Kürzlich war ich beruflich in Syrien. Es war nicht immer möglich, mich zu Hause zu melden. Das fühlte sich ungewohnt an: Reisen im 21. Jahrhundert ist doch ein ständiges Sich-Mitteilen nach daheim – egal ob aus Malle oder aus Aleppo. Via WhatsApp, Facebook und Instagram informieren wir unsere Lieben: Wie sieht das Hotelzimmer aus, wie schmeckt das Essen, wer sind die Urlaubsbekanntschaften?

Als ich später wieder gesund am Flughafen Tegel stand und im Taxi zu meinen Eltern fuhr, dachte ich darüber nach, was eigentlich der beste Kommunikationskanal auf Reisen ist.

Neben Facebook und Co gibt es unzählige Internetseiten und Apps: Auf "Joinmytrip" etwa kann man ein öffentliches Reisetagebuch anlegen, in dem man Fotos, Standorte und Beiträge teilt, sodass Familie, Freunde und Fremde virtuell mitreisen. Mithilfe der Website lassen sich unterwegs auch Reisepartner finden – Mitleser können sich beim Tagebuchschreiber melden.

Die App "Excursion" leistet etwas Ähnliches. Hier können andere aber auch schon bei der Reisevorbereitung mitreden: Man gibt etwa an, welches Hotel und welchen Sitzplatz im Flugzeug man gewählt hat. Danach können andere User Feedback geben, was sie davon halten – sodass man notfalls noch schnell umbuchen kann.

"Tripit" oder "Appintheair" sind Apps, die ich regelmäßig nutze. Zum einen können Familienmitglieder und Freunde hier einen Reise-Kalender abonnieren, in dem sie sehen, wo man gerade ist. Zum anderen kann man dort auch Ankunft- und Abflugzeiten per SMS teilen. Das ist praktisch, fühlt sich allerdings auch ein wenig nach Überwachung an.

Generell bedeuten diese ganzen digitalen Optionen aber viel Arbeit. Die Reise wird zu einem ständigen Updaten, Hochladen, Schicken. Und nach der Reise fallen die Bildershow und die Gespräche weg: Alle wissen ja schon alles.

Die traditionelleren Wege der Nachrichtenübermittlung sind mir daher lieber. Meine Wiederbelebung der Postkarte ist allerdings eine Chimäre aus digital und analog: In der App "MyPostcard" wählt man auf dem Handy ein Foto aus seiner Bibliothek aus, schreibt einen Text und schickt die Karte erst einmal digital an "MyPostcard". Für rund drei Euro wird sie dann in Deutschland ausgedruckt und verschickt. So kriegen die Lieben daheim eine Karte mit individuellem Urlaubsmotiv.

Ich bin außerdem ein großer Päckchenverschicker. Der Inhalt: gepresste Farne aus dem Amazonasgebiet, scheußliche Süßigkeiten aus Japan, Datteln aus dem Orient. So bekommt der Empfänger auch haptisch von meiner Reise etwas mit. Und beim Bedanken entwickeln sich dann oft die schönsten rekapitulierenden Reise-Gespräche: Was ich gesehen, was ich erlebt habe ...? Erinnerungen an Orte entstehen auch durch den Weg, den man gewählt hat, um von ihnen zu erzählen.