Beispiel Klima: In diesem Sommer diskutiert das Land über eine CO₂-Steuer. Ökonomen begrüßen sie eigentlich. Nur glauben sie nicht daran, dass die Politik sie konsequent umsetzt und dafür beispielsweise andere Klimagesetze abschafft. Sie glauben auch nicht, dass die Steuer so hoch sein wird, dass sich dadurch wirklich das Verhalten ändert. Dabei könnte genau das dazu führen, dass das Land umwelttechnologisch voranschreitet und ein Vorbild für andere wird. Doch statt diese Chance zu nutzen, ergehe sich Deutschland lieber in einem "Bußprediger-Wettbewerb", sagt Felbermayr. "Kein Fleisch mehr essen, nicht mehr in den Urlaub fliegen. Wer schafft es, dass wir mehr leiden angesichts der Sünden der Vergangenheit?", so beschreibt er die Debatte. "Wir müssen damit aufhören und endlich die Dinge angehen."

Beispiel Digitalisierung: In Amerika entstehen die neuen Ideen, in China werden sie als Erstes angewendet. In Deutschland regiert der Datenschutz, der doch von neuer Technik begleitet werden könnte. Es gäbe einige Bereiche, in denen deutsche Firmen noch etwas bewegen können, etwa den der künstlichen Intelligenz in der Industrie. Das kann man unterstützen. Dafür aber braucht es eine echte Innovationspolitik. Die ist riskant, teuer – und mithin ungemütlich. Der einzige wichtige deutsche Politiker, der je ernsthaft darüber gesprochen hat – Wirtschaftsminister Peter Altmaier –, hat diese Idee in einem Papier versteckt, das ansonsten abstruse Vorschläge enthält: das Schützen von Großkonzernen etwa. Das klingt nach Konservierung statt nach Fortschritt.

Mehr Angst

Der Index der wirtschaftspolitischen Unsicherheit steigt.

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Was nun? Unternehmenssteuern senken oder ein staatliches Investitionsprogramm starten? Das sind die derzeit dominanten Ideen, um die maximal ideologisch gestritten wird. Dabei finden Unternehmer etwas anderes viel dringender: Berlin müsse rasch ein paar politische Entscheidungen treffen zu Digitalisierung, Klima, Energie. Entscheidungen, die Firmen helfen zu planen und die Zuversicht vermitteln.

Die umstrittenen Ideen kommen dazu. Und dabei kommt es vor allem darauf an, wie man es macht. In Amerika haben niedrigere Unternehmenssteuern vor allem dazu geführt, dass die Firmen mit dem Geld ihre eigenen Aktien zurückkauften. Das bringt dem Land gar nichts. Deshalb schlagen Ökonomen rechts wie links etwas anderes vor: nämlich die Abschreibemöglichkeiten für Investitionen zu verbessern, begrenzt auf vielleicht fünf Jahre. Dann bekommen nur die Firmen etwas, die etwas aufbauen.

Wenig Zuversicht

Deutschlands Bruttoinvestitionen in Prozent des BIP seit 1970

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Es spricht auch nichts dagegen, dass der Staat wieder mehr investiert. Er hat sich zuletzt zurückgehalten, was übrigens nicht vorrangig an der Schuldenbremse lag. Sondern auch daran, dass man dachte: Läuft doch. Wenn die Wirtschaft wirklich einbrechen sollte, gibt es nun finanziellen Spielraum nach Jahren ausgeglichener Haushalte. Wichtig ist aber, dass, wenn es so weit kommt, ein Plan da ist – mit Projekten, die mit der Zukunft des Landes zu tun haben: Schulen, Schienen, Stromtrassen, Innovation.

Und was das Bild von Deutschland als Altersheim angeht: Da bietet Jens Südekum einen Lichtblick. Die demografische Entwicklung ist weniger dramatisch als einst befürchtet. Das liegt auch an der Einwanderung. Neben den Flüchtlingen sind viele gut ausgebildete Arbeitskräfte aus der EU gekommen. Und seit einigen Jahren werden außerdem wieder deutlich mehr Kinder geboren.

Immerhin ein Anfang.