Das war’s dann wohl für den einen Kandidaten. Jetzt sind es nur noch drei Logos, die übrig bleiben im Rennen um die beste Kennzeichnung für die Gesundheit von ­Lebensmitteln. Zumindest wenn man die Worte von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ernst nimmt. Im Juni hatte sie verkündet, die Verbraucher an der Entscheidung für ein Nährwert-Logo zu beteiligen, das "klar, einfach und verständlich" sein soll. Vier Kennzeichnungen standen in der Endauswahl ihres Ministeriums, be­teiligt werden sollten die Verbraucher mit einer repräsentativen Umfrage mit mindestens 1000 Teilnehmern. Was da herauskomme, sei maßgeblich für sie, sagte Klöckner.

Genau so eine Umfrage hat nun ein Ergebnis erbracht: Ein Label, vom staatlichen Max Rubner-Institut auf die Schnelle entwickelt, fiel in den Klöckner-Kriterien ("klar, einfach und verständlich") komplett durch. Sehr gut hingegen schnitt der sogenannte Nutri-Score ab, der Ampelfarben zur Kennzeichnung nutzt.

Die Umfrage hat nur einen Haken: Sie ist nicht von Klöckners Ministerium in Auftrag gegeben worden. Medizinische Fachgesellschaften (darunter die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin) hatten sich mit der Verbraucherorganisation Foodwatch zusammen­getan und das Meinungsforschungsinstitut Forsa damit betraut.

Man muss dazusagen, dass sich diese ­Organisationen vehement für den Nutri-Score einsetzen. Aus gutem Grund: Er hat sich in zahlreichen Studien als bestes Label erwiesen. Unter den meisten Experten ist unstrittig, dass er breit eingeführt werden sollte.

Man könnte aber auch sagen: Die Organisationen haben die Ministerin nur beim Wort genommen – und belegen damit, wie angreifbar sie sich gemacht hat. Denn es ist völlig unverständlich, dass Klöckner sich bei ihrer Entscheidung für ein Nährwert-Label nach dem Ergebnis einer Umfrage richten will. Nun hat sie ein Ergebnis, noch dazu eines von einem seriösen Institut, das von seriösen wissenschaftlichen Organisationen beauftragt wurde.

Nähme sie ihre eigenen Worte ernst, müsste sie sich an deren Votum halten. Es läuft aber noch die Umfrage, die ihr Ministerium in Auftrag gegeben hat. Was, wenn dort etwas anderes herauskommt? Umfragen sind fehleranfällig, von aktuellen Stimmungen abhängig, ihre Ergebnisse leicht zu beeinflussen.

Mit ihrer Erhebung haben die Fachorganisationen die Klöcknersche Vorgehensweise als das entlarvt, was sie ist: unsinnig. Denn warum muss eine unwissenschaftliche Umfrage über etwas entscheiden, was wissenschaftlich längst entschieden ist?

Lesen Sie hier einen ausführlichen Artikel über den Nutri-Score