Schlittschuhlaufen in der Wüste

Abu Dhabi im Juli. Es ist so heiß, dass ich tagsüber keine zehn Meter zu Fuß gehen mag. Besser ist es im Café Rain. Dieser Laden im Regierungsviertel hat vor zwei Jahren eröffnet. Den Namen Rain hat der Besitzer mit Bedacht gewählt: Er liebe Regen. Hier am Golf tröpfelt es zwei, drei Mal im Jahr.

Sämtliche Klimastudien zeigen, dass die Golfstaaten von der Erderhitzung besonders hart getroffen werden. Im Jahr 2100, hieß es im Magazin Nature, könnten die Vereinigten Arabischen Emirate unbewohnbar geworden sein. Wasser ist jetzt schon knapp. Eigentlich müsste hier Panik herrschen. Erst einmal jedoch herrschen drinnen stets frische 19 Grad. Ohne Klimaanlage ist diese Region ohnehin nicht bewohnbar. Jedenfalls nicht, seit Menschen in Betonklötzen in der Wüste leben statt in luftigen Zelten in Oasen. Dieses Leben spielt sich denn auch in einer klimatisierten Parallelwelt ab: in Malls und Indoor-Parks, inklusive Eisbahn und Schlittschuhverleih.

Im Café Rain erzählt die Managerin, sie sei vergangenes Jahr in Deutschland gewesen: München im Jahrhundertsommer. Es habe ihr überhaupt nicht gefallen: "Zu heiß! Warum benutzt ihr in Deutschland keine Klimaanlagen?" Ich erschrecke. Klar, wenn es weiter so heiße Sommer gibt, dann werden auch die Deutschen Klimaanlagen kaufen. Und dann lässt sich die Klimakrise wieder mit gekühltem Kopf verdrängen.

Lea Frehse

Sommererprobte Bundeswehr

Die neue Verteidigungsministerin wünscht sich, dass Soldaten öfter in der Deutschen Bahn zu sehen sind, nicht einfach nur privat, sondern in Uniform. Vor allem aber wünscht Annegret Kramp-Karrenbauer mehr Gelöbnisse. Vor dem Reichstag und zum Geburtstag der Bundeswehr am 12. November in allen Bundesländern.

Beim Gelöbnis am Tag des Stauffenberg-Attentats, dem 20. Juli, schmorten 400 Rekruten bei Sonnenschein im Ehrenhof des Verteidigungsministeriums ihrer Vereidigung entgegen.

Es dauerte nicht allzu lange, bevor die ersten umkippten. Bestimmt sechs oder sieben Rekruten wurden von ihren Kameraden dezent abtransportiert. Beunruhigend! Erfahrene verteidigungspolitische Berichterstatter aber winkten nur müde ab. Das passiere ständig. Es sei eben nicht ganz ohne, bewegungslos und ohne Getränk in der Sonne auszuharren. Immerhin, der Austausch ist generalstabsmäßg organisiert: Beim ersten Anzeichen von leichtem Schwanken, so war zu erfahren, eilen aus dem Hintergrund Kameraden herbei, um den Dehydrierten aufzufangen, während ein weiterer Kamerad geräuschlos einrückt, um die Reihen wieder zu schließen.

Der Hitze ist es womöglich auch zuzuschreiben, dass es mehrere Tage dauerte, bis der zu erwartende Aufruf zu Gegendemos bei Gelöbnissen aus den Reihen der Linken ertönte. Von Grünen ist derlei nicht mehr zu erwarten.

Tina Hildebrandt

Der andere Hitzetod

Vor ein paar Wochen war ich bei einem Formel-E-Rennen in Brooklyn. Große Ventilatoren sprühten Wasser auf die von der glühenden Sonne erhitzten Körper, Wasser gab es umsonst, und dennoch war die Stimmung eher gereizt. Als dann ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma die Zuschauer von den breiten Picknicktischen scheuchte, zurück hinter einen mit blickdichter Werbung verhängten Zaun, brodelte die Stimmung über, und die zornigen Zuschauer rissen die Werbung unter heftigem Johlen einfach herunter.