Anfang Juli flatterte ein rotes Band wie eine Sperre am Eingang zum Pariser Louvre. Vor der gläsernen Pyramide protestierte eine Gruppe von Aktivisten gegen die Familie Sackler, nach der mehrere Räume im Museum benannt sind. "Take down the Sackler name", stand auf dem Banner. Kurz darauf wurden die Schilder tatsächlich überklebt, offiziell, weil der Louvre Namensrechte seiner Sponsoren auf 20 Jahre beschränke. Tatsächlich war diese Frist aber schon seit Jahren abgelaufen.

Spenden der Sacklers und anderer Mäzene haben in der Vergangenheit immer mal wieder Fragen nach der ethischen Verantwortung von Museen aufgeworfen. Die Familie Sackler etwa steht in der Kritik, weil sie ihr Geld unter anderem mit dem Schmerzmittel Oxycontin verdient, das rasch abhängig macht. Bislang hatte die Kritik aber keine großen Folgen. Doch diesmal kommt die Kunstszene in Bewegung.

Die Fotografin Nan Goldin, die selbst drogenabhängig war, hat die Initiative "Sackler Pain" gegründet und damit auch die Proteste vor dem Louvre angeführt. In New York forderte die Künstlerin zuvor schon das renommierte Metropolitan Museum zum Verzicht auf Sackler-Geld auf, der Londoner National Portrait Gallery drohte sie mit der Absage ihrer Ausstellung, sollte die Institution wie geplant Spenden von den Sacklers nehmen. Inzwischen haben beide Museen angekündigt, auf die Zuwendung zu verzichten, genau wie das New Yorker Guggenheim Museum und die Tate in London.

Die Auseinandersetzung mit der Herkunft des Geldes ist kein Einzelfall. Gerade hat Warren Kanders seinen Rücktritt als Vorstandsmitglied des New Yorker Whitney Museum of American Art erklärt, für das er auch ein wichtiger Geldgeber ist. Der Mann stellt in einer seiner Firmen Tränengas her, das an der mexikanischen Grenze eingesetzt wird. Der Künstler Michael Rakowitz hatte deshalb seine Teilnahme an einer Ausstellung abgesagt. Andere zogen ihre Werke nach der Eröffnung ab – auch weil eine Video-Arbeit der Künstlergruppe Forensic Architectures den Einsatz des Gases in der Ausstellung für alle sichtbar macht.