Albert Koolen ist so ziemlich der Letzte seiner Art. Am Düsseldorfer Flughafen hält der Arbeiterpriester in Schichtarbeit täglich 2000 Mietwagen in Schuss, und das auf Mindestlohnbasis. Warum tut sich einer das an? Kommt ein studierter Theologe bei solch einer entfremdeten Arbeit wirklich den Menschen näher? Den Kollegen? Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur stellt sich schnell heraus, wo sein Platz ist: "Ich bin Kollege. Das ist meine Berufung." Und das seit 28 Jahren.

Marx und Engels hatten in ihrer kommunistischen Menschheitsbeglückung keinen Gott und erst recht keinen Herrn Koolen vorgesehen. Sie sprachen allen Kirchenleuten ab, die Fürsprecher der Erniedrigten und Beleidigten zu sein. Dass Priester und Proletarier im Kampf um verbesserte Lebensbedingungen zusammenfinden könnten, war weder von der humanistisch gesinnten Arbeiterbewegung gewünscht noch von der Kirche. Fortan hatten Christen und Kommunisten auf diametral entgegengesetzten Heilswegen zu wandern.

Die Arbeiterpriester hielten die Verbindung bereits, als sie in den 1940er-Jahren in Frankreich zu einer Bewegung wurden. Katholische Geistliche verdingten sich als Hafen- und Fabrikarbeiter, sie wollten unter den Geringsten ihrer Mitbrüder und -schwestern leben. Anfang der 1950er-Jahre waren es schon 100. Doch der Vatikan hielt Werksarbeit und Stundengebet mit täglicher Messe für unvereinbar. Noch mehr fürchtete man in Rom, dass sich die Arbeiterpriester den linken Gewerkschaften anschließen könnten.

Anfangs wurde gewerkschaftliches Engagement von Rom verboten, 1959 dann die ganze Bewegung. Erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil durften die Arbeiterpriester wieder tätig sein. Ende der 1970er-Jahre hatten sie Hochkonjunktur.

Koolen fühlt sich in seiner Kirche heute mit "einem Bein drinnen und mit dem anderen draußen". Was ihn umtreibt, ist die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich. Die zunehmende Entfremdung der deutschen Bischöfe von Papst Franziskus stört den 59-jährigen Jesuiten ebenso wie die Verkoppelung von Priesteramt und Macht in seiner Kirche.

Die Macht von Albert Koolen ist begrenzt. Dass er in seiner früheren Firma als Betriebsratsvorsitzender deren Untergang nicht verhindern konnte, nennt er als seine bitterste Niederlage. Er hat Arbeitslosigkeit erlebt und sich nicht in ein Kirchenamt gerettet. Missionsarbeit unter Kollegen? Das ist nicht seine Berufung. Manche, die mit ihm arbeiten, wissen, dass er ein ausgebildeter Geistlicher ist, ab und an kommt jemand mit Lebensfragen zu ihm.

Ob er nun Kirche in die Gesellschaft hineinträgt oder die Bedürfnisse der Menschen den Kirchen rückvermittelt, darüber denkt Koolen nicht nach. Vielleicht reicht es, zu sehen: Es ist gut, dass da draußen einer da ist.

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