Gegen beide Vorschriften hat mein Arbeitgeber verstoßen. Montags musste ich in manchen Wochen um halb fünf Uhr morgens zum Flughafen, um den ersten Flug zum Mandanten zu erwischen. Donnerstagabends kam ich erst nach 22 Uhr nach Hause. Natürlich machte ich beim Mandanten kräftig Überstunden. Häufig hatte ich bereits am Donnerstagvormittag meine Arbeitszeit für die ganze Woche erreicht.

Das ist in der Branche durchaus üblich, jeder Berater macht massenhaft Überstunden und verstößt ständig gegen das Arbeitszeitgesetz. Doch in der Schwangerschaft war mir dieses Pensum zu viel. Ich ging zu meinem Chef und sagte ihm, dass ich die Maximalstundenzahl, die ich aufschreiben dürfe, bereits überschritten habe. Daraufhin bat er mich, eine inoffizielle Excel-Tabelle anzulegen und alle weiteren Überstunden dort einzutragen. Die sollte ich, so versicherte er mir, später dann abfeiern. Doch so viele Überstunden, wie ich angesammelt hatte, konnte ich gar nicht abbauen. Wer hätte dann die Arbeit gemacht?

Da ich mich mit niemandem anlegen und nach der Elternzeit ins Unternehmen zurückkehren wollte, habe ich mich trotz extremer Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft durchgekämpft. Irgendwann war ich körperlich völlig fertig, einmal musste ich sogar nach einem Schwächeanfall an den Tropf. Mein Arzt riet mir, die Arbeitszeit auf vier Stunden täglich zu reduzieren. Die Reaktion meines Chefs: Dann solle ich gleich zu Hause bleiben.

Ich hielt durch bis zum Mutterschutz. Zum Abschied gab es weder Blumen noch gute Wünsche, stattdessen ein Mitarbeitergespräch, das mit folgenden Worten begann: "Wir brauchen das gar nicht ganz durchgehen. Es ist klar, dass da aufgrund Ihrer schwangerschaftsbedingten Krankschreibung ein Minus herauskommen muss." Eine Bonuszahlung, die ich in den Jahren zuvor stets erhalten hatte, stünde mir deshalb nicht zu. Eigentlich hätte ich da schon zum Betriebsrat gehen müssen. Aber ich wollte es mir mit meinem Chef nicht verspielen.

Ein Kollege, der ein freundschaftliches Verhältnis mit dem Chef pflegte, legte mir nahe, mir nach der Elternzeit einen neuen Job zu suchen. Der Chef hätte zu ihm gesagt: Auf "Teilzeitmuttis" habe er "keinen Bock".

Trotzdem kehrte ich nach 14 Monaten Elternzeit in Teilzeit zurück. Zunächst arbeitete ich 20 Stunden die Woche, später stockte ich auf 25 Wochenstunden auf. Doch obwohl mein Arbeitgeber auf seiner Website verschiedene Teilzeitmodelle und einen speziellen Familienservice bewirbt, begannen für mich quälende Monate. Meine Teilzeit war schuld an allem, was schlecht lief. Es gab blöde Sprüche ohne Ende. Man warf mir – einer alleinerziehenden Mutter – "Freizeitorientierung" vor. Ich wurde schrittweise degradiert, bekam nur noch Aufgaben, mit denen man Praktikanten ärgern kann. Anstatt Mandanten zu betreuen, sollte ich zum Beispiel das Sekretariat bei der Ablage unterstützen.

Mein Chef machte derweil Karriere und wurde zum Partner befördert. Bei der Beförderungsfeier saß ich mit dem Deutschlandchef am Tisch. Mein Chef stellte alle Kollegen mit Namen, Dauer der Betriebszugehörigkeit und ihrer Position vor. Ich war als Letzte an der Reihe. Mein Chef nannte meinen Namen und fügte dann hinzu: "Sie ist – Mutter."

Ich wurde krank und musste mich in Therapie begeben. Nicht zuletzt wegen der Arbeitsbedingungen. Mein Chef sagte mir daraufhin ins Gesicht, dass ich nicht mehr in die Firma passe. Ich möge mir einen anderen Job suchen. Eine der größten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften des Landes hat mich systematisch fertiggemacht. Ende 2017 habe ich entnervt gekündigt. Heute arbeite ich bei einer kleinen Beratung, bei der ich mich sehr wertgeschätzt fühle.

Im Folgenden dokumentieren wir ausgewählte Antworten unserer Leserinnen:

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Chef: »Das geht Sie ja jetzt nichts mehr an, Sie sind ja jetzt schwanger!«
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Angestellte in der Immobilienbranche, 28 Jahre
Als Projektleiterin in der Industrie sollte ich den Besprechungsraum verlassen, da der Firmeninhaber davon ausgegangen ist, dass ich die Sekretärin bin und diese nichts bei der Besprechung zu suchen hat. Ein Kunde sagte zu mir als Diplom-Ingenieurin:
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Leitende Angestellte in der Industrie
Ich bin in mehreren Bewerbungsgesprächen völlig ohne Umschweife nach Kinderwunsch und Familienplanung gefragt worden.
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Angestellte aus der IT-Branche, 28 Jahre
Als mein Vorgänger ging, wurde mir seine Stelle angeboten – allerdings wurde ich nur »Referentin«, während er zuvor den Titel »Abteilungsleiter« trug.
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Angestellte im öffentlichen Dienst, 26 Jahre
Bei meiner Bewerbung in einer mund-, kiefer-, gesichtschirurgischen Praxis wurde mir gesagt: »MKG-Chirurgie ist nichts für Frauen, da bin ich ganz altmodisch.«
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Promovierte Bewerberin, 26 Jahre
In meinem ersten Hotel-Praktikum musste ich Toiletten und Zimmer putzen, während mein Klassenkamerad Bürotätigkeiten und den Frühstücksdienst machen durfte.
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Praktikantin in der Tourismusbranche, 16 Jahre
Als ich meine Schwangerschaft mitteilte, wurde mir salopp gesagt, dass mir ein männlicher Kollege zur Seite gestellt werden könnte, da dieser nicht schwanger »ausfallen« kann. Letztlich kam es dazu nicht, dennoch war die subtile Botschaft sehr klar.
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Angestellte in der Tourismusbranche, 32 Jahre
Mir wurde während des Bewerbungsgespräches mitgeteilt, dass ich für den Job in der Personaldisposition nicht geeignet sei, da ich eine Frau bin.
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Bewerberin, 26 Jahre
Während einer Kundenveranstaltung fordert der Chef mich und meine Vorgesetzte auf, doch etwas zu tanzen für die Atmosphäre.
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Angestellte in der Versicherungsbranche, 31 Jahre
Der Abteilungsleiter sagte: »Ich guck dir nicht auf den Bauch, ich guck dir nur auf die Brüste.«
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Angestellte in der Bankbranche, 30 Jahre
Ich verdiene 20 Prozent brutto weniger als meine männlichen Kollegen, obwohl ich sogar Fortbildungen für diese Kollegen hielt.
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Lehrerin an einer Privatschule, 42 Jahre
Ein Vorgesetzter äußerte regelmäßig in Meetings, dass die »Teilzeitmuttis« unzuverlässig seien.
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Angestellte im Handel, 30 Jahre
In einer Mitarbeiterbesprechung »witzelte« der Geschäftsführer: »Der Kollegin mussten wir ihre strategische Stelle aus biologischen Gründen wegnehmen.«
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Leitende Angestellte, 39 Jahre
Obwohl ich den höheren Bildungsabschluss und mehr Berufserfahrung habe, verdiene ich weniger als mein männlicher, jüngerer Kollege auf der gleichen Position. Es wird regelmäßig betont, dass er ja Familie hat, für die er sorgen müsse.
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Angestellte im Maschinenbau, 36 Jahre
Als ich aus der Elternzeit zurückkehrte, erhielt ich mein altes Büro nicht zurück. Mir wurde ein Schreibtisch auf den Flur gestellt.
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Angestellte im öffentlichen Dienst, 35 Jahre
Ein Kollege erklärte mir, dass er die Förderung von Frauen in MINT-Fächern für absolut lächerlich halte, da MINT-Fächer nicht zu den Begabungen von Frauen zählen würden. Frauen mangele es grundsätzlich an dieser Art zu denken.
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Ingenieurin, 25 Jahre
Auf dem Arbeitsamt riet man mir: »Vielleicht sollten Sie die Kinder und den Doktortitel aus dem Lebenslauf nehmen.«
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Bewerberin aus dem Kulturbereich, 36 Jahre
Mein Chef sagte zu mir: »Beförderung gibt’s bei mir nur gegen sexuelle Gefälligkeiten – sag Bescheid, wenn du befördert werden willst.«
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Angestellte, 43 Jahre
Mein verheirateter Kollege verfolgte mich auf der Weihnachtsfeier bis aufs Damenklo. Es gelang ihm, die verriegelte Klotür zu öffnen. Ich rannte weg, er fasste mir unters Kleid und zerriss die Strumpfhose.
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Angestellte aus der IT-Branche, 40 Jahre
Meine Beförderung stand im Raum, dann hieß es: »In deinem Zustand lohnt es sich nicht mehr.«
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Angestellte aus der PR-Branche, 29 Jahre
Als Ärztin in der Unfallchirurgie kommt man deutlich seltener in den OP als männliche Kollegen.
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Ärztin, 27 Jahre
Ein Oberarzt, der Betriebsrat war, sagte zu mir: »Für eine Mutter gibt es im Krankenhaus keinen Arbeitsplatz.«
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Angestellte in einem Krankenhaus, 33 Jahre
Mein Abteilungsleiter antwortete auf die Frage, wieso ich jetzt für ihn und nicht für den anderen Abteilungsleiter arbeiten solle: »Die andere Abteilung wurde vergewaltigt und Sie, Mäuschen, sind das Opfer. Sie gehören mir.«
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Angestellte in der Automobilbranche
Abteilungsleiter hatten einen Firmenwagen der Mercedes C-Klasse. Mir wurde als Abteilungsleiterin eine A-Klasse angeboten.
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Leitende Angestellte im Handel, 35 Jahre
Chef: »Die meisten Frauen, die hier arbeiten, tun dies für einen Zuverdienst zur Haushaltskasse. Wenn Sie mehr wollen, kann ich Ihnen das hier nicht bieten.«
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Angestellte im Bereich Architektur und Bauwesen
Der männliche Kollege wurde vor mir befördert, da er schließlich eine Familie ernähren müsse. Allerdings hat er eine gut verdienende Frau – und ich war alleinerziehend.
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Leitende Angestellte in der Medienbranche, 36 Jahre
Dann zog er an meinem T-Shirt, um den Ausschnitt tiefer werden zu lassen.
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Wissenschaftlerin im öffentlichen Dienst, 26 Jahre
Oder man erzählt mir, wie man mich »ficken« würde.
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Auszubildende im Handwerk, 23 Jahre
Mein Chef teilte mir mit: »Sie haben sich durch Ihre Schwangerschaft ja selbst aus dem Rennen gekegelt.«
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Angestellte, 34 Jahre
Als Praktikantin in einem Forstbetrieb durfte ich die Motorsäge nicht benutzen, da eine Frau an der Säge ja Unglück gebracht hätte.
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Praktikantin in der Forstwirtschaft, 22 Jahre
Mein Chef sagte: »Ich weiß, dass du sehr gut bist, eine der Besten. Aber es ist egal, wie gut du bist. An meinem Schwanz kommst du nicht vorbei.«
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Freie Journalistin, 40 Jahre
Ich hatte neu bei meinem Arbeitgeber angefangen. Kollegen kamen zu mir und haben gesagt, dass zum Glück endlich mal jemand mit großen Brüsten eingestellt wurde, und mit einem Kopfnicken zum Vorgesetzten: »Alles richtig gemacht.«
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Beschäftigte in der Konsumgüterbranche, 20 Jahre
Ein Kunde sagte im Meeting zu mir: »Ach … Sie verstehen das wahrscheinlich nicht, oder? Ja. Das macht nichts, wenn eine Frau ein Kugellager nicht versteht. Das ist ja auch nicht rosa, gell?« Drei Herren auf Kundenseite und ein Ingenieur aus dem
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Leitende Angestellte im Maschinenbau, 31 Jahre
Beim Kanu-Teamevent spritzt mich ein Kollege nass und sagt zu mir: »Wenn ich schon mal die Chance habe, eine Frau vollzuspritzen, dann muss ich das ja ausnutzen.«
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Angestellte im Bereich Marketing, PR und Design, 28 Jahre
Kollege: »Wir brauchen dich, damit du im Meeting sitzen und schön aussehen kannst.«
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Angestellte im Bereich Marketing, PR und Design, 24 Jahre
Mein Chef fragte mich zum Feierabend stets, ob ich wirklich schon gehen wollte. Er dachte, wir könnten noch Sex haben.
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Marketing-Managerin, 26 Jahre
Kommentar zu Angestellter: »Frauen brauchen nichts außer einen guten Schluckreflex.«
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Angestellte in der IT-Branche, 23 Jahre
Mein Chef und Eigentümer der Firma fragte mich: »Würdest du dir für mich kurze Kleidung im Büro anziehen?«
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Leitende Angestellte in der IT-Branche, 33 Jahre
Eines Mittags verglich einer der Teamleiter den Geruch unseres Sushis mit dem unserer Genitalien.
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Angestellte im Bereich Industrie und Maschinenbau, 27 Jahre
Der Vertriebsleiter fasste mir an den Po. Er sagte, mein Hintern habe ihm schon länger gefallen, da habe er einfach zugreifen müssen.
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Angestellte in der IT-Branche, 32 Jahre
Am ersten Tag nach meiner Elternzeit hat mich mein Chef fristlos gekündigt. Er brauche »nicht noch eine Mutter im Team«.
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Angestellte im Bereich Kunst, Kultur und Sport, 33 Jahre
Niedrige Tätigkeiten, wie Gäste empfangen, dem Postboten öffnen, das Geschirr wegräumen, die Konferenzräume einrichten, wurden grundsätzlich nicht von männlichen Kollegen mit übernommen, sondern nur von den drei Frauen im Team, obwohl das genauso
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Angestellte, 40 Jahre
In unserer Firma sind befristete Verträge Standard. Sobald man schwanger wird und in Elternzeit geht, ist klar, dass man raus ist.
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Angestellte, 24 Jahre
Es ist in der männerdominierten Branche, in der ich arbeite, normal, dass mal hinterhergepfiffen wird, ein Schlag auf den Hintern angetäuscht wird oder auch witzig gemeinte Sprüche abgelassen werden. Lässt man diesen Spaß aus Unsicherheit zu, sitzt
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Angestellte im Bereich Konsumgüter und Handel, 27 Jahre
Vorgesetzter: »Ich verschwende meine Zeit nicht mit dir. Spätestens wenn du schwanger bist, bist du eh nichts mehr wert.«
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Angestellte in der IT-Branche, 28 Jahre
Ich wurde am Po, am Busen angefasst, geküsst und musste mir ständig Kommentare über meine »geilen Titten« anhören. Ich wurde einem Schülerpraktikanten als »das ist die X, die bläst hier allen einen« vorgestellt. Diese Kollege ist jetzt Chef der HR.
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Angestellte in der Logistikbranche, 34 Jahre
Mein damaliger Chef kam immer mit in die Zigarettenpause, obwohl er nicht rauchte, und hat meine Arbeitskolleginnen angemacht. Danach erzählte er mir detailliert, wie oft und in welcher Stellung er mit ihnen Sex hatte.
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Angestellte im Bereich Gesundheit und Soziales, 26 Jahre
Vorgesetzter: »Für so ein Gehalt kann ich auch einen echten Mann einstellen.«
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Angestellte in der IT-Branche, 25 Jahre
Einmal wurde mir am Telefon gesagt: »Lassen Sie sich doch lieber noch mal schwängern, dann brauchen Sie nicht arbeiten.«
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Auszubildende Medienbranche, 30 Jahre
Im Mitarbeitergespräch wurde mir gesagt, dass ich »für eine Frau ganz schön geldgeil« sei.
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Angestellte in der IT-Branche, 33 Jahre
Ein Vorgesetzter fragte mich in meiner Ausbildungszeit, wie oft ich mit meinem Freund schlafen würde, und dass ich ab sofort nur noch mit Kondom Sex haben dürfe, damit ich auf keinen Fall schwanger werde und so auch nicht ausfallen würde. Mein Mentor
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Angestellte im öffentlichen Dienst, Verbände und Einrichtungen, 30 Jahre
Ich halte einen Vortrag. Ein Kollege schläft in der ersten Reihe. Ich nenne laut seinen Namen und bitte ihn, zuzuhören oder rauszugehen. Er sagt in die Runde, dass er mich gern mal übers Knie legen würde.
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Unternehmensberaterin, 33 Jahre
Ein männlicher Kollege mit vergleichbarer Position und Erfahrung bekam beim Einstieg 1.000 Euro brutto mehr als ich.
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Leitende Angestellte im Bildungsbereich, 32 Jahre
Der Doktortitel wird bei Männern genannt und im gleichen Satz bei mir als Frau selbstverständlich weggelassen.
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Promovierte Angestellte, 32 Jahre