© Doreen Borsutzki

1. Gänsemarkt

Zahlreiche Einkaufsstraßen und -passagen treffen an und um diesen Platz aufeinander, die Oper liegt gleich nebenan, trotzdem ist die Gegend abends wenig belebt. Mit der Neugestaltung zweier prägender Bauten könnte sich das ändern. Die rund 40 Jahre alte Gänsemarkt-Passage soll abgerissen werden. Der Investor Signa des österreichischen Kaufhausmilliardärs René Benko will dort ein gemischtes Quartier errichten: wenig Einzelhandel, stattdessen vor allem Büros, Gastronomie und Wohnungen. Wenige Meter weiter, an der Ecke zum Valentinskamp, wird seit Anfang August bereits das Ende der 1920er-Jahre erbaute Deutschlandhaus abgerissen. Bis Mitte 2022 soll dort nach Entwürfen von Hadi Teherani ein dem Vorgänger nicht ganz unähnliches Haus unter anderem mit Wohnungen und einem Palmengarten im Innenhof entstehen.

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2. Springerquartier

Das ehemalige Areal des Axel Springer Verlags soll die neue Verbindung zwischen Innenstadt, Gängeviertel und Neustadt werden. Das markante Eckhaus, in dem der Großverleger einst seine Zeitungen machte, ist denkmalgeschützt und wird lediglich saniert. Angrenzend dagegen entsteht ein achtgeschossiger Neubau samt Dachterrassen, mit Platz für Wohnungen, Büros, Restaurants und Geschäfte. Der Entwurf dafür stammt von den Architekten Gerkan, Marg und Partner. Im Mai dieses Jahres wurde Richtfest gefeiert. Einziehen werden wieder der Springer Verlag und die Wirtschaftsprüfer von KPMG.

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3. Ballindamm

Es ist eine der besten Adressen Hamburgs: Auf der einen Seite befindet sich das prächtige Hauptquartier der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd, die Albert Ballin, nach dem der Boulevard benannt ist, einst zu Weltgröße führte, auf der anderen Seite die Binnenalster. Doch trotz großer Geschichte und Abendsonne fühlt man sich beim Flanieren am Ballindamm eher wie auf einer Autobahn mit Parkplatzleiste. Das soll bald anders werden. Für rund sechs Millionen Euro ist am Wasser eine sieben Meter breite Fußgängerpromenade geplant, die Fahrradwege sollen auf die Straße verlegt werden. Auch der im Juni von den dortigen Immobilienbesitzern errichtete Business Improvement District (BID) Ballindamm will mit mehr als 1,6 Millionen Euro für neue Beleuchtung, Poller, Bänke und Fahrradständer zur weiteren Verschönerung der Straße beitragen. Und dann? Ginge es nach den Grünen, soll der südliche Teil künftig eine Fußgängerzone werden, so steht es im Innenstadtkonzept der Partei. Ginge es nach der CDU, entstünden auf der angrenzenden Binnenalster Pontons mit Bars und Cafés, doch viele fürchten dabei um das traditionelle Bild der Binnenalster. Die Stadtentwicklungssenatorin möchte den Raum lieber "behutsam weiterentwickeln".

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4. Stadthöfe

Das Quartier um die historischen Höfe füllt sich in diesen Monaten ganz langsam mit Leben. Der Hamburger Immobilienentwickler Quantum hat das ehemalige Verwaltungsgebäude zu einem exklusiven Ensemble aus Hotel, Wohnungen, Büros, Gastronomie und Geschäften umgebaut, teils ist er noch dabei. "Eine Hommage ans Leben" lautet das Motto der Stadthöfe. Wer in der Bar des edlen Hotels Tortue einen Cocktail trinken will, kann dafür mehr als 17 Euro ausgeben und den gleichen Betrag für ein paar Jahrgangssardinen. Nebenan werden Designermöbel für fünfstellige Beträge verkauft. Was in der Selbstdarstellung des neuen Ensembles unerwähnt bleibt: Das Stadthaus war einst auch ein Foltergefängnis der Gestapo. Für das Gedenken daran ist dort lediglich eine winzige Fläche von 70 Quadratmetern übrig geblieben, inklusive Buchhandlung und Café.

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5. Gerhart-Hauptmann-Platz

Dieser Ort hat Potenzial, so könnte man den Gerhart-Hauptmann-Platz freundlich beschreiben. Obwohl er an der meistfrequentierten Stelle der Hamburger Innenstadt liegt, sich an seiner Seite das Thalia Theater und die Einkaufs- und Gastropassage Perle befinden, will sich kaum jemand dort aufhalten. Das soll sich ändern. Für insgesamt 13 Plätze im gesamten Stadtgebiet hat der Senat zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt, davon mehr als eine halbe Million für den Gerhart-Hauptmann-Platz, zu dem auch der gegenüberliegende Ida-Ehre-Platz gezählt wird. Künftig soll dort vor allem die historische Sichtachse zur Binnenalster wiederhergestellt werden.

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6. Alter Wall

Direkt neben dem Rathaus entstehen rund 10.000 Quadratmeter neue Handels- und Gastronomiefläche – und 17.000 Quadratmeter für Büros. Das Bucerius Kunst Forum ist bereits auf rund 3000 Quadratmetern eingezogen und soll jährlich mehr als 220.000 Besucher zu dem neuen Shoppingquartier locken. Eine neue Brücke über das Alsterfleet verbindet Alten und Neuen Wall nun miteinander.

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7. Autofreies Rathausquartier

Zur feierlichen Eröffnung der neuen Fußgängerzone bekam der Chef des Bezirksamts Mitte, Falko Droßmann, einen Jutesack geschenkt. Bemalt war der mit einem blauen Fußgängerzone-Schild, die weißen Männlein darauf liefen nicht, sie tanzten. Tanzen statt Autofahren ist an der Kreuzung zwischen Kleiner Johannisstraße und Schauenburger Straße noch bis Ende Oktober möglich. Dann soll die autofreie Testphase ausgewertet und über eine mögliche Fortsetzung diskutiert werden. Und das ist nur der Auftakt. Sollten die Grünen die nächsten Wahlen gewinnen und ihr neues Innenstadtkonzept tatsächlich umsetzen, würden nicht nur das Rathausquartier, sondern auch das Kontorhausviertel, die Mönckebergstraße, der südliche Ballindamm und das gesamte Gebiet zwischen Jungfernstieg und Stadthausbrücke "weitestgehend autofrei" werden, wie die Partei es momentan noch vorsichtig formuliert.

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8. Domachse

Der Weg von der Reesendammbrücke am Jungfernstieg über Bergstraße, Brandstwiete, Bei St. Annen bis zum Überseeboulevard ist die wichtigste Verbindung zwischen der gewachsenen City und der HafenCity. Oder besser: Sie soll es werden. Die beiden Standorte sollen zusammenwachsen, das sieht sowohl der Masterplan HafenCity als auch das Innenstadtkonzept vor. Momentan jedoch funktioniert die Verbindung "nicht in einem zufriedenstellenden Maß", so steht es in einem von der Stadt und dem Shoppingcenter-Konzern Unibail-Rodamco-Westfield beauftragten Gutachten. Dabei kann auch der Laie feststellen, dass es wenig Freude bereitet, zwischen Jungfernstieg und Überseeboulevard hin- und herzulaufen. Spätestens südlich des Domplatzes erwartet ihn Scientology und städtebauliche Wüste, gekrönt von der B 4 und weiteren vielspurigen Straßen, die es zu überqueren gilt. Kein Wunder, dass Frequenzzählungen dort nur auf um die 500 Passanten pro Stunde kommen, während es in der Mönckebergstraße mehr als 5000 sind. Um die Domachse einladender zu machen, schlägt das Gutachten zahlreiche Maßnahmen vor, die meistens die Wörter Umbau, Umnutzung oder Neugestaltung enthalten. Das klingt nach viel Aufwand, weshalb auch die Studie folgert: "Es bedürfte somit enormer gemeinschaftlicher Anstrengungen aller Beteiligten im öffentlichen und privaten Bereich, um eine solche Entwicklung zu befördern." Übersetzt: Vorerst wird das nichts.

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9. Hopfenmarkt

Der Platz vor der Nikolaikirche zwischen Großem Burstah und Willy-Brandt-Straße gilt als Keimzelle Hamburgs, hier stand einst das erste Hamburger Rathaus, und der Große Burstah war Anfang des 20. Jahrhunderts eine beliebte Geschäftsstraße. Heute kennt man den Hopfenmarkt vor allem als Parkplatz mit Klohäuschen und einem klobigen Brückenpfeiler inklusive Rolltreppe. Im Hintergrund befand sich die lange stillgelegte Abrissruine des ehemaligen Allianzgebäudes. Schön geht anders. Die gute Nachricht: Gerade im Nikolaiquartier gibt es zahlreiche Initiativen und Ideen, um die Gegend wieder herauszuputzen. Der Oberbaudirektor denkt darüber nach, auf dem Hopfenmarkt einen Wochenmarkt zu etablieren, der wuchtige Brückenpfeiler soll weg, die historischen Ausgrabungen sollen sichtbar werden. Die Abrissruine des Allianzhochhauses hat mit den Tchibo-Erben inzwischen einen neuen Investor gefunden, hier werden jetzt Wohnungen, Büros, Gastronomie und Geschäfte entstehen, und der BID Nikolaiquartier hat vor wenigen Monaten einen historischen Rundgang durch das Viertel eröffnet.

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10. Südliches Überseequartier

In zehn Jahren werde das Quartier ein voll integrierter Teil Hamburgs sein, sagt der Deutschlandchef des dortigen Shoppingcenter-Investors Unibail-Rodamco-Westfield. Aktuell ist das Viertel eine Baugrube, und zwischen City und HafenCity liegt städtebauliches Brachland.

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