Für uns Menschen ist es relativ einfach, mit althergebrachten Gewohnheiten zu brechen. Beispiel Kinderbetreuung: Ein bisschen guter Wille und ein paar fördernde Gesetze reichen aus, schon nehmen sich auch Väter Zeit für den Nachwuchs. Vielleicht nicht in dem Maße, wie es sich manche wünschen, aber immerhin.

Im Tierreich setzt die Biologie solchen Umwälzungen häufig Schranken. Etwa beim Känguru. Die Jungen krabbeln nach der Geburt in den Beutel der Mutter, in dem sich auch deren Milchdrüsen befinden, und bleiben da mehrere Monate. Das Kängurumännchen kann da nicht mithalten. Ihm fehlen nicht nur die Zitzen, sondern vor allem der heimelige Kindersack. In der Fernsehserie Seinfeld wurde einst über den "Beutelneid" männlicher Kängurus gewitzelt.

Es gibt allerdings eine Beuteltierart, bei der auch die Männer einen Beutel besitzen. Die findet man nicht in Australien, sondern in Lateinamerika, vom südlichen Mexiko bis ins nördliche Argentinien. Die Rede ist vom Schwimmbeutler, Chironectes minimus. Er gehört zur Familie der Beutelratten, wird etwa 30 Zentimeter lang und ist die am besten an das Leben im Wasser angepasste Beuteltierart. Sein Fell ist wasserabweisend, zwischen den Zehen hat er Schwimmhäute. Und die Weibchen können ihren Beutel mit einem Muskel wasserdicht verschließen. So kann der Nachwuchs mit auf Tauchfahrt gehen, ohne zu ertrinken.

Und die Männchen? Bevor nun Jubel über die Gleichberechtigung im Tierreich ausbricht: Der männliche Schwimmbeutler hat zwar auch einen Beutel, aber der ist für die Kinder tabu. Es handelt sich lediglich um eine Tasche, mit der er beim Schwimmen seine wertvollen Geschlechtsteile schützt. Es gibt mehrere Erklärungen dafür: Die Organe werden warm gehalten, sie verheddern sich nicht in Wasserpflanzen, und der Körper bekommt eine bessere Stromlinienform. Wasserdicht ist dieser eher egoistischen Zwecken dienende Beutel nicht.

Es existierte noch eine zweite Beuteltierart, bei der auch die Männer eine Körpertasche hatten: den Beutelwolf, auch Tasmanischer Tiger genannt. Bis 1936, in jenem Jahr starb das letzte Exemplar in einem Zoo. Auch bei ihm diente der männliche Beutel nur dem Schutz der Genitalien. Wegen dieser anatomischen Besonderheit war es lange umstritten, ob der letzte Beutelwolf ein Männchen oder Weibchen war. Durch Videoanalysen konnte dann gezeigt werden, dass es sich um ein Männchen handelte – mit Beutel.

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