Petra Bahr ist Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover. © Kulturrat der EKD

"Dass ich in den Himmel komm." So musste ich als Kind immer beten. In diesem Alter mag man das tröstlich finden. Für Erwachsene ist das naive Himmelsgerede nicht zumutbar.

Schon auf den ersten Seiten der Bibel ist von "den Himmeln" die Rede, auf ziemlich erwachsene Weise, wie ich finde. Dieser Himmel ist nicht "oben", er ist auch kein heller Raum, wo Wesen in weißen Anzügen oder Kleidern mit Gottvater am Telefon ins Erdenleben der Menschen eingreifen – ein cleaner Ort voller Langeweile. Diese Vorstellung gibt es nur in schlechten Filmen. Die Protagonisten wollen aus guten Gründen nicht im Himmel bleiben. Vielleicht ist das die Crux: Weil der Himmel eine Projektionsfläche ist, die frei ist für die Vorstellungen unterschiedlicher Menschen mit ihren von Literatur, Kunst und Musik geprägten Fantasiemoden, mit ihren Sehnsüchten nach einer Gegenwelt, in der für Kinder ein Spielplatz ohne Hausaufgaben und für Erwachsene eine Zustand ohne Verletzlichkeit, ohne Schmerz und ohne Tod erreicht ist, ist der Himmel vollgestopft mit Bildergerümpel. Innere Bilder sind genauso mächtig wie theologische Lehren. Dabei sind "die Himmel" im Grunde erst mal eine Sphäre, an der eine wichtige Unterscheidung hängt. Ein "Jenseits" der Welt, die Menschen mit Sinnen und Verstand ergründen. Früh schon wird dieser Einzugsbereich des Göttlichen mit dem Firmament besetzt, mit der Unendlichkeit und Unerforschlichkeit des Kosmos, der im Sternenhimmel nur eine Art optischen Ausschnitt erlangt. In der englischen Sprache – und vielen Sprachen der Welt – gibt es immerhin die Unterscheidung von "sky" und "heaven". Im Deutschen ist der Himmel auch dort, wo die Flugzeuge fliegen.

Im Grunde ist die Rede vom Himmel für ein erwachsenes Christentum schwerer auszuhalten, weil es Disziplin braucht, die grandiosen und kitschigen Bilder nicht für das zu halten, was mit "Himmel" gemeint ist. Die Unterscheidung von Himmel und Erde wird in der zentralen Unterscheidung von Gott und Mensch wieder aufgenommen. Vielleicht ist es für aufgeklärte Gemüter schwerer, über das, was "dahinter" ist, schlicht nichts zu wissen, als die falschen oder auch nur unglaublichen Bilder vom "Himmel "zu kritisieren. Wir sind blank. Am Ende mit dem Latein. Jenseits der Wörter. Wir machen uns keine passende Vorstellung. Deshalb ist die Rede vom Himmel eine Zumutung. Natürlich wurde der Himmel als Vertröstungsszenerie oder Drohkulisse missbraucht. Alles, der kindliche Wunsch nach einem kleinen roten Fahrrad und die erwachsene Bitte um mehr Gerechtigkeit auf Erden wurde auf ein Jenseits verschoben, um die Sehnsucht nach mehr Erlösung im Diesseits ebenso zu verdammen wie das Eingeständnis, dass so viel fehlt. Im Horizont des Himmlischen fällt das erst richtig auf. "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", das, was grandios vertont und poetisch umschreiben wurde, weist auf eine Dimension hin, die auch im heutigen Christentum Platz braucht: "Gott" ist größer, schöner, kleiner, anders, näher dran und weiter weg als das menschliche Vorstellungsvermögen. Ohne den Himmel bliebe auch von der Erde nichts übrig, nicht in christlicher Perspektive.

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