Rund drei Monate ist es her, da brachte die Demokratiebewegung im Sudan den Diktator Omar al-Baschir zu Fall. Rund drei Wochen ist es her, da vereinbarten Führer der Massenproteste ein Übergangsabkommen mit dem Militärrat, der nach Baschirs Sturz die Macht übernommen hatte und sie dann nicht mehr hergeben wollte. Der Anfang vom guten Ende ist das noch lange nicht. Aber fürs Erste kann die sudanesische Zivilgesellschaft einen historischen Erfolg verbuchen, der über die Grenzen des Landes hinausstrahlt: Die arabischen Rebellionen sind mitnichten beendet und gescheitert.

Was zuallererst an den Demonstranten liegt. Anders als in Libyen ist die Bewegung gut organisiert, angeführt von einem Bündnis unterschiedlicher Berufsgruppen mit maßgeblicher Beteiligung von Frauen. Anders als die Ägypter haben sich die Sudanesen nicht mit dem Fall des Diktators zufriedengegeben, sondern den Druck auf Geheimdienst, Militär und vor allem Paramilitärs aufrechterhalten und die Übergabe der Macht an eine zivile Regierung gefordert. Und anders als in Syrien hat sich das Bündnis mit dem Namen "Kräfte für Freiheit und Wandel" nicht in die Falle des bewaffneten Widerstands locken lassen. Unter seinem Schirm befinden sich zwar Rebellengruppen aus Aufstandsprovinzen wie Darfur. Doch die haben nie in die Demonstrationen eingegriffen. Auch dann nicht, als am 3. Juni über 100 Teilnehmer eines Protestcamps in Khartum durch Paramilitärs getötet wurden. Die Folge: Noch mehr Menschen gingen auf die Straße. Die Taktik des Terrors war gescheitert.

Um die Generale zu einem Übergangsabkommen zu zwingen, war Hilfe von außen nötig. Vertreter der Afrikanischen Union und des Nachbarlandes Äthiopien vermittelten. Großbritannien und die USA übten Druck auf den Militärrat und seine Unterstützer aus: Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Das Abkommen, vereinbart am 5. Juli und zwei Wochen später unterzeichnet, sieht einen Übergangsrat aus sechs Zivilisten und fünf Militärs vor, der eine zivil geführte Übergangsregierung einsetzen soll. Nach gut drei Jahren sollen freie Wahlen stattfinden.

Doch es droht Gefahr von einem Mann: General Mohammed Hamdan Dagalo, genannt Hemeti. Einst Anführer einer der gefürchteten Reitermilizen, die in Darfur im Auftrag von Baschir Massenmorde verübten, ist Hemeti zum wirtschaftlich wie militärisch mächtigsten Mann im Militärrat aufgestiegen. Er kontrolliert den lukrativen Goldschmuggel sowie die Finanzspritzen aus den Golfstaaten. Seine "Rapid Support Forces" (RSF) vermietet er als Bodentruppen an Saudi-Arabien für den Krieg im Jemen. In Khartum dominieren die RSF derzeit die Straßen und werden für das Massaker am 3. Juni verantwortlich gemacht.

Hemeti könnte sabotieren, was eine neue Übergangsregierung dringend in Angriff nehmen müsste: wirtschaftliche Reformen mit einem transparenten Staatshaushalt, um Hyperinflation, Korruption und die jahrzehntelange ökonomische Verelendung von Randprovinzen wie Darfur zu bekämpfen. Es geht ihm nicht nur um seine Pfründen. Laut Abkommen soll eine unabhängige Kommission das Massaker vom 3. Juni untersuchen. Inzwischen kursiert jedoch eine Klausel, die hochrangigen Militärs wie ihm absolute Straffreiheit zusichern würde.

Nicht mit uns, rufen immer mehr Mitglieder des Demokratiebündnisses. Einige Rebellengruppen wollen das gesamte Abkommen in seiner jetzigen Form nicht unterstützen. Weitere Gespräche zwischen Militärs und dem Demokratiebündnis wurden vorerst verschoben. Viele Sudanesen bereiten sich auf neue Proteste vor.