Einen Dürresommer verkraften die meisten Bäume, doch Klimakrise bedeutet, dass sich solche Extremereignisse häufen. Im vergangenen Jahrhundert waren 1947 und 1976 besonders heiß und trocken. Das neue Jahrtausend begann 2003 mit einem Jahrhundertsommer, dann folgten 2015 und 2018 sehr trockene Jahre. Und nun schon wieder viele Monate Hitze und Trockenheit.

Wie einzelne Pflanzen auf diesen Stress reagieren, untersucht Buras’ Kollege Christian Zang anhand von Bohrkernen aus Stämmen. Sein Fazit: "Wenn man auf die Jahrringe schaut, sieht man, dass es vielen Bäumen schon länger schlecht geht." Eigentlich bräuchten sie nach einem Sommer wie dem von 2018 einige Jahre, um sich zu erholen. Einen Überblick darüber zu bekommen, wie groß der Schaden ist, ist nicht ganz leicht. Die Arbeitsgemeinschaft der Waldeigentümer spricht von 70 Millionen vertrockneten Festmetern Holz seit 2018 und 110.000 Hektar kahlen Flächen durch Waldverlust. 2,1 Milliarden Euro würde es kosten, die Schäden zu beseitigen, Wiederbewaldung nicht eingerechnet.

Doch genau davon – im großen Stil neue Bäume zu pflanzen – halten andere Fachleute nicht besonders viel. Einer von ihnen sitzt in Eberswalde. Die Kreisstadt im Nordosten Brandenburgs ist ein Zentrum der Wald- und Forstforschung. "Niemand weiß, wie sich das Klima genau entwickeln wird", sagt Pierre Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, "das Risiko, dass ein jetzt gepflanzter Baum wieder eingeht, ist groß. Warum also nicht darauf setzen, dass der Wald selbst entscheidet, was ihm guttut?" Der Boden sei voller unterschiedlicher Samen, die sich zufällig verteilten. Lasse man sie wachsen, entstehe jene Strukturvielfalt von allein, die den Wald weniger anfällig für Dürre und Stürme mache.

Auch vom Plan, das tote Holz schnell abzutransportieren, hält Ibisch nichts. Im Gegenteil. Er fordert, einen Großteil der Stämme liegen zu lassen. So werde der Boden beschattet und Feuchtigkeit gebunden, die Biomasse könne die nächste Generation von Bäumen nähren.

Ibisch schaut als Naturschützer auf den Wald. Forscher wie der Leiter des Eberswalder Thünen-Instituts für Waldökosysteme, Andreas Bolte, haben auch andere Aspekte im Blick, etwa die wirtschaftliche Bedeutung oder die Kohlenstoffspeicherung. Er stimmt mit Ibisch höchstens darin überein, dass eine politische Diskussion um den Wald überfällig sei. Bolte hält nichts davon, den Wald selbst eine Lösung finden zu lassen. Stattdessen solle man gezielt aufforsten, Baumarten wie die nordamerikanische Küstentanne oder die Douglasie seien Optionen. Sie können mit Trockenheit umgehen. Dasselbe empfiehlt auch der Waldbesitzerverband. Sie könnten die Fichte ersetzen, die Verliererin des Sommers. Der "Brotbaum" hiesiger Forstwirte wächst auf einem Viertel der Flächen und macht die Hälfte des geernteten Holzes aus. Doch er hält Dürre nicht gut aus, große Bestände sind abgestorben.

Die Trockenheit sei ein Signal dafür, dass es mehr Vielfalt brauche, das sieht auch Bolte so: weg von Monokulturen, hin zu mehr Mischwäldern. Radikaler formulieren das die Grünen in ihrem Papier – "Forstplantagen zu Ökowäldern". Der Vorwurf dahinter: Die Waldbauern bekämen jetzt die Quittung für die einseitige Ausrichtung auf die Nachfrage der Holzmärkte.

Der Waldbesitzer-Präsident von der Marwitz empfindet solche Vorwürfe als "Schlag in die Magengrube". Sie seien überholt, auch die Fichte wachse längst in Mischwäldern, der Waldumbau sei seit vielen Jahren in vollem Gange. Doch im Wald brauche Wandel Zeit: "Was ich heute ernte, das hat einst mein Urgroßvater gepflanzt." Und wenn die Grünen neue Urwälder fordern, geht von der Marwitz auf die Palme: "Wir leben in der deutschen Kulturlandschaft und nicht im Märchen!" Gerade wegen des Klimawandels müsse man den Wald als Holzlieferanten nutzen: Denn Holzhäuser und -möbel speicherten Kohlenstoff langfristig.

In diesem Punkt kann der Waldbesitzer-Präsident auf die Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums rechnen. Auch die Grünen wollen, dass mehr Holz verbaut wird. Zugleich mahnen sie einen "Holzsparplan" an. An effizienten neuen Materialien solle etwa geforscht werden, damit der Nachfragedruck auf die Wälder nicht weiter steige.

All diese Fragen will Julia Klöckner bei einem Fachgespräch Ende August diskutieren lassen. Am 25. September sollen dann alle Interessengruppen zu einem großen Waldgipfel zusammenkommen. Die Ministerin will dort eine Strategie entwickeln, wofür die geplanten 500 Millionen Euro ausgegeben werden sollen. Sicher ist: Es wird stürmisch werden auf diesem Gipfel.