Am dritten Tag klingelt mein Wecker um kurz vor acht. Draußen ist es still und heiß. Ich quäle mich aus dem Bett, schlüpfe in meinen Bikini und spähe vom Balkon durch die Palmenblätter zu denen hinunter, die noch früher aufgestanden sind. Heute wird es klappen. Mit Badetuch und Buch unterm Arm gehe ich los. Unten angekommen: Enttäuschung. Der Poolbereich ist zwar noch so gut wie leer, aber die Holzliegen mit den weißen, weichen Polstern, auf die ich seit der Ankunft schiele, sind es nicht. Handtücher, überall Handtücher. "Keine Liegen mit Handtüchern reservieren" steht in den Poolregeln, für alle sichtbar, auf einem großen Schild.

Ich werde wütend. Da stehe ich in aller Herrgottsfrühe auf, um endlich einen Platz am Pool zu ergattern, und dann klappt es wieder nicht. Ich greife mir das einsamste Handtuch, werfe es auf einen nahen Baumstamm und platziere stattdessen mein Handtuch auf der Liege. Ich schäme mich, ich triumphiere – und ich wundere mich: Warum durchlebe ich eines der ältesten Pauschalurlaubs-Klischees an einem Ort, der mit diesen Klischees gerade aufräumen will?

Der Pool und die Liegen gehören zum Cook’s Club Adaköy Marmaris im Südwesten der Türkei. Marmaris ist eine kleine Hafenstadt, das Hotelresort liegt gegenüber auf einer Halbinsel. Der Blick vom Strand geht Richtung Festland, den Ort sieht man aber trotzdem nicht, weil zwischen Hotel und Küste ein Inselchen wie eine Sichtblende in der Bucht lagert.

Das Hotel bietet Cluburlaub für Millennials, für Menschen zwischen 20 und 35. All-inclu­sive wird gern gebucht, muss aber nicht. Ich bin 26, passe also in die Zielgruppe, obwohl meine einzige Pauschalurlaubserfahrung damals mit Oma war, mit umkämpften Buffets, Wasserrutschen und peinlichen Ani­ma­tions­pro­gram­men. Später bin ich lieber auf eigene Faust verreist. Ist aufregender. Aber oft auch so anstrengend, dass ich danach eine Woche Urlaub vom Urlaub bräuchte. Jetzt will ich mich nur erholen, mich um nichts kümmern. Also in den Cook’s Club.

Cook’s-Club-Hotels gibt es in der Türkei, in Griechenland, Ägypten, Bulgarien und auf Mallorca, insgesamt sind es acht, alle erst in diesem Jahr eröffnet. Die Anlage in Marmaris ist schon älter, wurde aber millennialtauglich generalüberholt. Früher waren die kleinen Häuschen – alle ein wenig unterschiedlich – himmelblau und zinnoberrot gestrichen, jetzt tragen sie dezentes Grau. Eine weiße Balustrade, die wie ein Gartenzaun um die Anlage lief, wurde durch halbhohe Glaswände ersetzt, die Liegen am Pool sind jetzt eher Loungemöbel.

An meinem Häuschen ranken pinke Blumen nach oben. Ich bewohne eines von vier Zimmern. Die Wände sind erdfarben, die Einrichtung: schlicht mit Akzenten. Leinen, unbehandeltes Holz, dick bestickte Kissen, ein gewebter Wandschmuck. Ein Boutiquehotel in Marrakesch sähe kaum anders aus. Und seltsam, man hat das Gefühl, als wäre die gesamte Farbgebung auf einen Instagram-Filter abgestimmt.