Der Schweinehund reist immer mit. Im Urlaub hat man ja endlich mehr Zeit – also auch für Sport, oder? Joggen am Strand, das Fitnessstudio im Hotel, der Pool, es scheint, als würde jede Reise die Vorsätze fürs neue Jahr reaktivieren. Aber dann bleibt es doch nur beim Vorsatz. Die Badehose wird bloß zum Planschen angezogen, und die Geräte im Hotel-­Gym lernt man nie aus der Nähe kennen.

So viel, wie ich reise, bleibt mir allerdings nichts anderes übrig: Ich muss unterwegs Sport machen. Weil das auch meine Freunde wissen, habe ich zuletzt immer wieder mobile Sportgeräte geschenkt bekommen. Sogenannte "Kettlebells"-Gewichte zum Beispiel, die im Sportstudio in unerhörten Gewichtsklassen verwendet werden. Die Reiseversion wiegt nur 200 Gramm, ein Säckchen mit Griff, in das man Sand füllen kann, bis es 15 Kilogramm wiegt. Oder Thera-Bänder aus Gummi, gerade mal 50 Gramm pro Stück, perfekt fürs Handepäck und für einfach aussehende, aber schwer nachzumachende Dehnübungen. Das noch etwas komplexere Band- und Schlingensystem TRX, das man in die Zimmertür klemmen kann, um allerlei Übungen darin zu machen, flößt mir besonderen Respekt ein. Hätte ich es nichtsahnend in einem Hotelzimmer vorgefunden, ich hätte wahrscheinlich die Polizei verständigt.

Bis auf das Sand-Gewicht, das ich mal für ein Instagram-Foto verwendet habe, ist keines dieser Hilfsmittel je zum Einsatz gekommen. Mein Schweinehund war immer stärker.

Ich habe es auch erfolglos mit Sporttrainern in Appform versucht, die einen zum täglichen Work-out aufrufen. Die einzige App, die ich länger als einen Muskelkater benutzt habe, ist "7 Minutes to Hell". Die App beschimpft einen als Fettsack und ist generell recht gemein. Da hat mein Schweinehund gekuscht – aber auch nur kurz. Der einzige Vorteil von Apps wie Runtastic ist, dass sie Treffen mit lokalen Sport- oder Fitness-Gruppen ermöglichen. Das habe ich allerdings selbst noch nie ausprobiert.

Ich habe stattdessen eine andere Lösung gefunden. Die mag naiv klingen, funktioniert für mich aber wunderbar: Man sollte den Sport, den man zu Hause macht, einfach unterwegs weitermachen. Gleiche Sportart, gleiche Uhrzeit, gleiche Ausrüstung. Mehr ist nicht nötig.

Im Oktober vergangenen Jahres habe ich wieder mit dem Schwimmen begonnen. Früher, als es die DDR noch gab, war ich ein kindlicher Leistungsschwimmer. Heute, mit fast 40, profitiere ich davon. Ich gehe nun in den frühen Morgenstunden in Schwimmhallen rund um den Globus. Muss in Japan meine Tattoos überkleben, weil nur die japanische Mafia Tätowierungen trägt. Lerne in Belgrad, dass auf 50-Meter-Bahnen quer geschwommen wird (also 25 Meter) und es keine nach Geschlechtern getrennten Umkleiden gibt. In Schwäbisch Gmünd hatte ich eine extravagante Sechzigerjahre-Schwimmhalle fast für mich allein. Kürzlich war ich in Bagdad schwimmen, eine 33-Meter-Bahn direkt vor dem Diplomaten-Hotel. 25 Dollar Eintritt, aber es lohnte: Wann schwimmt man schon mal mit einem koreanischen Diplomaten und zehn Bodyguards?

Seit der Sport auch eine Suche nach Sehenswürdigkeiten ist, bin ich sehr diszipliniert. Ich habe unbekannte Orte entdeckt, ungeahnte Muskeln, und den Schweinehund besiegt.