William Gourlay gab sich große Mühe, seine Identität zu verschleiern: Der Dieb, der im Herbst 1952 den Safe im Büro einer schottischen Bäckerei ausraubte, zog seine Schuhe aus und streifte sich die Socken über die Hände, um keine Finger­abdrücke zu hinterlassen. Aber die Polizei fand auf dem Geldschrank mehlige Fußabbdrücke des Gangsters – und die einzigartigen Linienmuster seiner Zehen reichten den Geschworenen später als Beweis für seine Schuld aus.

Zugegeben, barfüßige Räuber sind die Aus­nahme, deshalb erfasst die Polizei nicht zusätzlich zu den Fingerabdrücken auch noch die Zehenabdrücke von Straftätern. Aus Sicht der Wissenschaft aber spräche nichts dagegen. Wie wir heute noch bei unseren Verwandten im Tierreich sehen können, sind Füße und Hände eng miteinander verwandt. In der embryonalen Entwicklung entstehen sie zur selben Zeit und bilden auch parallel die sogenannten Papillarleisten aus. Das Muster dieser Linien entsteht dabei recht zufällig, sodass sich auch die Finger- und Zehenabdrücke eineiiger Zwillinge deutlich von­einander unterscheiden.

Bieten die Linien vielleicht auch einen evolutionären Vorteil? Lange Zeit dachte man, die ­Rillen würden die Reibung zwischen den Händen oder Füßen und einer Oberfläche erhöhen und so kletternden Primaten einen sichereren Griff ­bieten. Laut einer Studie, die 2009 im Journal of Experimental Biology erschien, ist das Gegenteil der Fall – die Papillarleisten verkleinern die Kontaktfläche und senken damit die Reibung. Wozu sind sie dann gut? Sie könnten die Haut vor Schaden schützen. Oder sie leiten Schweiß und Wasser ab und verbessern so den Griff in feuchtem Milieu. Letztlich ist noch unklar, ob die Finger- und ­Zehenlinien eine Funktion haben.

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