Die Mischung aus Fast-Food-Restaurant und Italiener um die Ecke kam gut an, als Vapiano 2002 in Hamburg sein erstes Restaurant eröffnete. Das Unternehmen traf den Geschmack all jener, die sich zu fein sind für McDonalds, aber keine Zeit haben, um am Tisch bedient zu werden. "Fast Casual" nennt sich das Konzept, bei dem Kunden direkt beim Koch bestellen und ihre Wünsche äußern können.

Mäuse in der Küche

Nun aber steckt die Kette in Schwierigkeiten. Schon seit 2015 häufen sich die negativen Schlagzeilen: Mäuse in der Küche, vergammelte Lebensmittel, schlechte Arbeitsbedingungen und lange Wartezeiten vor den Pizza- und Pastastationen. Seit dem Börsengang im Juni 2017 ist der Aktienkurs um mehr als 80 Prozent gefallen.

Kurz vor der Hauptversammlung der Vapiano SE am Mittwoch vergangener Woche verkündete das Unternehmen weitere schlechte Neuigkeiten. Der Verkauf des US-Geschäfts werde sich weiter verzögern. Die derzeit sechs Restaurants in den USA sollten eigentlich schon im Januar für 20 Millionen Dollar den Besitzer wechseln. Das Geld wird dringend benötigt. Vapiano hatte sogar schon eine Exklusivvereinbarung mit dem kalifornischen Beteiligungsfonds Plutos Sama getroffen. Doch der bekam nun Schwierigkeiten, den Deal zu finanzieren. Die Vereinbarung wurde wieder aufgelöst.

Vapiano-Chef Cornelius Everke gab zudem bekannt, die Restaurantkette Ende August nach nur acht Monaten im Amt wieder zu verlassen. Die bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall soll Everkes Amt übernehmen und das Unternehmen wieder auf Kurs bringen.

"Vapiano ist zu schnell gewachsen und hat sich zu wenig um seine Probleme gekümmert."
Michael Lidl von der Unternehmensberatung Treugast

Keine leichte Aufgabe: Im vergangenen Jahr machte Vapiano 101 Millionen Euro Verlust. Die Umsatzsteigerung um 14,4 Prozent beruhte fast ausschließlich auf der Eröffnung neuer Filialen. Lässt man diese außen vor, war der Umsatz leicht rückläufig.

Vapianos aggressive Expansion gilt vielen Beobachtern als Grund für die aktuelle Krise. Innerhalb weniger Jahre hat das Unternehmen 234 Restaurants auf fünf Kontinenten eröffnet. "Vapiano ist zu schnell gewachsen und hat sich zu wenig um seine Probleme gekümmert", sagt Michael Lidl von der Unternehmensberatung Treugast. Die Gäste würden erwarten, dass die Wartezeiten kürzer seien als in üblichen Restaurants. Lidl hält das Vapiano-Prinzip nicht für grundsätzlich gescheitert: "Wenn das Gesamterlebnis passt, ist das Fast-Casual-Konzept nach wie vor sehr vielversprechend", sagt er.

Die Kritik ist bei Vapiano offenbar angekommen. Das Unternehmen hat angekündigt, das Wachstum stark zu bremsen, die Karte zu verschlanken und somit Wartezeiten zu verkürzen. Außerdem experimentiert man mit neuen Bestellsystemen, zum Beispiel per App oder an Bestellbildschirmen, und will vermehrt auf Franchisenehmer setzen.

Für dieses Jahr erwartet Vapiano einen Verlust "im mittleren zweistelligen Millionen- bereich". Bis 2021 will das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben. Dafür hat der Vorstand eine Sanierungsfinanzierung in Höhe von 30 Millionen Euro von den Investoren erhalten. Neben Banken sind daran auch die drei Großaktionäre beteiligt: die Hamburger Milliardärsfamilie Herz, der Unternehmer Gregor Gerlach und die Wella-Erbin Gisa Sander mit ihrem Mann Hans-Joachim. Für die Finanzspritze, die bis November 2022 getilgt sein muss, verlangen die Anteilseigner Zinssätze zwischen zehn und 13 Prozent – einen Vertrauensvorschuss gibt es nicht mehr.

Umso mehr muss die neue Vapiano-Chefin den Aktionären nun zeigen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Hans-Joachim Sander, der mit seiner Frau 15,5 Prozent der Anteile hält, sagte dem Spiegel: "Wenn die Restrukturierung jetzt konsequent umgesetzt wird, bin ich gern bereit, eine längere Durststrecke in Kauf zu nehmen." Wenn der Vorstand eine deutliche Erholungsphase einleite, würde er nochmals Geld zuschießen.

Ob die Maßnahmen wirken, wird sich am 11. September erstmals zeigen. Dann stellt Vapiano die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres vor.