Gut 350 Kilometer sind es entlang des Ili-Flusses von der chinesischen Grenze bis nach Almaty. Kasachstans bevölkerungsreichste Stadt, zwei Millionen Einwohner groß, ist zum Zufluchtsort geworden für ethnische Kasachen aus der chinesischen Provinz Xinjiang. Mehr als eine Million Kasachen mit chinesischer Staatsbürgerschaft leben in der Volksrepublik, die meisten von ihnen sind Muslime. In Xinjiang werden sie ähnlich verfolgt wie die rund elf Millionen Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Turkvölker: Bis zu 1,5 Millionen Menschen werden nach Schätzungen von Menschenrechtsaktivisten und unabhängigen Forschern in sogenannten Umerziehungslagern festgehalten. Laut chinesischer Regierung dient die Masseninhaftierung dem Anti-Terror-Kampf gegen islamistische Separatisten, die in den vergangenen Jahren Anschläge in Xinjiang verübt haben. Augenzeugenberichte und unabhängige Forschungen legen aber nahe, dass es Peking vor allem um die ideologische Unterwerfung und Zwangsassimilierung muslimischer Minderheiten geht.