Gäbe es nächsten Sonntag Wahlen und die Grünen zögen mit absoluter Mehrheit ins Kanzleramt ein – nicht viel würde sich ändern. Durch die Straßen wälzte sich der Verkehr, das CO₂ würde weiter in die Atmosphäre entweichen, unsichtbar und zerstörerisch. Die Ozeane würden sich weiter aufwärmen, der Meeresspiegel würde noch steigen. Und niemand würde verhindern, dass Sie sich mit einem Wurstbrot in der Hand von Ihrem Bett aus online einen Miniventilator für 2,99 Euro bestellen, den zwei Stunden später ein Bote an Ihr Bett brächte. Oder denken Sie sich ein anderes Beispiel für ad absurdum geführten Konsum aus.

Vielleicht hätte ein Kanzler Robert Habeck etwas Erfrischendes, einige Menschen im Land haben ja noch nie einen Kanzlerwechsel erlebt. Aber die große Transformation hin zu einer ökologischen Gesellschaft würde ausbleiben. Die Erderhitzung, die daraus folgende Naturzerstörung – sollten Sie sich deshalb Sorgen machen, es bliebe auch weiterhin Ihr Privatanliegen. Denn die Grünen sind nicht besonders grün.

Wie kann man das behaupten? Man muss sich dazu einmal ansehen, was die Grünen fordern. Also nicht bloß ihren Auftritt, ihren Parteivorsitzenden, dessen Frisur – sondern die Vorschläge der Partei.

Da wäre zum Beispiel die Abgabe auf den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids. Eine CO₂-Bepreisung gilt als wichtiges klimapolitisches Instrument, und inzwischen gibt es in der Politik kaum noch jemanden, der im Grundsatz dagegen ist. Die Frage ist also derzeit nur, wie hoch diese Steuer sein soll, damit sie einen ökologischen Effekt hat.

85.000 Mitglieder zählte der Bundesverband Anfang Juli 2019. Das ist ein Zuwachs von 10.000 Mitgliedern in diesem Jahr

Das Umweltbundesamt sagt, eine Tonne CO₂ solle 180 Euro kosten – so hoch sei der Schaden an Klima und Umwelt, den jede Tonne verursache. Das Versicherungsunternehmen Munich Re sagt, an die 115 Euro sollten es sein. Sonst könnten die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht erreicht werden. Nun haben Versicherungen vielleicht ein gewisses Interesse daran, Risiken zu überschätzen. Aber auch der Internationale Währungsfonds warnt vor den hohen Kosten, die die Erderhitzung verursacht, und fordert einen Preis von etwa 60 Euro pro Tonne.

Die Grünen hingegen sagen: 40 Euro, das genügt erst mal. Das sind 5 Euro mehr, als die nicht gerade für ihre Kühnheit bekannte große Koalition erwägt.

Ähnlich unspektakulär sind andere grüne Forderungen. Habeck schlägt im Sommerinterview vor, die Mehrwertsteuer für Bahntickets auf 7 Prozent zu senken. Ebendies hatte allerdings schon vor einiger Zeit Verkehrsminister Andreas Scheuer, CSU, vorgeschlagen, nur um von seinem Parteifreund Markus Söder überboten zu werden, der die Streichung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets forderte.