Das Ganze ist ein himmelschreiendes destruktives Bubenstück. Und wie immer, wenn sich die Politik in künstlerische Belange mischt, weiß mittendrin niemand mehr, worum es eigentlich geht (außer um Macht). Nachdem Peter Ruzicka erklärt hatte, seinen Vertrag als geschäftsführender Intendant der Salzburger Osterfestspiele über 2020 hinaus nicht zu verlängern, bestellte der Aufsichtsrat der Festspiele einen Nachfolger: Nikolaus Bachler, 68, Österreicher. Passenderweise hört Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper in München 2020 auf. Einziges Problem: Der künstlerische Leiter der Osterfestspiele heißt Christian Thielemann, und der will Bachler nicht. Er brauche jemanden, mit dem er kompetent über Musik sprechen könne, so Thielemann am Telefon, einen "Sparringspartner". Bachler ist von Haus aus Schauspieler und hat unter anderem das Wiener Burgtheater geleitet. Außerdem, so Thielemann weiter, habe man in Fragen der Regieästhetik diametral entgegengesetzte Ansichten. Die Osterfestspiele sind seit Karajans Zeiten ein heikles, erzkonservatives Pflaster, Experimente rächen sich rasch an der Kasse. Und potente Sponsoren schielen eh lieber auf den Sommer.

Thielemanns Veto interessierte die Salzburger nicht. Bachlers Vertrag sieht ab 2020 die kaufmännische Geschäftsführung und ab 2022 die Gesamtverantwortung der Osterfestspiele vor. Pikanterweise stand das genau so in der Ausschreibung. Juristisch ist die Sache ein Unding, denn auch Thielemanns Vertrag geht bis 2022 und sieht künstlerische Souveränität vor. Der Dirigent will in drei Jahren Lohengrin spielen, Bachler plädiert für Freischütz. Sängerbesetzungen müssen gemacht werden, die Zeit rennt. Kommt es zum Eklat, könnten die Osterfestspiele bald nicht nur ohne Dirigent dastehen, sondern auch ohne Orchester. Es war Thielemann, der die Dresdner Staatskapelle an die Salzach brachte, nachdem die Berliner Philharmoniker sich aus Geldgründen österlich nach Baden-Baden verfügt hatten. Bachler, heißt es, habe in Leipzig und, huch, bei den Berlinern angeklopft. Deren neuer Chefdirigent ist noch für eine Saison sein Münchner Generalmusikdirektor. Wäre doch gelacht. Aus Baden-Baden wird derweil dementiert, das Philharmoniker-Modell stehe außer Frage.

Was soll dieser österreichische Chauvinismus und Intrigantenstadel? Thielemanns Zahlen sind gut bis sehr gut, Kritik am Künstlerischen gab es nur sporadisch. Lässt man ihn alter, neuer Seilschaften wegen über die Klinge springen? Der Imageschaden ist schon jetzt gewaltig, der ökonomische wird nicht auf sich warten lassen. Beides wäre leicht zu vermeiden gewesen. Durch ein offenes Wort zur rechten Zeit zum Beispiel. Am 17. September tagt der Aufsichtsrat.