Robert Illek zeigt auf die Reste eines Pferdekadavers. "Deswegen riecht’s hier heute so streng", sagt der Leiter der Zoologischen Hauptpräparation im Naturhistorischen Museum Wien. "Der ist schon länger gelegen, aufgebläht, und letztendlich explodiert, bevor er zu uns gebracht wurde." Dass die Hundstage Wien zum Glühen bringen, verbessert die Geruchslage am Arbeitsplatz nicht gerade.

Der 53-jährige Niederösterreicher nimmt es gelassen. Für Robert Illek ist die Präparationsabteilung fast so etwas wie sein verlängertes Wohnzimmer: Seit 32 Jahren präpariert er am Naturhistorischen Museum (NHM) tote Tiere, seine Lebensgefährtin Iris Rubin hat hier seit elf Jahren eine Fixanstellung als Modellbauerin.

Begrüßt wird man in der Präparationsabteilung im Innenhof des NHM von einer Giraffe, die dort gerade zur Sanierung "zwischengeparkt" ist. Daneben: ein riesiger Elefantenschädel, an dem zur Entfettung ein dicker Schlauch hängt. Im Kühlraum nebenan sind hauptsächlich Kleintiere und Vögel zu wissenschaftlichen Zwecken gelagert. In den Kellern des Hauses schlummert ein Depot mit Tigern, Löwen, Haien und exotischen Tierobjekten. Etwa Hocker aus Elefantenfüßen aus Zeiten, in denen so etwas noch als salonfähig galt. Insgesamt befinden sich im Naturhistorischen Museum rund 200.000 Tierpräparate. Nur ein Bruchteil dieses Tierfriedhofs ist für die Besucher zu sehen.

"Vor 30 Jahren wurde der Beruf von Jägern dominiert, mittlerweile geht die Branche mehr in die künstlerische Richtung."
Robert Illek, Leiter der Zoologischen Hauptpräparation im Naturhistorischen Museum Wien

Sechs Leute arbeiten in der Präparation, wobei jeder von ihnen seine Spezialität hat. Robert Illek ist eher Handwerker, Iris Rubin die Meisterin für Details. Oder, um es mit ihren Worten zu sagen: "Er ist der Ork, ich der Elf."

Der Ork ist außerdem für die drei Jahre dauernde Lehrlingsausbildung verantwortlich und sorgt dafür, dass die Azubis aus sämtlichen Sparten etwas mitnehmen. Die nächste angehende Präparatorin wird im Herbst fertig, dann kommt gleich eine neue Kandidatin. Unter den 30 Bewerbern, erzählt Illek, sei nur eine Frau gewesen. Die Geschlechterdifferenz habe damit zu tun, wie sich der Beruf in den letzten Jahren entwickelt habe, vermutet der Lehrmeister: "Vor 30 Jahren wurde der Beruf von Jägern dominiert, mittlerweile geht die Branche mehr in die künstlerische Richtung."

In Wien gibt es nur noch einen privaten Präparator, der aber bald in Pension geht und niemanden mehr ausbildet. Die Lehrstellen sind dementsprechend rar, was aber rein rechtlich für ambitionierte Heimwerker mit einem Faible für tote Tiere unwesentlich ist. "Präparation wurde zum freien Gewerbe erklärt, im Grunde darf das jetzt jeder tun", erklärt Illek. Was aber nicht heißt, dass das auch jeder wirklich beherrscht. Sozusagen ein "Worst of" jener "Tierausstopfer", die meinen, mithilfe von ein paar YouTube-Videos wäre das Fach erlernt, versammelt die Website Crappy Taxidermy.

Ungleich professioneller wird natürlich im Museum gearbeitet. Etwa 500 tote Tiere landen hier pro Jahr, vom Kolibri bis zum Elefanten. Jedes Tier wird abgewogen und vermessen, DNA-Proben werden entnommen. "Das meiste, was wir machen, dient der wissenschaftlichen Präparation", sagt Illek.