Frauenordination

Was dem Zölibat zum Vorteil, gereicht der Frauenordination zum Nachteil: Weder die Heilige Schrift noch die katholische Tradition kennen Priesterinnen in der Nachfolge Jesu Christi. Diakoninnen mag es in der Spätantike gegeben haben, deshalb wäre ihre Wiedereinführung vergleichsweise einfach, aber wirkliche Priesterinnen: Fehlanzeige. Erschwerend hinzu kommt, dass Papst Johannes Paul II. 1994 in seinem Schreiben Ordinatio sacerdotalis festgelegt hat, dass die Kirche nicht befugt sei, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Durch ein paar Hintertüren könnte man diese Lehre allerdings wieder aufweichen, denn: Sie ist ein sogenanntes Sekundärobjekt des unfehlbaren Lehramts, also ein Dogma zweiter Klasse. Da sie nicht göttlicher, sondern kirchlicher Autorität entspringt, ist die Lehre von der Unmöglichkeit der Priesterweihe für Frauen von den Gläubigen nicht "zu glauben", sondern "zu halten". Daraus folgt, dass sie auch leichter zu verändern ist als ein klassisches Dogma. Aber von wem? Könnte Franziskus seinem Vorvorgänger Johannes Paul II. einfach widersprechen, nach (in Kirchenfragen) verhältnismäßig kurzer Zeit? Es liegt womöglich näher, die Klärung dieser Frage an ein Konzil zu überweisen. Oder darauf zu hoffen, dass die Lage einfacher wird, wenn es erst einmal Diakoninnen gibt, für die Franziskus Sympathien zu haben scheint.
Erfolgsaussichten: 30%

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Zölibat

Die Amazonassynode im Herbst ist der wichtigste Test für die Reformwilligkeit des Papstes in Sachen Zölibat. Wird es Viri probati, also verheirateten Männern, die sich als Diakon bewährt haben, genehmigt, die Priesterweihe zu empfangen, um in den priesterlosen Weiten des Amazonasgebiets den Heilsdienst zu tun? Der Papst selbst hat in einem Papier zur Synode mutige Vorschläge von seiner Kirche verlangt. Doch wie sieht es aus an der theologischen Front? Kirchenrechtlich bedeutet die Ehe ein sogenanntes Weihehindernis. Allerdings wird von diesem Hindernis auch dispensiert: Verheiratete Kleriker anderer christlicher Konfessionen, die zum Katholizismus übertreten, dürfen trotz Ehe katholische Priester sein. Wieso "Fremden" erlauben, was den eigenen Priesterkandidaten verboten ist? Der Papst könnte seinen Jurisdiktionsprimat anwenden und die Frage gegen den Zölibat entscheiden. Dazu benötigt er niemandes Zustimmung. Ist ihm eine weltkirchliche Regelung eine Nummer zu groß, kann er auch zunächst die Zölibatsregelungen nur für das Amazonasgebiet lockern – und damit einen Türöffner für andere Regionen schaffen. Die spirituelle Überhöhung des Zölibats ("den Engeln ähnlich") könnte der Papst einfach eliminieren, da ein Strang der katholischen Tradition ihm widerspricht: Petrus, der erste Stellvertreter Christi auf Erden, war verheiratet. Etliche Priester nach ihm waren es auch, bis Benedikt VIII. erst im 11. Jahrhundert den Pflichtzölibat einführte. Warum? Wegen der gewünschten kultischen Reinheit der Priester, aber vor allem auch, damit die Kinder der Priester keinen Kirchenbesitz mehr erben konnten. Gegen den Zölibat sprechen also Teile der biblischen Überlieferung und Teile der Tradition, mithin die zwei Quellen, aus denen sich katholische Autorität speist.
Erfolgsaussichten 80%

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Sexualmoral

Jede (ja, jede!) sexuelle Handlung außerhalb einer katholisch gültig geschlossenen Ehe ist für die katholische Kirche Sünde. Ganz egal, wer mit wem. Um danach gültig Sakramente empfangen zu können, muss man eigentlich zuerst beichten gehen. Nicht nur in dieser Hinsicht ist die katholische Lehre maximal weit von der Welt entfernt, auch in der Beurteilung von Homosexualität. Wird sich daran jemals etwas ändern? Vielleicht nicht offen lehramtlich, aber in weicheren Formulierungen: "Dauerhafte" Beziehungen könnten vielleicht dermaleinst als Ausdruck "personaler Liebe" betrachtet werden. Kein großer Trost, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Sexualmoral der Kirche seit geraumer Zeit so ist, wie sie ist, ein kleiner Fortschritt. Vielleicht hilft der Gedanke an eine Debatte beim Zweiten Vatikanischen Konzil: Eigentlich war die Kirche der Ansicht, dass es in anderen Religionen kein Heil geben könne, "extra ecclesiam nulla salus" hieß es seit der Spätantike. Nach langen und langwierigen Beratungen einigten sich die Konzilsväter allerdings auf das Schlussdokument Nostra aetate, das die Position der katholischen Kirche gegenüber nichtchristlichen Religionen neu und toleranter bestimmte. Auch in anderen Religionen gibt es Wahrheit, hieß es von damals an. Das Beispiel zeigt: Unwahrscheinliche Veränderungen sind möglich!
Erfolgsaussichten: 50%

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Gemeinsames Abendmahl

"Katholische Spender spenden die Sakramente erlaubt nur katholischen Gläubigen; ebenso empfangen diese die Sakramente erlaubt nur von katholischen Spendern" – so steht es im Kirchenrecht. Katholiken dürfen also nicht bei den Protestanten kommunizieren, weil deren Pfarrer nach katholischer Ansicht nicht gültig geweiht sind und also auch die Sakramente nicht gültig spenden können. Umgekehrt wiederum kann ein Protestant nur in einer "schweren Notlage" die Eucharistie der Katholiken mitfeiern. Ein großes Problem: die katholische Transsubstantiationslehre, die besagt, dass Brot und Wein zu Leib und Blut Christi gewandelt werden. Die reformierten Kirchen haben mit dieser Lehre, die besonders das Konzil von Trient festgelegt hat, ein großes Problem. Näher beieinander ist man mit den Lutheranern: Sie lehren (untereinander nicht unumstritten) die sogenannte Konsubstantiation, welche besagt, dass Leib und Blut Jesu mit Brot und Wein eine sakramentale Einheit bilden. Weil die beiden Auffassungen von Transsubstantiation und Konsubstantiation so weit nicht voneinander entfernt sind, glauben einige Theologen, dass auf diesem Gebiet eine Annäherung in Zukunft möglich sein könnte. In der als "Kommunionsstreit" bekannt gewordenen Problematik hatten deutsche Bischöfe letztes Jahr zu klären versucht, ob wenigstens evangelische Ehepartner von Katholiken mit diesen gemeinsam an der Eucharistie teilnehmen dürften. Eine hammerharte Regelung gab es nicht, nur weiches Lavieren. Einstweilen solle Rom Vorschläge machen, hieß es damals.
Erfolgsaussichten: 50%

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Konzil

Das letzte ökumenische Konzil, das Zweite Vatikanum, liegt erst rund 50 Jahre zurück. Ökumenisch heißt es nicht, weil Protestanten dabei gewesen wären, sondern weil die Gesamtheit der Bischöfe anwesend war, um strittige, grundsätzliche Fragen der Kirche zu klären. Hinter vorgehaltener Hand wünschen sich nicht wenige Theologen ein drittes Vatikanum, um auf die drängenden Themen Sexualmoral, Frauenpriestertum, Kirchenverfassung und etliches mehr einzugehen. Hans Küng forderte schon 2012 ein neues Vatikanum. Damals belächelte man ihn. Seither sind jedoch die Missbrauchsskandale nicht abgerissen, befindet sich die Kirche in einer existenziellen Krise. Welche Chance besteht auf einem Konzil für echte Neuerungen? Entgegen steht die Autoritätsstruktur: Der Papst beruft das Konzil ein, legt die Themen fest und promulgiert (setzt ein) die Schlussdokumente. Andererseits entwickeln Konzilien eine ganz eigene Dynamik, können den Papst gewissermaßen überholen. Damit nicht wieder konservative Bremser die Oberhand gewinnen, würde eine Sache beim Einberufen eines Konzils sicher helfen: den Ort zu wechseln – und nicht in Rom, sondern fern vom Vatikan an einen Ort zu reisen, der sich auch früher schon durch Reformkonzilien hervorgetan hat. Konstanz vielleicht?
Erfolgsaussichten: 20%

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