Pater Justinus C. Pech, einer von 13 Mitbrüdern im Zisterzienserkloster Stiepel im Süden Bochums, will ein Produkt auf den Klostermarkt bringen, das etwas hipper ist als "Klosterfrau Melissengeist". Ältere Damen mögen ihn immer noch für die innere Einreibung schätzen, auf dass ihnen ihr Nachtgebet beschwingter über die Lippen gehe. Eine jüngere Zielgruppe erreicht man damit nicht. Pater Justinus kam der Gin in den Sinn: das Modegetränk jeder angesagten Bar von Sylt bis Garmisch. In den Metropolen entstehen allerorten kleine Gin-Destillerien, die den Wacholderschnaps mit seinen Kräuterzusätzen ständig verfeinern. Warum soll die Kirche da nicht mitmischen?

Das Kloster Stiepel ist wie geschaffen für die Herstellung dieses Kräuterdestillats. Dort gibt es einen Kräutergarten und ein Gewächshaus, in dem Basilikum und Zitronenmelisse prächtig gedeihen. Den Wacholder bezieht Pater Justinus aus der Toskana, das Getreide, aus dessen Korn der Alkohol gebrannt wird, stammt von den Brüdern der Mutterabtei Heiligenkreuz im Wienerwald. Alles Bioware, darauf ist Pater Justinus stolz. Da das Kloster aber selbst keine Brennrechte mehr besitzt, wurde das Destillieren in einen nahe gelegenen Betrieb ausgelagert.

Glaube und Gin passen gut zusammen: Während Ersterer die Grundsubstanz des Lebens sein kann, ist Letzterer die Basis vieler Cocktails, insbesondere des Dry Martini. Longdrinks wie der Gin Tonic sind ein beliebtes Szenegetränk. Bis zu 120 verschiedene Ingredienzien kommen zum Einsatz. Wenn das nicht nach katholischer Vielfalt riecht! Der erste deutsche Klostergin, dessen Etikett ein Mönchshabit ziert, könnte stylisher kaum sein. Manche mögen in dem Gin-Konzept des Klosterbruders eine Anbiederung an den Markt wittern. Doch Pater Justinus geht in die Offensive: Monastische Zurückgezogenheit darf nicht bedeuten, die Marktmechanismen nicht auch für das Kloster zu nutzen.

Der studierte Betriebswirt hat Personalmanagement-Unternehmen aufgebaut, bis er seiner Berufung als Mönch nachging. Gegenüber der Kölner "Kirchenzeitung" argumentiert der umtriebige Gottesmann, dass "die katholische Kirche ja auch so etwas wie ein Marktführer" sei und Wirtschaftskompetenz gebrauchen könne. Über das Trendgetränk will er mit Menschen ins Gespräch kommen, die bisher noch keine Notiz von seinem Kloster genommen haben. Der Kirchenmann hofft, dass die Kunden sich über den Geist der Spirituose zum Heiligen Geist vortasten. Demnach muss man nur hoffen, dass dieser Gin nicht in jedem Getränkegroßhandel erhältlich ist. Der Bilanz des Klosters wäre damit zwar geholfen, für Glaubensgespräche aber wäre es abträglich.

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