Es gibt bei Lidl nur vereinzelt Frauen im Topmanagement. Männer werden schneller befördert. Das ist selbst in Bereichen wie dem Personalwesen so, in dem vor allem Frauen arbeiten. Auch dort sind die Chefs meistens Männer.

Das Betriebsklima bei Lidl insgesamt ist frauenfeindlich. Männern schreibt man Kompetenz zu und Frauen Soft Skills wie Kommunikation. Das zeigt sich in etlichen Projekten. Männer gelten als durchsetzungsstark. Von Frauen wird erwartet, sich zurückzuhalten, so geraten sie aber immer stärker ins Aus. Damit verfestigt sich ein klischeebeladenes Klima noch weiter.

Ich habe bei einigen großen Konzernen gearbeitet. Leider ist Lidl kein Einzelfall. Ich arbeite jeden Tag daran, die Strukturen in diesem Unternehmen aufzubrechen, was hoffentlich der nächsten Generation zugutekommt.

Die Stellungnahme von Lidl:

Das Unternehmen betont, auch außertarifliche Mitarbeiter würden nach einem festen Stufenmodell unabhängig vom Geschlecht vergütet. Die Einbeziehung verschiedener Personen würde eine "objektivierte Beförderungsentscheidung" garantieren. Es werde zudem sichergestellt, "dass Frauen und Männer gleichermaßen die Chance erhalten, gemäß ihren Leistungen und Fähigkeiten eingesetzt, gefördert oder befördert zu werden". Rund 27,5 Prozent der Führungskräfte bei Lidl seien weiblich. Man wolle durch viele Maßnahmen den Frauenanteil weiter erhöhen. Auf "fairen und respektvollen Umgang miteinander" werde großen Wert gelegt. Es gebe Beauftragte "für Mitarbeiter und Soziales", die Ansprechpartner für Mitarbeiter seien, wenn diese nicht zu ihrem Vorgesetzten gehen wollten.

Das Alter der Befragten

Wie alt waren Sie zum Zeitpunkt des geschilderten Ereignisses?

© ZEIT-Grafik

Die Bezirksleiterin bei denn’s-Biomarkt

Es war ein Mittwoch im November 2014. Ich erinnere mich genau an diesen Tag, ich war als Bezirksleiterin mit meinem damaligen Chef in einem nicht alltäglichen Einsatz. Eine denn’s-Biomarkt-Filiale musste geräumt werden. Kurz vor Dienstschluss erzählte ich meinem Chef, dass ich schwanger sei. Ich sagte ihm, dass ich gleich nach dem Mutterschutz auf meine Stelle als Bezirksleiterin zurückkehren wolle.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich seit zweieinhalb Jahren sechs denn’s-Bio-Supermärkte in Hamburg gemanagt. Anfangs kamen mir die Arbeitsbedingungen menschlicher vor, als ich es im Einzelhandel gewöhnt war, weniger Druck, der Ton weniger rau.

Ich solle mir keine Gedanken machen, sagte mein Chef. Das Baby brauche mich doch in der ersten Zeit! Ob ich denn nicht stillen wolle? Er machte mir Mut: Natürlich können Sie Elternzeit nehmen!