In der Karibik gibt es eine Inselgruppe vor Puerto Rico, auf der etwa 100.000 Menschen leben. Amtssprache ist Englisch. Doch die Orte tragen Namen wie Frederiksted und Christiansted, die Hauptstadt ist nach der ehemaligen dänischen Königin Charlotte Amalie benannt. Der Grund: Diese Amerikanischen Jungferninseln waren einst dänische Kolonie. 1917 wechselten sie den Besitzer. Von Dänemark zu den Vereinigten Staaten, die dort eine Militärbasis errichten wollten. 25 Millionen Dollar zahlten die Amerikaner damals, nach heutiger Kaufkraft wären das etwa 500 Millionen Euro.

102 Jahre später möchte mit Donald Trump wieder ein US-Präsident den Dänen eine Insel abkaufen: Grönland. Dabei hatten doch im Kaufvertrag für die Amerikanischen Jungferninseln die USA erstmals die Souveränität Dänemarks über Grönland akzeptiert.

"Grönland hat für die USA vor allem eine militärstrategische Bedeutung", sagt Ulrik Pram Gad von der Universität Aalborg. Schon 1946 bot US-Präsident Harry S. Truman 100 Millionen Dollar für die Insel. 1951 bauten die USA im Norden die Thule Air Base. Sie interessierten sich nach dem Zweiten Weltkrieg für eine dauerhafte Präsenz auf der Insel. Dänemark erhoffte sich Schutz gegen sowjetische Angriffe. Heute ist der Flugplatz Teil eines Frühwarnsystems zur Raketenabwehr. In den frühen 1970er-Jahren gab es erneut Kaufgerüchte. Hintergrund war wohl der 1968 erfolgte Absturz einer B-52 nahe der Thule Air Base. Obwohl Dänemark und somit auch Grönland offiziell nuklearfreie Zone war, hatte der Bomber Atomwaffen an Bord. Die dänische Öffentlichkeit erfuhr das erst Jahrzehnte später. Dennoch sorgten sich die USA wohl um negative Reaktionen.

Heute gibt es eine weitere Dimension. Die Nordwestpassage, die nördlich des amerikanischen Kontinents Pazifik und Atlantik verbindet, wird zunehmend eisfrei. Das ermöglicht Schiffstransporte und Rohstoffsuche. China investierte in den vergangenen Jahren auf der Insel, so wurde sie zum Außenposten im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt.

Also kaufen. Die USA kennen das schon. Im Jahr 1803 kauft US-Präsident Thomas Jefferson für 15 Millionen Dollar dem französischen Konsul Napoleon Bonaparte das historische Louisiana ab: ein Gebiet im Zentrum des amerikanischen Kontinents, das sich heute auf insgesamt 15 Bundesstaaten erstreckt und ein Viertel des gesamten Staatsgebiets der USA umfasst. Ein halbes Jahrhundert später ist Russland nach dem verlorenen Krimkrieg in Geldnot und will sich von der fernen Kolonie Alaska trennen. 1867 geht der Landstrich für 7,2 Millionen Dollar an die USA. In den 1960er-Jahren wird der Kauf durch Öl-Funde zum wirtschaftlichen Erfolg. Auch von Spanien und Mexiko erwarben die USA im 19. Jahrhundert Territorien, das heutige Florida und Gebiete im Süden von Arizona und New Mexico.

Das war immerhin im eigenen Hinterhof. Trump aber will nun fernes Land kaufen. Für den Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer ist das ein Rückschritt, wie er sagt: "An Trumps Vorschlag zeigt sich, dass er in Kategorien denkt, die eher dem Zeitalter des Kolonialismus und des Hochimperialismus angemessen sind als dem der demokratischen Moderne." Nach 1917 wollten die Staaten sich eigentlich keine Territorien mehr verkaufen. Zudem besitzt Grönland seit 2009 eine weitreichende Autonomie. "Dänemark ist der völlig falsche Ansprechpartner", sagt Ebbe Volquardsen von der Universität von Grönland in Nuuk. "Trumps Vorstoß ist ein eklatanter Verstoß gegen das Selbstverwaltungsrecht des grönländischen Volkes."