Noah und die Sintflut, Moses, der das Rote Meer teilte, Jesu Taufe am Jordan und sein Wirken am See Genezareth, wo er übers Wasser gegangen sein soll. Die Christenheit zieht es zum Wasser hin.

Im rheinischen Erkrath findet am 1. September ein Gottesdienst am Unterbacher See statt – mit einem schwimmenden Altar. Günter Ernst, Pfarrer an den dortigen Kirchen St. Johannes der Täufer und Mariä Himmelfahrt, wird die Messe vor einem Steg am Nordufer zelebrieren, wie die Kölner "Kirchenzeitung" vermeldete. Die schwimmende Altarinsel auf dem Floß mag den schwankenden Boden symbolisieren, auf dem sich die Kirchen gerade befinden. Aber dass sich die Kirche in einem Naherholungsgebiet vorstellt und damit vielleicht auch kirchenferne Schaulustige anzieht, ist wohl ein Modell, das sich immer mehr durchsetzt.

Dort zu predigen, wo andere spazieren gehen, senkt nicht nur Schwellenängste, eine Kirche zu betreten, sondern ermöglicht zudem, dass auch Angehörige anderer Religionen an dieser Feier voraussetzungslos teilhaben können. Pfarrer Ernst und sein Team rechnen mit etwa 300 Teilnehmern. Wer die Kirche im Dorf lässt, kann mit so viel Publikumsverkehr heute kaum noch rechnen.

Ein wenig erinnern solche Predigten auch an die frühe Kirche im Heiligen Land. Jesus und seine Jünger predigten auf öffentlichen Marktplätzen, ihnen schlossen sich immer mehr Menschen an, die in einem Tempel diesen neuen Heilsbringern kaum begegnet wären. Gläubige erleben ihre Kirche dadurch einmal anders. Und gottesferne Menschen erfahren eine Kirche, die nicht mehr ihren Vorbehalten entspricht. Auch die Kirche verändert sich dadurch.

Es ist schade, dass die Konfessionen diese Orientierung am Bedürfnis ihrer Kunden so zurückhaltend leben. So hart das für fromme Menschen klingen mag: Kirche ist auch ein spirituelles Servicecenter. Diese Einsicht musste ganz offensichtlich erst aus der Not geboren werden. Zwar gab es auch früher schon Gottesdienste unter freiem Himmel, Katholiken- und evangelische Kirchentage machten es vor, doch war die Innovationsbereitschaft in vielen Gemeinden damit allzu oft schon erschöpft. Im Erzbistum Berlin hat man die Zeichen der Zeit erkannt: In der Weddinger Kirche Sankt Joseph bedankte sich Erzbischof Heiner Koch zu Beginn und am Ende des Gottesdienstes bei der Gemeinde für ihr Erscheinen. Die Rosen, die für die Gottesmutter vor dem Altar ausgestreut wurden, durften am Ende die Gläubigen mitnehmen. Manche mögen denken: So weit ist die Kirche schon heruntergekommen. Doch kann es eine poetischere Möglichkeit geben, den Glauben nach außen zu tragen?

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