Im Lastenaufzug steht noch der kalte, giftige Dunst, und durch die Ritze zwischen den Schiebetüren zieht er hinein in die Museumsräume, die herrlich rein und makellos sind und jetzt ein wenig brenzlig riechen. Gehört das zum kuratorischen Konzept? Ist der Mief ästhetisch wertvoll?

Davon kann natürlich keine Rede sein: Das Feuer im Dach des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, der dicke Qualm, die Löschwasserfontänen, das alles war ausnahmsweise kein Künstlerwerk, es war eine echte, schlimme Gefahr, die zum Glück rasch erstickt werden konnte, sodass jetzt, kaum drei Wochen später, die neue Ausstellung auf den Tag pünktlich begonnen hat. Oder etwa doch nicht?

Drinnen im Hauptsaal des Museums, der alle Etagen verbindet, könnte man denken, die Sammlung sei wohl noch ausgelagert, sicherheitshalber. Keine Kunst, nirgends, und so ist man hier recht allein mit sich selbst und mit der eigenen Verwunderung über die große Leere, von der man nicht weiß, wie man sie finden soll, ob wunderbar offen oder schrecklich ratlos oder nur ein wenig gedankenscheu. Irgendwann aber, man bleibt ja stehen und sieht sich um, ist da doch etwas, ein sanfter Durchzug, der über die Köpfe und Arme streicht, ein Wind, der ganz bestimmt kein Kunstwerk sein will und doch eines ist, luftig und unsichtbar, ausgedacht von Ryan Gander, der über gut getarnte Schächte dafür sorgt, dass es nicht stickig wird, nicht hier, nicht an diesem hohen Ort.

Das macht Gander zum idealen Künstler, jedenfalls für eine Ausstellung wie diese, die einen ebenso viel- wie nichtssagenden Titel trägt: Museum. Es soll hier, sagt die Direktorin Susanne Pfeffer, ums Grundsätzliche gehen, darum, was ein solches Haus ausmacht, was es mit der Kunst anfängt und was die Kunst mit ihm. Weniger eine Aus- als eine Aufstellung soll es sein, um endlich besser zu begreifen, welche Muster, Kräfte und Beziehungen hier wirken.

Dafür hat Pfeffer das ganze große Museum ausgeräumt, ja eigentlich ausgeleert. Denn obwohl es in den oberen Sälen deutlich mehr zu sehen gibt als unten beim windigen Gander, geht es auch dort ungemein luftig zu. Die wenigen ausgewählten Werke der Sammlung, ergänzt um ein paar Neuproduktionen, verlieren sich fast in den Weiten des Hauses. Sind auf sich gestellt, müssen sich beweisen.

Es ist eine besonnene, manchmal schon heilige Präsentation, sie macht aus dem Museum einen Ort der Einkehr und Besinnung, was man ja unbedingt schön finden könnte. Nur sind die meisten Kunstobjekte, die es zu sehen gibt, für diese Art von Auratisierung denkbar ungeeignet. Ein Haufen Scheiße (zum Glück aus Kunststoff) von Martin Kippenberger, ein Häuflein zusammengekramter Straßenmüll von Laurie Parsons oder die Überbleibsel einer Box-Performance von Joseph Beuys – man merkt rasch, dass es vielen Künstlern der letzten 50 Jahre nur selten um Andacht und Kontemplation ging. Viele schauten sogar mit Verachtung auf das Museum, diesen Ort der bürgerlichen Selbstfeier, der noch die größte Provokation zum bewunderten Staubfänger werden lässt. Auch Michael Asher ging das so, als er 1991 in Lyon den ausgedienten Heizkessel des dortigen Museums einschmelzen ließ, um daraus kleine Plaketten zu gießen, die er in der Nachbarschaft, von Gentrifizierung bedroht, verteilen ließ. Wehrt euch, heißt es da, pocht auf euer Wohnrecht!

Asher suchte den Sinn der Kunst nicht im Museum. Er wollte das Schweigen der Objekte überwinden, wollte Aufruhr und Aktion, so wie viele Künstler, die jetzt in Frankfurt gezeigt werden. Und doch hängen nun zwei seiner Plaketten fein säuberlich arrangiert auf weißer Wand, als wollten sie bestaunt und als klassische Werke befragt werden. Der Museumsflüchtling wird musealisiert.