Lutz Meyer ist einer der renommiertesten Politikberater der Republik. Er hat für Gerhard Schröder Wahlkämpfe organisiert und im Jahr 2013 die Kampagne für den Bundestagswahlkampf von Angela Merkel entworfen.

Er verpasste der CDU einen gefühligen Look und machte die Raute zum Markenzeichen der deutschen Kanzlerin.

Heute betreibt Meyer die Kommunikationsberatung Lutz Meyer & Company in Berlin. Er hat sich die Kandidaten (hier finden Sie einen Überblick über alle Bewerber und Bewerberinnen) anhand von drei Kriterien angeschaut: Haben sie Führungsqualitäten? Ein Thema, das die Menschen bewegt? Und würde man seinen Freunden gern davon erzählen, dass man dieser Kandidatin oder jenem Kandidaten seine Stimme gegeben hat?

Nina Scheer & Karl Lauterbach

"Kein Salz, kein Steak"

Karl Lauterbach ist Gastprofessor an der Universität Harvard und Epidemiologe, also Seuchenkundler. Er ist einer, den man gern dabei hat, wenn es einem schlecht geht. Seit Lauterbach seine altmodische Fliege abgelegt hat, wirkt er frischer und besser gelaunt. Wie Barack Obama hat er zu allen Fragen immer die politisch korrekte Antwort, warnt vor Salz und will das Grillen verbieten. Karl Lauterbach ist ein Aktivposten der Partei, für den Vorsitz fehlt etwas Gravitas. An seiner Seite ist Nina Scheer, die Tochter des Erfinders der Energiewende Hermann Scheer. Sie ist Juristin, promovierte Politikwissenschaftlerin und eine begabte Violinistin. In der Fraktion tritt sie stets sehr moralisch auf. Das Paar kandidiert als linkes Gewissen der Partei. Die SPD mag das, für eine Mehrheit im Land ist es noch zu wenig.

Erfolgsfaktor: ●●●●●●○○
Verortung in der SPD: Links

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Ralf Stegner & Gesine Schwan

"Sozialismus für alle"

Gesine Schwan ist Vorsitzende der Grundwerte-Kommission der SPD und schreibt hervorragende Analysen zu den Themen unserer Zeit. Ihr aktuelles Papier widmet sich dem Anthropozän, also der Frage, in welchem Klimazeitalter sich die Welt befindet. Grundsätzlicher geht es kaum. Für den Parteivorsitz fehlt ihr der Drang zur Realität, und auch das Leben im Berliner Villenviertel Zehlendorf passt nicht so recht. Ralf Stegner hat keine Villa und ebenfalls noch nie eine Wahl außerhalb der Parteigremien gewonnen. Seine Medienpräsenz nehmen viele als nicht vorteilhaft für die SPD wahr. Bei Pressekonferenzen wurde ihm oft ein Platz außerhalb des Kamerabildes zugewiesen. Stegners Thema ist die soziale Ungerechtigkeit. Das Gerechtigkeitsprofil der SPD wird mit ihm aber nicht attraktiver.

Erfolgsfaktor: ●●○○○○○○
Verortung in der SPD: Links

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Norbert Walter-Borjans & Saskia Esken

"Krieg den Steuersündern"

Weil er den Ankauf der Daten von Steuersündern verteidigte und die Betrüger zur Kasse bat, wurde der damalige Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, Norbert Walter-Borjans, zum Robin Hood der SPD. Den Ankauf von weiterem Material haben ihm die anderen Bundesländer verboten. Aber Walter-Borjans kämpfte weiter. Dennoch hat die SPD 2017 in NRW verloren. Die weithin unbekannte Bundestagsabgeordnete Saskia Esken verkörpert das sozialdemokratische Aufstiegsversprechen: Kellnerin, Paketbotin, Chauffeurin, Sekretärin, staatlich geprüfte Informatikerin und heute in der Fraktion zuständig für Internet und künstliche Intelligenz. Ein langer Weg, aber weder Thema noch Aura führen zum Parteivorsitz. Dennoch: Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert unterstützt dieses Duo.

Erfolgsfaktor: ●●●○○○○○
Verortung in der SPD: Mitte

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Petra Köpping & Boris Pistorius

"Otto Schily in freundlich"

Boris Pistorius ist der härteste SPD-Innenminister der Welt. Sein Law-and-Order-Programm tut der SPD gut, weil es Führungsstärke und Sicherheit verbindet. Und seine Lebenspartnerin Doris Schröder-Köpf weiß, wie man Kanzler macht. Eigentlich hätte sie running mate von Pistorius sein müssen. Überhaupt sind die Niedersachsen der Kraftquell der SPD. Von hier stammen zwei Bundespräsidenten, viele Bundesminister, ein Kanzler, zwei Parteivorsitzende, zwei Generalsekretäre und die Scorpions. Um den Regionalproporz zu wahren, holte sich Pistorius die bisherige Ministerin für Gleichstellung und Integration aus Sachsen ins Team. Gerade Sachsen ist eine harte Schule für Sozialdemokraten: 7,7 Prozent bei der Landtagswahl am Sonntag. Mit Law and Order und klaren Ansagen könnte das Duo für die SPD mehr als nur den Osten zurückgewinnen.

Erfolgsfaktor: ●●●●●●○○
Verortung in der SPD: Rechts

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Michael Roth & Christina Kampmann

"Einfach vernünftig sein"

Die beiden sind ein telegenes Paar. Superfreundliche und obendrein kluge Köpfe mit vernünftigen Ansichten. Die Kandidatenshow "Roth und Kampmann" ist das sozialdemokratische Remake von "Habeck und Baerbock". Michael Roth stammt aus Ost-Hessen und wirkt trotz seiner 20 Jahre im Bundestag frisch und unverbraucht. Offiziell zum linken Parteiflügel gehörend, tritt er in der Praxis sehr mittig und überlegt auf. Ein junger Staatsmann mit einem modernen SPD-Programm. Christina Kampmann ist weitgehend unbekannt. Sie war zwei Jahre lange NRW-Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur, bevor die SPD dort abgewählt wurde. Sicher nicht wegen ihr. Familie ist in der SPD ein wichtiges Thema, und gemeinsam mit Roth will Kampmann das Parteipräsidium abschaffen und "Fenster und Türen aufmachen", um wieder für die Partei zu begeistern.

Erfolgsfaktor: ●●●●●●○○
Verortung in der SPD: Mitte

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Hilde Mattheis & Dierk Hirschel

"Wir sind die Guten"

Hilde Mattheis und Dierk Hirschel © Thomas Imo/​Getty Images

Hilde Mattheis führt in der SPD-Linken deren linken Flügel. Sie hat diese Rolle übernommen von Sigrid Skarpelis-Sperk, deren Wortmeldungen Gerhard Schröder oft zum plötzlichen Telefonieren außerhalb des Saals veranlassten. Auch Hilde Mattheis streitet stets mit Leidenschaft für ihre Überzeugungen. An ihrer Seite kämpft Dierk Hirschel, der als Bereichsleiter für Wirtschaftspolitik bei ver.di eher praktisch argumentiert. "Wer monatlich 2600 Euro brutto in der Tasche hat, muss mehr als 33 Jahre Vollzeit arbeiten, um später nicht auf dem Sozialamt zu landen." Klare Haltung beim Thema soziale Gerechtigkeit, das kommt an. Und dennoch würde das Team nur wenige Wähler erreichen. Mattheis und Hirschel wissen, dass sie weder in der SPD noch in Deutschland jemals gewählt werden. Aber sie wollen die Diskussion prägen, und das ist viel wert.

Erfolgsfaktor: ●●○○○○○○
Verortung in der SPD: links

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Alexander Ahrens & Simone Lange (Kandidatur zurückgezogen)

"Crossover Ost/West"

Bei diesem Kandidatenpaar ist die Frau ganz klar die Nummer eins. Mutig und selbstbewusst hat Simone Lange einst gegen Andrea Nahles kandidiert und mit einer einzigen Rede ganze 28 Prozent geholt. Ihr starker Satz lautete: "Ich möchte die Stimme der Basis sein." Lange stammt aus dem ostdeutschen Gera und ist nun Oberbürgermeisterin im Westen. Den umgekehrten Weg ging Alexander Ahrens, und zwar von Westberlin in den Osten. Im Jahr 2015 wurde er mit den Stimmen der SPD, der Linken und einer Bürgerpartei zum Oberbürgermeister in der AfD-Hochburg Bautzen gewählt. Das Duo tritt mit kommunalpolitischer Erfahrung an. Für den SPD-Vorsitz dürfte das zu wenig sein. Aber sie können kämpfen.

Erfolgsfaktor: ●●●●●●○○
Verortung in der SPD: Links

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Klara Geywitz & Olaf Scholz

"Vorbild Helmut Schmidt"

Er hat sich lange geziert und ist angesichts des restlichen Bewerberfelds auch etwas überqualifiziert. Bürgermeister in Hamburg, Generalsekretär, Bundesminister, Vizekanzler. Und dann ist er auch noch Jurist. Olaf Scholz hat in Hamburg gezeigt, dass er in einer wirklich miesen Lage eine Wahl gewinnen kann. Sein stärkster Satz: "Wer bei mir Führung bestellt, bekommt Führung." Seine ruhige Art geht vielen in der SPD auf die Nerven, aber das ist kein Nachteil, wenn man Kanzler werden will. Als Vizekanzler ist Scholz in den gesellschaftlichen Hauptthemen immer handlungsfähig. Klara Geywitz ist eher unbekannt. Jüngst hat sie bei der Landtagswahl in Brandenburg ihren Wahlkreis an die Grünen verloren, es fehlten 144 Stimmen. Sie macht weiter und tritt mit Olaf Scholz an. Sie ist eine mutige Frau.

Erfolgsfaktor: ●●●●●●●●
Verortung in der SPD: Rechts

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Karl-Heinz Brunner

"Der coole Bayer"

Karl-Heinz Brunner ist der mutigste männliche Bewerber von allen. Er tritt an als Einzelkandidat, ohne Quoten-Partnerin, dafür mit Schnauzbart und Ohrring. Er ist alt-katholisch, Sprecher der Schwulen und Lesben in der Fraktion, stellvertretender Vorsitzender des Reservistenverbandes, Mitglied bei den Sudetendeutschen, Verteidigungsexperte, Mitglied im Verein für Deutsche Schäferhunde und obendrein Doktor der Philosophie. Brunner ist alles, was ein erfolgreicher SPD-Funktionär eigentlich nicht sein darf. Und genau das macht ihn beliebt und bringt ihm im Wahlkreis immer ein paar zusätzliche Erststimmen. Brunner weiß, dass ihn die SPD niemals zum Vorsitzenden wählt. Aber er will zeigen, was geht, wenn man authentisch bleibt. Fünf SPD-Unterbezirke hat er schon hinter sich gebracht.

Erfolgsfaktor: ●●○○○○○○
Verortung in der SPD: Rechts

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