Tief im Innern müssen sich die Deutschen wohl nach gekrönten Häuptern sehnen. Anders ist nicht zu erklären, warum so viele auch hierzulande im Mai gebannt auf die Geburt von Archie gewartet haben, dem Sohn von Herzogin Meghan und Prinz Harry. Obwohl die beiden doch für hiesige Gefilde gar nicht zuständig sind. Auffallend viele Klatschblätter befassen sich zudem nahezu ausschließlich mit der Ausleuchtung internationaler Königshäuser, insbesondere unter dem Aspekt der Fortpflanzung ("Hurra, ein Mädchen!", "Hurra, Zwillinge!", "Verbirgt sich im gewölbten Bäuchlein der schönen Prinzessin gar ein zuckersüßes Geheimnis?").

Davon abgesehen gibt es weitere Orte, in denen täglich die Krönungsmesse gefeiert wird: Supermärkte. Dort ist der Kunde selbst König, und ihm wird dargeboten, was Küche und Keller zu bieten haben: Kaiserschmarrn und Königinnenpasteten ergeben, begleitet von König Pilsener oder 0,5 Liter Adelskrone in der PET-Flasche, ein fürstliches Mahl. Wird dieses von einem Schluck Fürst Bismarck Kornbrand gekrönt, entsteht gar königlicher Genuss. Wussten Sie, dass das Rezept von Fürst-Pückler-Eis dieser Tage sein 180-jähriges Jubiläum feiert? Dazu passt der Inhalt der Prinzen-Rolle, der unter seinem bürgerlichen Namen ("mit Kakaocreme gefüllter Doppelkeks") sicher längst nicht so beliebt geworden wäre. Ein Hoch also auf Monarchie und Adelsstand! Vielfältiger als im Supermarkt werden Sie sie hierzulande wohl nie wieder erleben.

Falls Sie in sich nun den Drang verspüren, niederzuknien, um auf den Ritterschlag und damit auf die Erhebung in einen höheren Stand zu hoffen, möchte ich Ihnen die einmalige Chance bieten, Ihrem trostlosen Dasein als Discounterkunde zu entkommen. Wenn Sie es ernst meinen, schicken Sie mir bitte eine Flasche Adelskrone. Dann ernenne ich Sie umgehend und auf Lebenszeit zum Ritter der "Quengelzone".