Hervorstehende Augen ("Exophthalmus")

Ein- oder beidseitig steht der Augapfel hervor. Ursache dafür ist meist eine Erkrankung der Schilddrüse, es können aber auch Ent­zündungen,Tumoren, Schädelverletzungen oder Krankheiten der Blutgefäße dafür verantwortlich sein.

Hervortretende Gefäße ("Arteriitis temporalis")

Wenn die Arterie im Bereich der Schläfen knotig geschwollen, verdickt und bei Druck auch schmerzhaft ist, kann das ein Hinweis auf eine sogenannte Riesenzellarteriitis sein. Bei dieser Erkrankung kommt es zu entzünd­lichen Veränderungen. Die Blutgefäße verengen sich, was zu mangelnder Durchblutung in den betroffenen Bereichen führen kann. Eine mögliche Folge ist eine Sehstörung.

Knoten an der Haut ("Gichttophi")

Ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht, dann lagern sich feinste Kristalle etwa in der Ohrmuschel ab. Dort kann es zu gelblichen, knotigen Verdickungen aus diesen Kristallen kommen. Ursache für den erhöhten Harnsäurespiegel im Blut können Stoffwechsel­störungen, Nierenkrankheiten und auch Medikamente sein. Lagern sich die Kristalle in den Gelenken ab, führen sie dort oft zu Gichtanfällen.

Blaue Lippen ("Lippenzyanose")

Haut und Schleimhäute sind bläulich verfärbt, was oft besonders deutlich an den Lippen zu erkennen ist. Dahinter können Erkrankungen von Herz und Lunge stecken. Aber auch ­Medikamentenvergiftungen oder extreme Kälte können zur Zyanose führen.

Kropf ("Struma")

Ist die Schilddrüse vergrößert, kann das unterhalb des Kehlkopfes als Schwellung sichtbar werden. Ursachen dafür sind meist Er­krankungen oder Verletzungen der Schilddrüse, Jodmangel, Medikamente – und manchmal auch eine Schwangerschaft.

Gefäßspinnen ("Spider naevi")

Rote, stecknadelkopfgroße Gefäßknötchen mit sternförmig ausstrahlenden feinen Zweigen treten gehäuft bei einer Leberzirrhose auf, dann besonders am Oberkörper und im ­Gesicht. Auch in der Schwangerschaft, bei Vergiftungen oder Infektionskrankheiten kann man sie finden – dann vorübergehend.

Männerbrüste ("Gynäkomastie")

Die Brustdrüse kann beim Mann ein- oder beidseitig vergrößert sein, wenn sein Körper zu viel weibliche Geschlechtshormone produziert, etwa bei Hodentumoren oder schweren Lebererkrankungen. Aber auch ein Mangel an männlichen Sexualhormonen durch eine angeborene Fehlbildung der Geschlechtsorgane, Schilddrüsenerkrankungen oder ein Hirntumor kann die Ursache sein, ebenso Marihuanakonsum. Im Alter tritt die Gynäkomastie meist ganz ohne Krankheitswert auf.

Dehnungsstreifen ("Striae rubrae")

Das sogenannte Cushing-Syndrom, eine zu hohe Konzentration des Hormons Cortisol, führt oft zu roten Streifen im Bauch-, Hüft- und Gesäßbereich. Ursachen dafür können hormonproduzierende Tumore sein, aber auch eine hochdosierte Einnahme von kortisonhaltigen Medikamenten. In der Schwangerschaft, Pubertät oder bei Fettleibigkeit kann es ebenfalls zu diesen Streifen kommen.

Trommelschlägelfinger ("Digiti hippocratici")

Sie entstehen bei Herz- und Lungenerkrankungen, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, bei Tumoren oder Infektionskrankheiten. Zu den aufgetriebenen Gliedern am Fingerende kommen oft große, vorgewölbte Fingernägel.

Rote Handflächen ("Palmarerythem")

Die flächige Rötung der Handinnenflächen, besonders am Daumen- und am ­Kleinfingerballen, kann auf eine chronische Erkrankung der Leber hinweisen, etwa eine Leberzirrhose. Die Rötung tritt aber auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion, bei rheumatischen Erkrankungen, bei bestimmten Medikamentenbehandlungen oder in der Schwangerschaft auf.

Weiße Flecken ("Vitiligo")

Solche scharf begrenzten und fast weißen Flecken an Haut und Haaren, die sich mit der Zeit vergrößern und ineinanderfließen können, treten oft als Folge von Autoimmunerkrankungen auf, zum Beispiel der Schilddrüse. Auch eine Zuckerkrankheit kann dazu führen.

Gelbe Haut ("Ikterus")

Eine solche Gelbfärbung der Haut, der Schleimhäute und der Lederhaut des Auges entsteht durch die Ablagerung von Bilirubin, dem Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Meist ist sie an den Augen zuerst zu erkennen. Ursachen können Erkrankungen der Leber, des Blutes, der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase oder Gallenwege sein.

Illustration: Nadja Baltensweiler; Quellen: Herold Innere Medizin; Pschyrembel; Bundesverband der Augenärzte; Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft; Jürgen Dahmer: Anamnese und Befund – Die symptomorientierte Patientenuntersuchung; Wörterbuch für Volkskrankheiten, Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften; Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Arzneiverordnung in der Praxis; Gunter Gruber, Andreas Hansch: Blickdiagnosen Innere Medizin; Deutsches Ärzteblatt; www.gesundheitsinformation.de; CompactAtlas der klinischen Inspektion und Differential­diagnostik