Immer mehr Menschen suchen eine Auszeit, die sie für Gottessuche und Selbstfindung nutzen wollen. Oft hängt das eine mit dem anderen zusammen. Zur gleichen Zeit öffnen sich die Klöster, die aufgrund von Überalterung vielerorts vor der Schließung stehen, zunehmend der Welt, um das zu bieten, was sie in Fülle haben: Ruhe und einen spirituellen Raum. Dazu eine Gemeinschaft, die denen, die sie benötigen, Geborgenheit bietet. Aber wer möchte sich schon ein Leben lang festlegen auf ein Modell der Entsagung und Abgeschiedenheit, nur weil er sich gerade in einer Sinnkrise befindet?

Das Modell "Kloster auf Zeit" hat Hochkonjunktur. Österreichische Abteien haben es vorgemacht. Nun bieten auch in Deutschland seit letztem Monat 28 Klöster von Schleswig-Holstein bis Bayern ein "Freiwilliges Ordensjahr" an. Draußen in der Welt heißt die Entsprechung für Schulabgänger, die noch nicht wissen, was sie mit ihrer Zukunft anfangen sollen, Freiwilliges Soziales Jahr.

Schwester Maria Stadler koordiniert auf Bundesebene das Praktikum bei Gott, das mindestens drei Monate bis höchstens zu einem Jahr dauern soll. Die Deutsche Ordenskonferenz ist entzückt über das rege Interesse seit Eröffnung dieses Angebots. Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bekundete Stadler ihre Überraschung, wie viele Anfragen schon eingingen: 40 an der Zahl, in so kurzer Zeit, die Spannbreite reicht von jungen Menschen bis zu betagten Rentnern.

Die 51-jährige Religionspädagogin lebt in der Münchner Ordensgemeinschaft "Missionare Christi", die auch an diesem offenen Projekt teilnimmt: "Dreizehn Schwestern und sieben Studentinnen aus aller Welt bilden eine multikulturelle Wohngemeinschaft, in der auch Frauen aus Eritrea Kirchenasyl bekommen haben."

Ganz offensichtlich öffnen sich die weiblichen Ordensgemeinschaften leichter diesem Experiment als die Ordensbrüder. Liegt es daran, dass die spirituell Sinnsuchenden eher unter den Frauen zu finden sind? Schwester Maria sagt: "Die Jüngeren wollen ausprobieren, ob das Ordensleben etwas Dauerhaftes für sie ist, die Älteren wollen eine Auszeit zur Überprüfung von Perspektiven."

Auch im fränkischen Franziskuskloster Vierzehnheiligen wird Mitleben von Laien im Ordensalltag als Win-win-Situation für die Frauen und die Gemeinschaft gesehen. Schwester Dorothea Köhler sagt, es gehe nicht darum, Ordensnachwuchs zu rekrutieren. Die Zeit im Kloster soll vielmehr dazu dienen, eine Balance von Gemeinschaft, Gebet und beruflichem Engagement zu finden. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Frauen verbindlich die streng geregelte Tagesstruktur mit Gottesdienst und festen Gebetszeiten zwischen Arbeit und Rekreation annehmen und verinnerlichen. Zumindest auf Zeit.

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