Bereits vor zehn Jahren warnten Ökologen, große Teile der Wälder Deutschlands hätten dem Klimawandel nicht genügend entgegenzusetzen. Vor allem Fichten- und Kiefernbestände – wie sie die Holzindustrie liebt –, die auf Flächen gepflanzt wurden, auf denen diese Arten normalerweise nicht vorkommen, würden leiden. Große Gebiete könnten absterben.

Jetzt sind Waldflächen von der doppelten Größe des Bodensees durch den Dürresommer gefährdet, den zweiten in Folge. Riesige Kiefern- und Fichtenanpflanzungen sterben ab. Sogar Eichen und Buchen leiden, obwohl sie eigentlich resistenter sind. Von den in der Vergangenheit beschworenen Szenarios werden die schlimmsten Realität.

Immerhin nimmt die Politik das Sterben der Wälder nun wahr. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will eine halbe Milliarde Euro an Soforthilfen ausschütten. Damit sollen tote Hölzer aus den Wäldern geholt und Neuanpflanzungen finanziert werden.

Klöckner, deren Politik bislang vor allem dadurch gekennzeichnet ist, dass sie in der Natur eine Ressource sieht, die sich ausbeuten lässt, legt damit den Grundstein für die Probleme der kommenden Jahrzehnte. Wälder sind nicht einfach Holzplantagen, die man planen und später abernten kann. Sie sind lebendige Systeme mit einem Geflecht von Abhängigkeiten. Beziehungen bilden sich hier über viele Jahrzehnte aus. Ihr Kapital liegt im Boden, der von Mikroorganismen und Pilzen bevölkert wird, wenn er gesund ist. In der Biomasse, also dem abgestorbenen Holz, den heruntergefallenen Ästen und Blättern, die Nahrung für unzählige Arten sind. Und in der Humusschicht, die Feuchtigkeit speichert.

Gewiss kann es lokal sinnvoll sein, totes Holz zu entfernen, auch Aufforstung sollte ein Teil der Zukunftsstrategie sein. Doch wer den Wald jetzt großflächig "aufräumen" (Klöckner) will, versteht nicht, dass die aktuellen Schäden kein Unfall sind, bei dem man die kaputten Teile wie Autoschrott schnell von der Straße sammeln muss. Vielmehr sollten die Wälder die Chance haben, sich der neuen Realität anzupassen.

Die Kapazität dazu haben die Bäume: Über die Jahrtausende haben sie sich immer wieder auf neue Umwelteinflüsse eingestellt. In Deutschland gibt es ein Repertoire von 30 Baumarten, aus dem sich die jeweils besten Mischungen für die verschiedensten Standorte herausbilden können. Lässt man den Bäumen Zeit, werden die Wälder selbst die besten Lösungen finden.

Die Hitze und die Trockenheit zeigen ziemlich brutal, welche Fehler bei der Waldbewirtschaftung und dem Waldbau – Wörter, die gut illustrieren, wie Natur wahrgenommen wird – gemacht wurden. Jetzt, wie tatsächlich diskutiert, im großen Stil mit Bäumen aus Nordamerika aufzuforsten würde bedeuten, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Das darf nicht passieren.

Die Krise ist eine Chance: Sie gibt den Wäldern die Möglichkeit, sich aus eigener Kraft zu regenerieren.