Die ersten Standorte für Fachhochschulen

Es ist kein Zufall, dass die ältesten drei Fachhochschulen alle hoch im Norden liegen, am Wasser: in Lübeck, Kiel, Flensburg. Denn Wasser, das bedeutet Schifffahrt, Handel, Austausch von Gütern und Ideen. Die Wurzeln dieser Ausbildungsstätten reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. 1808 entstand in Lübeck eine Hochschule für Technik und Seefahrt, 1877 in Flensburg die Königliche Seedampf-Maschinistenschule. Es war das Jahrhundert der Industrialisierung, man brauchte Ingenieure und Techniker.

Ein Jahrhundert später gab es wieder Bedarf. Die Bundesrepublik war wohlstandssatt und suchte qualifizierte Arbeitskräfte, auch solche ohne Abitur. Man erfand die Fachhochschule. Im Jahr 1969 ging es los, eben in Lübeck, Kiel, Flensburg.

Meilensteine

1968

Die Ministerpräsidenten einigen sich auf die Einführung der neuen Hochschulart

1973

Professorin/Professor wird als neue Amtsbezeichnung für Lehrende an FHs eingeführt

1987

Aufnahme der Fachhochsulen in den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD)

1997

Die Studienstiftung des deutschen Volkes vergibt erstmals FH-Stipendien

2016

Die Fachhochschule Fulda erhält als erste FH das Promotionsrecht

Fünfzig Jahre später gibt es 218 Fachhochschulen (FHs) in Deutschland, die meisten nennen sich inzwischen Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Heute wie damals ist das Studium praxisnah – nah an den Dingen, nah an den Menschen.

Schulabschlüsse

Lebenseinkommen nach Abschluss

998.942 Studierende waren im Wintersemester 2018/19 an Fachhochschulen eingeschrieben (insgesamt gab es 2.863.609 Einschreibungen an Unis und FHs in Deutschland).

Frauen in Ingenieurstudiengängen

*damals noch sogenannte Ingenieur-Schulen, die FH-Vorläufer

Abschlüsse der Eltern von FH-Studierenden

Exportmodell

Ägypten: Die German International University of Applied Sciences (GIU) soll 2020 den Lehrbetrieb aufnehmen. Hinter der GIU steht ein Zusammenschluss von elf deutschen FHs, unter anderem aus Berlin, Ulm und Heilbronn.

China: In der Volksrepublik sollen bis zu 600 bestehende Hochschulen zu Fachhochschulen nach deutschem Vorbild umgewandelt werden. In Shanghai wurde schon 2004 die Chinesisch-Deutsche Hochschule für angewandte Wissenschaften gegründet.

Jordanien: Die German Jordanian University (GJU) in Amman wurde 2005 gegründet, von den 4400 Studierenden sind knapp die Hälfte Frauen.

Kenia: In dem ostafrikanischen Land gibt es Pläne für den Aufbau einer Hochschule nach dem Vorbild der deutschen FHs.

Illustrationen: Doreen Borsutzki; Quellen: CHE, destatis, Hochschulrektorenkonferenz