Weißt du noch, damals ... Nach dem Duschen hast du mich nur kurz mit dem Handtuch abgerubbelt, bist in deine Klamotten geschlüpft, und schon konnten wir in den Tag starten. Eincremen, das hast du vielleicht mal im Urlaub gemacht, um mich vor der Sonne zu schützen (wenn überhaupt). Das störte mich nicht, ich blieb geschmeidig und sah blendend aus! Heute dagegen bin ich rau und spröde, manchmal schuppig und staubtrocken. Ich bin, wie Kosmetiker sagen, "anspruchsvoll" geworden. Mediziner schätzen, dass jeder Zweite über 50 Jahren trockene Haut hat. Unter den Jüngeren soll es nur etwa jeder Dritte bis Vierte sein.

Dass ich mich im Laufe des Lebens verändere, liegt vor allem an den Talgdrüsen. Sie produzieren etwa ein Gramm Fett am Tag und leiten es über die Körperhaare nach außen. Zusammen mit deinem Schweiß entsteht so ein öliger Film auf der Haut. Dieser natürlichen Fettcreme ist es zu verdanken, dass du mich in jungen Jahren kaum einschmieren musstest. Wenn ich älter werde, geben meine Talgdrüsen weniger Lipide ab: Die Quelle für die körpereigene Lotion versiegt. Daran sind vor allem die schwindenden Hormone schuld, denn die stimulieren die Talgdrüsen. Denk einmal an die Pubertät, da war es genau andersherum: Der Körper produzierte männliche Hormone im Übermaß, diese sogenannten Androgene befeuerten die Talgdrüsen, und die Pickel sprossen. Mit den Jahren werden diese Drüsen immer träger. Hinzu kommt, dass deine Haare im Alter dünner werden oder ausfallen, vor allem an Armen und Beinen: Das Fett verliert seine Transportkanäle. Frauen spüren diese Veränderungen meist in den Wechseljahren; Männer etwa zehn Jahre später, ihre Haut ist dicker, die Talgdrüsen sind größer und produzieren mehr Fett.

Die Talgdrüsen sind allerdings nicht allein dafür verantwortlich, dass ich so spröde bin. Auch mein äußerer Schutzschild, die Hornschicht, verändert sich mit der Zeit. Diese Schicht ähnelt einer Mauer, wobei verhornte Hautzellen die Steine sind und Fette der Mörtel. Mithilfe natürlicher Feuchthaltesubstanzen speichert die Hornschicht Wasser, sodass ich nicht austrockne. Diese Fähigkeit lässt mit zunehmendem Alter nach: Die Mauer bröckelt.

Die Lebensbedingungen tun ihr Übriges. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass auch unsere Vorfahren unter trockener Haut litten. Anders als wir wuschen sie sich aber mit Wasser aus Bächen und Seen, ab dem 7. Jahrhundert auch mit Seife. Shampoo und Duschgel sind Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Beide enthalten oft Tenside, die das Fett zusätzlich aus der Hornschicht herauslösen. Das darin gespeicherte Wasser verdunstet so leichter. Am besten verwendest du daher Produkte ohne Tenside. Heißes Wasser hat einen ähnlich ungünstigen Effekt, deswegen solltest du dich besser mit lauwarmem oder kaltem waschen – wie unsere Vorfahren.

Neuere Studien zeigen, dass mich die verschmutzte Stadtluft obendrein schneller altern lässt. Ist die Luft zudem trocken, verdunstet das Wasser, das ich gespeichert habe. Wer in einer Region mit niedriger Luftfeuchtigkeit lebt, oft Heizungswärme oder Klimaanlagen ausgesetzt ist, hat Nachteile.

An den biologischen Fakten und den Umgebungsbedingungen können wir beide wenig ändern. Wir müssen uns einfach daran gewöhnen, dass du künftig mehr cremen musst. Bin ich rissig und trocken, verwende eine fettige Salbe. Spanne ich und jucke, benötige ich wahrscheinlich eher eine wasserhaltige Creme oder Lotion. Duschen, anziehen und los – das war einmal. Da habe ich mit fortschreitendem Alter nun mal etwas höhere Ansprüche.