© Roman Pawlowski für DIE ZEIT

Neele Singh,

vier Kinder, Grundschule an der Burgweid:

"In unserem Stadtteil wohnen Familien aus unterschiedlichen Kulturen. Was an einer deutschen Schule üblich ist, wissen nicht alle, zum Beispiel, dass man sein Kind abmelden muss, wenn es krank ist, oder dass die Schule in Deutschland erwartet, dass die Eltern ansprechbar sind.

Unserer Schulleitung ist es wichtig, alle Eltern in die Schule reinzuholen, um so die Familien zu stärken. Deshalb haben wir etwas Besonderes: einen täglichen Elterntreff. Drei Stunden lang können die Mütter und Väter vormittags mit ihren Fragen und Problemen kommen. Die Schulleiterin stellt dafür extra ihren Konferenzraum zur Verfügung. Ich organisiere den Treff abwechselnd mit zwei anderen Müttern unserer Schule.

Wir haben dafür eine Ausbildung zur Elternmentorin gemacht. Das ist ein spezielles Programm hier in Hamburg für Schulen, gerade Schulen mit vielen Eltern aus Einwandererfamilien machen da mit. Wir sollen Brücken schlagen zwischen Elternhaus und Schule. Dafür übersetzen wir zum Beispiel bei Gesprächen mit Lehrern oder wenn jemand einen Elternbrief nicht versteht. Viele der Eltern können nicht so gut Deutsch, mitunter entstehen dadurch Missverständnisse. Wenn in diesen Fällen eine Klärung nötig ist, kommen die Lehrer dann in der nächsten Pause kurz vorbei. Brauchen wir mehr Zeit, vereinbaren wir einen Termin am Nachmittag. Damit möglichst viele Eltern kommen, geht es bei uns nicht nur um Schulfragen. Wir helfen auch beim Ausfüllen von Anträgen, etwa für Wohngeld oder für das Bildungspaket.

Das Angebot wird gut angenommen. So sechs bis acht Eltern kommen täglich vorbei. Wer mag, kann auch einfach nur einen Kaffee trinken."

© Roman Pawlowski für DIE ZEIT

Thorsten Peters,

zwei Kinder, Grundschule Kielortallee:

"Bildung ist den meisten Eltern hier im Viertel ziemlich wichtig. Aus der Kita sind sie es gewohnt, dass sie einen engen Kontakt mit den Erzieherinnen und Erziehern haben. Aber dann kommt das Kind in die erste Klasse in die Schule, und den Lehrer sieht man nur einmal beim Elternabend und beim Lernentwicklungsgespräch, zu dem sich jedes Kind mit einem Elternteil und dem Klassenlehrer einmal im Jahr trifft. Ansonsten gibt es keinen Kontakt – außer wenn Problemen auftauchen.

Ich dagegen finde, Eltern und Schule sollten eine Erziehungsgemeinschaft bilden. Ich habe hier an der Schule als Elternvertreter mitgeholfen, die Elternarbeit zu verändern. Es gibt jetzt zum Beispiel einen konkreten Leitfaden, in dem erklärt wird, wie sich Eltern einbringen können und was die Aufgabe der Elternvollversammlung ist. Da ist viel von uns gekommen, aber das geht trotzdem nur, wenn die Schulleitung das unterstützt und die Eltern zur Mitarbeit einlädt. Bei uns ist das so. Alle gewählten Elternvertreter dürfen zum Beispiel an unserer Schule im Unterricht hospitieren.

Ich habe mich selbst einen Tag lang im Klassenzimmer hinten reingesetzt. Das ist ganz anders als zu meiner Schulzeit. Es gibt fast keinen Frontalunterricht mehr, sondern die Kinder lernen mal allein, mal zu zweit oder in der Gruppe. Es sieht so aus, als würden die Kinder sich den Stoff quasi selbst beibringen. Die Lehrerin moderiert viel mehr, muss aber dennoch aufpassen, dass alle etwas lernen. Das ist ziemlich anspruchsvoll. Ich hatte davon natürlich schon gehört, aber es zu sehen, war noch einmal etwas anderes. Diese Erfahrung hat mir eine Idee vermittelt, wie Schule heute wirklich funktioniert."

© Roman Pawlowski für DIE ZEIT

Michaela Knoke,

drei Kinder, Carl-von-Ossietzky-Gymnasium:

"An unserem Gymnasium können die Eltern konkret dabei helfen, die Schule voranzubringen. Gemeinsam arbeiten wir mit Lehrern, Schulleitung und Schülern in der sogenannten Schulentwicklungsgruppe zusammen. Wir haben da zum Beispiel die Dauer der Schulstunden besprochen und uns gemeinsam nach einer Testphase für eine Organisation in Langstunden à 90 Minuten entschieden. Den klassischen 45-Minuten-Takt gibt es damit so gut wie nicht mehr. Neulich hat der Schülerrat angeregt, dass wir über eine Lockerung der strengen Handynutzung reden sollten. Kann gut sein, dass wir das Thema mit in die nächste Sitzung nehmen.

Die Gruppe trifft sich ungefähr ein- bis zweimal pro Halbjahr abends in der Mensa. Je nach Thema kommen 20 bis 50 Leute. Am Gymnasium, wo man die Lehrer nicht mehr so gut kennt, ist das mit der Kommunikation schwieriger als an der Grundschule. Dennoch ist es wichtig, dass Eltern offen ihre Kritik anbringen können. Das heißt nicht, dass man mit jedem kleinen Ärgernis gleich an die Schulleitung geht. Wir haben einen Kommunikationsleitfaden entwickelt, damit die Eltern wissen, mit welchem Thema sie sich an wen wenden können.

Wenn es etwa ein Problem mit dem Unterricht des Mathelehrers gibt, sollte man zunächst tatsächlich an ihn herantreten, und nur wenn sich das Problem nicht lösen lässt, an die Klassenlehrerin. Ein Gespräch mit der Schulleitung kann nur der letzte Schritt sein. Jeder Schüler hat die Struktur der Ansprechpartner mit Namen und E-Mails in seinem Hausaufgabenheft. So etwas sorgt für Klarheit."