Ein Jahr "Fridays for Future" – verändern die Klimastreiks auch das Handeln der jungen Generation? Eine Umfrage von ZEIT CAMPUS und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos

Greta Thunberg will die Welt in Panik versetzen. "Unser Haus steht in Flammen", sagte die 16-jährige Klimaaktivistin in ihrer legendären Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang des Jahres. Und erst Hunderte, dann Tausende, schließlich Hunderttausende Jugendliche folgten ihrem Aufruf. Sie streiken an Freitagen für den Klimaschutz und fordern radikale Veränderungen. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Auch in Deutschland haben sich inzwischen rund 600 Ortsgruppen der "Fridays for Future"-Bewegung gegründet.

Doch haben die Proteste vor den Parlamenten von Berlin über Paris bis New York auch das Handeln der jungen Menschen verändert? Ist es eine ganze Generation, die für den Klimaschutz kämpft – oder sind es nur wenige? Und nehmen sie über die Klimakrise hinaus nun auch andere ökologische Fragen ernster? Das Studierendenmagazin ZEIT CAMPUS wollte das herausfinden und hat für die neue Ausgabe zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos 1000 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren in Deutschland befragt.

Eine Mehrheit wünscht sich ein Verbot von Plastiktüten

Die repräsentative Umfrage zeigt: Für knapp drei Viertel der Befragten ist der Klimawandel ein wichtiges Thema und eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Zu den drängendsten Problemen gehören Plastik in den Meeren (63 Prozent), Erderwärmung (55 Prozent) und die Abholzung der Wälder (44 Prozent). Fast die Hälfte der Befragten stimmt Thunbergs Aussage "Unser Haus steht in Flammen" zu.

Der Erfolg von Thunberg – einer Schülerin, die vor knapp einem Jahr mit einem Plakat eine weltweite Bewegung startete – hat einer Generation gezeigt, dass jeder die Macht hat, etwas zu bewegen: 78 Prozent der Befragten glauben, dass jeder Einzelne im Alltag einen positiven Einfluss auf die Umwelt nehmen kann. Genauso viele fordern, dass die Politik beim Klima- sowie beim Umweltschutz härter durchgreifen und neue Gesetze erlassen solle.

Als mögliche Maßnahmen nennen sie: ein Verbot von Plastiktüten (53 Prozent) und Einweg-Plastikflaschen (43 Prozent), stärkere Subventionierung der öffentlichen Verkehrsmittel (51 Prozent) und Subventionierung von nachhaltiger Landwirtschaft (43 Prozent). Knapp ein Drittel der Befragten macht die Politik für die Umweltschäden verantwortlich, nur acht Prozent die Generation der Eltern. Die Jungen beschäftigen sich also intensiv mit dem Thema Klimaschutz und Ökologie. Sie adressieren Forderungen an die Politik, damit die Folgen des Klimawandels eingedämmt und Umweltschäden beseitigt werden.

Doch wie zeigt sich diese Haltung im Alltag? Nur drei Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig auf Demonstrationen wie die von "Fridays for Future" zu gehen. Obwohl die Senkung des CO₂-Ausstoßes die zentrale Forderung der Bewegung ist, gaben 64 Prozent an, dass sie noch nie ihren CO₂-Fußabdruck haben schätzen lassen. Aber immerhin fast jeder Dritte gab an, für das Klima auf Flüge zu verzichten.

Avocados essen? Nur mit schlechtem Gewissen

Viele der Befragten scheinen im Alltag darauf zu achten, wie sie die Umwelt schützen können. Das zeigt sich auch beim Thema Ernährung: Fast jeder Zehnte verzichtet der Umwelt zuliebe auf Avocado und Thunfisch. 15 Prozent essen zwar Avocado, haben aber ein schlechtes Gewissen dabei, weil bei der Zucht pro Avocado rund 1000 Liter Wasser verbraucht werden. Und immerhin 41 Prozent benutzen Mehrwegbecher anstelle von Einwegbechern aus Papier.

Auch wenn die politischen Forderungen für den Klimaschutz lauter werden und das Konsumverhalten nachhaltiger wird: Wie bewerten die 18- bis 30-Jährigen Thunberg nach nun bald einem Jahr "Fridays for Future"?

Zwar gaben in der Umfrage 13 Prozent an, dass sie langsam nerve. Aber 34 Prozent der Befragten sagten, dass Greta Thunberg ein beeindruckendes Mädchen sei.