Es ist kaum ein Jahr her, dass Patrik Schaub die Sehnsucht nach Sonne etwas abhanden kam. Schaub ist gern draußen in der Natur. Früher freute er sich, wenn er die Wetter-App seines Handys öffnete und auf lauter kleine Sonnen-Icons blickte, die wolkenlose Tage verhießen. Heute macht ihn das nervös. Das Jahr 2018 wirkt nach. "Man wird ein wenig fatalistisch", sagt er.

Damals regnete es von Juni bis Advent extrem wenig zwischen Alpen und Nordsee. Schaub, dem Finanzchef des Logistikunternehmens Ultra-Brag im Rheinhafen Basel, bereitete das von Tag zu Tag mehr Sorgen. Die Trockenheit drückte mancherorts den Rheinpegel auf die niedrigsten Stände seit Beginn der Aufzeichnungen. Der sonst so mächtige Strom, Europas wichtigste Binnenwasserstraße, war stellenweise nur noch ein klägliches Rinnsal. Monatelang war die Schifffahrt eingeschränkt oder sogar unterbrochen. "Wir haben uns damals am Freitagabend regelmäßig ein verregnetes Wochenende gewünscht", sagt Schaub.

Sein Büro im Hafen liegt neben Basels dritthöchstem Gebäude, einem riesigen, 84 Meter hohen Kornsilo. Schaubs Firma kümmert sich um den Transport, den Umschlag und die Lagerung von Gütern wie Getreide, Kaffee, Dünger oder Kies, aber auch von Schwerlasten wie Windkraftwerk-Rotoren oder Baukräne. Zudem laden sie Container mit allem Möglichen darin um: Regenschirme, E-Bikes, Elektronikwaren, Möbel. Als 2018 zeitweise nichts mehr über den Rhein ging, musste Ultra-Brag wie andere Firmen im Hafen Kurzarbeit einführen. "Ich habe oft gesagt: Wenn wir das überleben, ist gut. Schlimmer kann es kaum werden", sagt Schaub.

Der Rhein: Für viele Menschen ist er vor allem Freibad oder Ausflugsziel. Etwa am Schaffhauser Rheinfall oder an Bord der zahlreichen Kreuzfahrtschiffe. Allem voran ist der Rhein aber eine der wichtigsten wirtschaftlichen Lebensadern der Schweiz. Zehn Prozent aller Importe kommen über den 1233 Kilometer langen Strom ins Land. Aber nur, solange er genügend Wasser führt. Spätestens seit der katastrophalen Trockenheit 2018 lautet die Frage: Bereitet der Klimawandel der Schweiz am Rhein ein Problem?

Es ist noch nicht lange her, da wurden die Schweizerischen Rheinhäfen in Basel als "Spielzeughäfen" abgetan. Inzwischen, sagt Simon Oberbeck, Beauftragter für Kommunikation und Verkehrspolitik, "sind wir hier das Tor der Schweiz zur Welt." In Basel-Kleinhüningen führt Oberbeck auf das Dach eines alten Speichers, der 11.000 Tonnen Getreide fasst. Von dort oben, in 45 Meter Höhe, wirkt der Hafen wie eine kleine Stadt, die nie stillsteht. An Frachtschiffen im Hafenbecken surren Containerkräne hin und her, auf Gleisen rollen Tankwaggons heran, Schrott und Altglas landen scheppernd in Großbehältern. Es ist Freitag – die wöchentliche Rushhour für Schiffe, die ihre Fracht löschen oder Ladung für die dreitägige Fahrt nach Rotterdam aufnehmen.

Die Transporteure setzten auf größere Schiffe und kleine Lager – das rächt sich

Fünf Millionen Tonnen Güter und mehr als 100.000 Container werden jährlich in den Schweizerischen Rheinhäfen umgeschlagen. Allein das Getreide, das in den Silos der Häfen Platz findet, würde angeblich reichen, um 270 Millionen Brote zu backen.

Mit den Rheinhäfen ging es jahrelang aufwärts, das war gut für die Versorgung der Schweiz, schließlich ist die Schifffahrt der ökologischste und kostengünstigste Verkehrsträger, um Güter von Rotterdam nach Basel zu verschiffen. Ein Rheinkahn mit 3000 Tonnen Massengut ersetzt 150 Lastwagen auf der Autobahn – und kann bis zu 40 Prozent billiger sein als eine Güterzugfahrt.

Doch im Trockenjahr 2018 ging die Rechnung nicht mehr auf. Das Niedrigwasser ließ große Frachter gar nicht oder nur noch mit einem Bruchteil der üblichen Tonnage fahren. Oder die Spediteure mussten auf kleine Schiffe ausweichen, soweit welche frei waren. Die Transportpreise stiegen teils ums Vier- oder Fünffache. "Mit jedem weiteren Tag ohne Regen kam ich mir vor wie ein Börsianer, bei dem die Kurse sinken", sagt Patrik Schaub, der Logistikmanager. "Ich wurde immer nervöser. Und mir war klar, dass ich machtlos bin."