Gelsinger stellt einen Fonds vor, der "Start-up-Kirchen" fördert, einen "Gründungsbeschleuniger". Das Ziel: 1000 neue Kirchengemeinden im Silicon Valley innerhalb der nächsten zehn Jahre. Sein Fonds unterstützt die Gemeinden mit bis zu 20 Prozent ihres Budgets, aber nur über drei Jahre. Er glaubt an eine K.-o.-Regel, an die sich Investoren halten: Wenn eine Kirche nach drei Jahren nicht erfolgreich ist, wird sie es nie. Zum Abschluss seiner Rede ruft Gelsinger in die Menge: "Verändern wir etwas für die Ewigkeit!"

Eine Gemeinde zu führen wie ein Start-up, das ist keine Vision mehr. Andy Wood hat vorgemacht, wie das geht. Trifft man ihn zwischen den Panels auf einen Kaffee, lernt man einen Mann kennen, der kaum eine halbe Stunde ruhig sitzen kann, ohne auf sein Handy zu schauen, der SMS schreibt, während er im Gespräch ist, YouTube-Videos aufruft, wenn er einen Witz machen will. Wood passt in die Bay Area.

Er war noch Student, als er in Dallas mit seiner Ehefrau seine erste eigene Gemeinde aufbaute. Aber das reichte ihm nicht. Zu einfach. Also ging er raus aus dem Bible-Belt, der christlichsten Region der USA, und rein in die unchristlichste, nach Kalifornien. Wood erzählt nun erst mal ein modernes Gleichnis, die Geschichte von zwei Schuhverkäufern, die auf Dienstreise nach Afrika geschickt werden. Der eine kommt zurück und meldet seinem Arbeitgeber: Niemand trägt Schuhe, es gibt keinen Markt für uns in Afrika. Der andere kommt zurück und sagt: Der Markt ist weit offen, niemand trägt Schuhe! So sieht Wood sich selbst im Silicon Valley: ein Schuhverkäufer Gottes.

Und er scheint ein guter Verkäufer zu sein. In wenigen Wochen trieb er mehr als eine Million Dollar ein für seine Echo Church, 17 größere Kirchen investierten in sein Projekt. Heute führt Wood eine Gemeinde mit 25 Mitarbeitern und über 2000 Mitgliedern an drei verschiedenen Standorten. Hält er eine Messe, wird sie per Livestream an alle Standorte und ins Internet übertragen.

Wood will einer "coolen" Kirche vorstehen. Früher habe er sich geschämt, seine Freunde mit in den Gottesdienst zu bringen. Zu peinlich die Talare der Pastoren, zu unverständlich die Sprache, zu streng die Moralvorstellungen. Seine Echo Church soll anders sein: offener, moderner, weniger streng. Jeder sei willkommen, sagt Wood. Sie hätten kürzlich sogar eine ehemalige Prostituierte aufgenommen. "Ich kann dir den Link zu ihrer Geschichte schicken", sagt er, "sie steht auf unserer Homepage."

Marketing ist Pflicht in der Echo Church, Wood hat eigens ein Kreativitäts- und Kommunikationsteam gegründet. Gerade die jüngere Generation suche Zugehörigkeit, das sehe man ja schon daran, wie populär manche Modemarken seien. Die Kirche müsse also wiedererkennbar sein wie Adidas oder Nike. "Wir haben eine Marke, die dafür steht, Liebe in die Welt zu senden." Deshalb die drei Balken, das Echo.

Als die Konferenz auf ihr Ende zugeht, steigt Andy Wood wieder auf die Bühne. Das Licht in der Halle ist abgedunkelt, die Band unterlegt seine Rede mit leiser Musik. Wood erzählt, wie er damals in Dallas mit sich gerungen habe: Eine Kirche gründen, kann ich das wirklich? Dann habe er den Ruf Gottes vernommen. "Ab da gab es nichts mehr, was mich aufhalten konnte."

Einigen hier im Saal gehe es bestimmt ähnlich. "Es wird keinen besseren Moment geben als heute, zu sagen: Ich bin dabei", verkündet Wood, während sich seine Mitarbeiter vor ihm postieren, eine kleine Armee aus Geistlichen in roten T-Shirts. Wer den Ruf Gottes höre, der solle jetzt vortreten, mit ihnen beten und sich auf den Weg begeben, ruft Wood. Zögerlich erheben sich Männer und Frauen im Publikum und gehen nach vorn. Es dauert nicht lange, dann ist an der Bühne kaum noch Platz.