter Bericht darüber, was ich als Führungsperson in diesem Betrieb schätze – und was nicht. Aber die Art, wie meine Aussagen dann verkauft wurden, das war nicht fair.

ZEIT: Sie erklärten damals, ein guter Chef müsse im Moment der Kritik Emotionen zurückhalten können. Wenn dieser zu emotional sei, verliere er an Glaubwürdigkeit.

Lahm: Zu diesen Aussagen stehe ich heute noch. Aber so, wie Sie es dann aufgeschrieben haben, wirkte es, als gäbe es einen Konflikt zwischen Matthias Sammer und mir. Den gab’s nicht. Die Meldung, die Sie vorab veröffentlicht haben, damit sich meine Aussagen möglichst weit verbreiten, hat dafür gesorgt, dass ich tagelang bei jeder Gelegenheit gefragt wurde, was zwischen Sammer und mir vorgefallen sei – sogar live im Fernsehen. Das war ausgesprochen ärgerlich.

ZEIT: Der Anspruch des Journalisten ist vor allem die Unabhängigkeit. Würden wir mit Menschen, über die wir schreiben, etwas aushandeln, wäre unsere Glaubwürdigkeit beschädigt.

Lahm: Darum geht es mir auch nicht. Es geht mir um gegenseitiges Vertrauen.

ZEIT: Was schätzen Sie noch an gutem Journalismus?

Lahm: Wenn die Fakten stimmen und die Einschätzungen des Journalisten nachvollziehbar sind. Kampagnen- und Sensationsjournalismus lehne ich ab. Damit habe ich persönlich ein paarmal meine Erfahrungen gemacht und kann nur sagen: Je lauter die Schlagzeilen knallen, desto fragwürdiger wird der Journalismus dahinter.

ZEIT: Kennen Sie das Phänomen des Dealens zwischen Fußballern und Journalisten, das Jürgen Klinsmann als "Informations-Korruption" bezeichnet hat?

Lahm: So weit ist es bei mir nie gekommen. Dafür hat mein Team im Vorfeld immer gesorgt. Es hat solche Anfragen, wenn es welche gegeben haben sollte, im Vorfeld aussortiert. Ich spreche mit Journalisten immer mit offenem Visier.