Bis heute haben die Flotten von car2go und DriveNow das Straßennetz kaum entlastet und wahrscheinlich sogar zusätzlichen Verkehr erzeugt. Die Abschaffung privater Fahrzeuge erreichen sie bisher nicht, aber das ist wohl auch nicht ihre Aufgabe. Inzwischen wurden die beiden Unternehmen unter dem Namen Share Now fusioniert, einer Kooperation von BMW und Mercedes. Insider gehen davon aus, dass die Flotte an den meisten Standorten noch immer rote Zahlen schreibt und nur weiterbetrieben wird, um junge Leute an das Verkehrsmittel Auto heranzuführen. Ride-Pooling-Anbieter wie Moia müssten wohl einen höheren Anteil von Fahrten erreichen, die tatsächlich von mehreren Kunden gemeinsam unternommen werden, um die zusätzliche Belastung des Straßennetzes durch Leerfahrten auszugleichen.

"Der neue Großstadtmensch ist einer, der von einer Mobilität zur anderen surft"

Auch Moia dürfte bislang für VW ein Zuschussgeschäft sein. Aber mit den führerlosen Elektrobussen in der HafenCity und einem weiteren Versuch mit Hightech-Autos in der Innenstadt entsteht gerade die Komponente, die diesem Service noch fehlt, um lukrativ zu werden: autonomes Fahren. Kommen die Shuttles eines Tages ohne Fahrer aus, entfällt für den Anbieter schlagartig der größte Kostenfaktor, das Gehalt des Fahrers.

Die neuen E-Scooter schließlich werden ersten Untersuchungen zufolge vor allem auf Wegen eingesetzt, die ihre Fahrer anderenfalls zu Fuß erledigt hätten. Eine Studie aus den USA legt nahe, dass dort in geringem Umfang auch Autofahrten durch Fahren mit dem Elektroroller ersetzt wurden. Aber selbst wenn sich das Ergebnis auf Deutschland übertragen lässt, müsste man viel zusätzlichen Rollerverkehr erzeugen, um vergleichsweise wenig Autoverkehr zu vermeiden.

Für den Senat ist das eine ernüchternde Bilanz. Denn, ja, es gibt auch einen Hamburger Beitrag zur neuen Dienstleistungsmobilität. Zu Zeiten von Olaf Scholz hatte die Stadt zwecks Luftreinhaltung mit Vertretern der Autoindustrie beraten, wie man den Straßenverkehr weniger umweltschädlich gestalten könnte, ohne die private Autonutzung einzuschränken. Moia verdankt sein Experiment in Hamburg diesen Gesprächen, auch die Elektrifizierung der damaligen car2go-Flotte von Daimler geht darauf zurück. "Der neue Großstadtmensch", verkündete Scholz’ Nachfolger Peter Tschentscher, "ist einer, der von einer Mobilität zur anderen surft."

Wem die Surferei nützt, ist offen. Natürlich ist es denkbar, dass eine künftige Generation ökologisch motivierter Stadtbewohner sich aus unterschiedlichen gegenwärtigen und künftigen Angeboten ihre privaten Mobilitätslösungen zusammenstellt und sie dem Auto vorzieht. Bislang aber taugen die neuen Dienstleistungen schon darum kaum als Alternative zum privaten Auto, weil sie fast nur in der Innenstadt angeboten werden.

"Aus eigener Kraft werden die neuen Mobilitätsdienstleistungen mit Sicherheit keinen positiven Beitrag leisten können", sagt Alexander Jung von Agora Verkehrswende. Solange die Städte den knappen öffentlichen Raum auf Fahrbahnen und am Straßenrand kostenlos privaten Autofahrern überließen, meint er, werde sich die Lage auf den Straßen nicht entspannen.